700 Jahre jüdische Geschichte im historischen Tirol

Dreibändiges Überblickswerk erschien im Haymon Verlag

Innsbruck/Bregenz - Seit rund 700 Jahren leben Juden im historischen Tirol, zu dem das heutige Trentino, Süd-, Nord- und Osttirol zählen, in den Jahrhunderten zwischen 1300 und 1800 gehörte außerdem Vorarlberg dazu. Das dreibändige Überblickswerk "Jüdisches Leben im historischen Tirol" beleuchtet ihre Geschichte von 1300 bis heute. Die mit rund 1.000 Bildern ausgestatteten Bände erschienen kürzlich im Haymon Verlag.

Die Autoren Thomas Albrich, Klaus Brandstätter, Heinz Noflatscher, Martin Achrainer und Sabine Albrich-Flach stellen in den Büchern erstmals die Geschichte der Juden im historischen Tirol dar, die seit Beginn durch Ansiedlungsbeschränkungen, Verbote und Vertreibungen gekennzeichnet war. Neben einem Gesamtüberblick über die historischen Ereignisse bieten die Bücher auch einen Einblick in Einzelschicksale. So wird beispielsweise das Leben von Sigismund Schwarz beleuchtet, der gegen Ende des 19. Jahrhunderts der größte Investor in den privaten Eisenbahnbau in Südtirol war. Auch die Biografien von Josef Bauer und Victor Schwarz, die Anfang des 20. Jahrhunderts das erste Großkaufhaus "Bauer & Schwarz" in Innsbruck eröffneten, werden in dem Werk beschrieben.

Die ersten jüdischen Spuren in Tirol reichen bis in die Zeit um 1300 zurück. Isaak von Lienz, der damals wichtigste Geldgeber des Ostalpenraums, schien zu dieser Zeit erstmals in Urkunden auf. Der erste Band der Buchreihe umfasst die Anfänge der jüdischen Existenz in Tirol bis 1805. Die Autoren setzen sich mit Ansiedlungsbeschränkungen, Verboten und der Ausweisung aller Tiroler Juden im Jahr 1475 auseinander.

Wirtschaftliche und bürgerliche Gleichstellung

Im zweiten Band wird die jüdische Geschichte von der bayrischen Zeit ab 1806 bis zum Ende der Monarchie 1918 beleuchtet. Diese Zeit war geprägt von wirtschaftlicher und bürgerlicher Gleichstellung der Juden. Der Zugang zum Handwerk und das Recht auf Grund- und Hausbesitz machten dies möglich. Auf diese Weise konnte beispielsweise die Familie Rosenthal aus Hohenems Textilfirmen gründen und so zu Fabrikanten und Großbürgern werden.

Die Zwischenkriegszeit, den Zweiten Weltkrieg sowie die Zeit danach handeln die Autoren im letzten Buch der Serie ab. Der Band berichtet vom Antisemitismus in den 1920er-Jahren, der Verfolgung der Juden durch die Nationalsozialisten und die Abschiebungen in diverse Gettos und Vernichtungslager. (APA, 15.12.2012)

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