Im Hamsterrad der Kleinpferde: "Ponys. Eine Aufladung"

13. Dezember 2012, 19:57
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Marie Bues' Inszenierung von Anna Gschnitzers pointiertem Stück wurde in der Garage X uraufgeführt

Wien - "Wenn du merkst, dass du ein totes Pferd reitest, dann steig ab." Besagt ein altes Indianersprichwort, auf das auch Hedgefondsmanager gern setzen. Und wenn man mit einem toten Pony zu tun hat (dafür liegt derzeit kein geeigneter Spruch vor), so ist alles noch schlimmer. Das Theater ist der Ort, an dem solche Weisheiten veranschaulicht werden. Anna Gschnitzer hat in ihrem Stück "Ponys. Eine Aufladung" die Kleinpferde parabelhaft zu Identitätssuchern von heute gemacht.

Drei Ponys mit Namen Butter, Fly und Flatter versuchen in der Welt von heute ihre jeweilige Individualität zu behaupten. Und das ist im Kreuzfeuer so vieler möglicher Lebensentwürfe sehr, sehr schwierig. Die Gemütslagen stehen jedenfalls fest: Butter (Monika Wiedemer) ist das Actionpony, das auf violetten Huf-Highheels seine Energie wildschnaubend zum Ausdruck bringt. Das Reflection-Pony Fly (Stephanie Kämmer) und das Perfection-Pony Flatter (Katharina Behrens) helfen ihm dabei.

Ein kleiner bunter Ponyhof ersteht in Marie Bues' Inszenierung, die nun in der Garage X Uraufführung hatte - als Koproduktion zwischen dem Theaterkollektiv bureau, der Garage X und dem Theater Rampe in Stuttgart, dessen Leitung Bues ab der Spielzeit 2013/14 antreten wird. Hier ziehen die mit Anleihen an Reit- und Cowboy-Kultur kostümierten Ponys im Drehkreuz ihre Runden: zu Pferdemähnen auftoupierte Haare oder Zitate von Dressurreitoutfits (tolle Ausstattung: Elisabeth Bogetseder). Die Musik dazu kommt von Anton Berman und Kostia Rapoport vom Dach einer kleinen rosa Hundehütte im Hintergrund der Bühne. Tiere halten eben fest zusammen!

Die Ponys versuchen, sich für das Leben fit zu machen, den familieneigenen Ponyhof am Laufen zu halten, was in Zeiten der Wirtschaftskrise auch nicht so einfach ist. Autorin Anna Gschnitzer perpetuiert in ihrem witzigen, manchmal halsbrecherisch pointierten Text die Perspektiven. Und irgendwann landet man bei der Vorstellung von der Rettung der Ponys durch - die Ponys: "Von nun an bezahlst du dich einfach selbst!"

Es endet freilich nicht so gut, schließlich ist das iPhone längst erfunden, und mit ihm auch die App, die einen Schlachtschussapparat fernbedienen kann. Tote Pferde legt man Erzfeinden ins Bett. Aber tote Ponys, nein, die darf es nicht geben! Und so dreht Gschnitzer im Sinn der Jugendkultur das Ruder noch einmal herum. Gestorben wird nicht so schnell. (Margarete Affenzeller, DER STANDARD, 14.12.2012)

Wieder am 23./24. 1.

  • Katharina Behrens und Monika Wiedemer als Pony.
    foto: yasmina haddad

    Katharina Behrens und Monika Wiedemer als Pony.

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