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Sonst eher als Spaßbremse bekannt, erlaubt die EU mittlerweile 500 Gramm statt bisher 200 Gramm Explosionsmasse in Sachen Feuerwerksknallerei.
Der Knallertyp braucht zwölf Schüsse. Rote Schweife steigen auf zum Firmament, gefolgt von blauen Sternen und einem großen Knitterwolkenfinale. Nach 30 Sekunden sind die Batterien des Feuerwerks "Rockstar" leer.
Der Energiegeladene zündet nur einmal. Das reicht, und 61 blaue, rote und grüne Sterne zerlegen sich in 55 Meter Höhe am Zenit in "lautstarke Effektblitze".
Der Adrenalin-Junkie verlangt eine Überdosis. Fast vier Minuten ballert die "Overdose", ein verkabeltes Vier-Batterien-System, insgesamt 254 Leuchtkometen, Heulsterne und Goldknisterschweife in Richtung Himmelsgewölbe.
Die Pyromanen-Typologie, von cleveren Managern der Bremerhavener Firma Comet erfunden, zeigt, das moderne Feuerwerkwesen ist männlich und wird zur Multi-Megashow. Mit banaler Böllerei und einer Sektflasche als Raketenabschussrampe erweist Mann sich offensichtlich als Weichei. In den Laboren der Pyro-Firmen gilt die Parole: Verbundfeuerwerk. Eine Kombination von drei, vier, fünf Raketenboxen, jede mit zahlreichen Papprohren, verkabelt zum Super-Kracher. Schneller, höher, lauter heißt das Motto.
Die Branche wird mittlerweile fast ganz von den Chinesen dominiert. Schon dem Namen nach ist klar, wem die Firma Panda Feuerwerk gehört. Eigentlich ist der Panda ja ein sensibles Tierchen. Nun steht der weiß-schwarze Bär als Baller-Marke für "Innovation, Ambition und Vision" und der "Suche nach neuen Produkten, die den Feuerwerksmarkt bereichern". Manches sieht aus wie buntes Flakfeuer, auch die Firmenwerbung klingt nach Kriegsrhetorik.
Nehmen wir "Bluetooth". Ungefähr so schnell wie ein Maschinengewehrfeuer dröhnen die bunten Kugeln Richtung Kosmos. Das Finale signalisiert, so die Reklame, "der Himmel brennt". Und die 70-Schuss-Megapower-Effektbatterie "Rauchende Colts" hört sich tatsächlich wie eine Schießerei aus den gesetzlosen Tagen des Wilden Westens an.
Da wollen die Bremerhavener Comet-Chefs mit ihrer "Höllenmaschine" und einem "6fach Finale aus Multicolor-Knallsternen und Cracklingwolken" dagegenhalten - und offerieren gleichzeitig einen "Burnout", der in einem "blauen Sternaufstieg mit silbernem Schmetterlingseffekt" kulminiert. Thomas Schreiber, Geschäftsführer der deutschen Firma Weco, ist sich sicher, "die Leute benutzen Feuerwerk als Ventil für ihren innerhalb des Jahres aufgestauten Frust". Weco ist eines der wenigen europäischen Häuser, die noch selbst mischen und bauen und sich nicht alles aus China liefern lassen. Da war es fast klar, dass die Herren aus dem Gewerbegebiet Eitorf, östlich von Bonn, ihren Super-Burner mit "146 Schuss und 80 Sekunden Brenndauer" "Patriot" nennen.
Der laute Freudentaumel am letzten Tag des Jahres hat eine lange Geschichte. Als das letzte Stündchen von Papst Silvester I. am 31. Dezember des Jahres 335 schlug, war kaum abzusehen, dass die Menschheit zu Ehren des Toten Jahrhunderte später laut zündelte. Seit 1582 sorgten die Kleriker mit einer Kalenderreform dafür, dass sich Frauen und Männer nicht am 24., sondern am 31. Dezember einiges für das nächste Jahr vornehmen sollten. Und nun ging auch in Europa die Ballerei richtig los. Abschauen konnte man sich diesbezüglich einiges vom Osten. Denn dort kannten schon die Untertanen des Kaisers aus der Song-Dynastie kurz nach dem Jahr 1000 die Kunst des Knallens, ehe auch im Barock die europäischen Fürstenhäuser mit feschem Feuerwerk sternengleich am Himmel funkeln wollten.
Für mehr Spaß im 21. Jahrhundert sorgen gerade die sonst als Spaßbremse bekannten EU-Verordnungen. Richtlinie 2007/23/EG über das in bester Amtssprache formulierte "Inverkehrbringen pyrotechnischer Gegenstände" erlaubt statt 200 Gramm nun bombastische 500 Gramm "Explosionsmasse". Was früher nur Profis mit ausgeklügelter Choreografie in den Abendhimmel zauberten, schießt nun der Amateur mit nur einem Feuerzeug-Zipp locker in Richtung Stratosphäre. Der deutsche Verband der pyrotechnischen Industrie frohlockt, das biete "dem Verbraucher ein Mehr an Genuss ohne einen Verlust an Sicherheit".
Trotzdem treiben die Mega-Knaller den staatlichen Prüfern die Kummertränen in die Augen. Vor allem weil jetzt auch erlaubt ist, die Raketen schräg in den Himmel zu schießen. Ein bisschen Alkohol zu viel, und schon fliegt der Power-Böller, staatlich sanktioniert, Richtung Fenster und Balkon.
Die Technik ist noch lange nicht ausgereizt. Bereits jetzt ermöglichen erste Funkzünder, den Abflug aus sicherer Entfernung zu starten. Schon träumen die Hobbypyromanen davon, demnächst die fulminanten Flugkurven ganz einfach mit einer Smartphone-App losbrausen zu lassen.
Wenn nichts mehr geht, an Silvester geht viel. Die Deutschen zücken für die Party ihr Portmonnaie und geben jedes Jahr etwas mehr als 100 Millionen Euro aus. Da sind die Österreicher kaum knausriger. Statistisch gesehen ein Patt.
In Aggsbach Markt, am Fuße einer mittelalterlichen Burgruine, freut sich Thomas Köchl auf den letzten Tag des Jahres. Wenn es zwischen Bregenz und Wien am Himmel lärmt und leuchtet, steuern auch Raketen "Made in Austria" ihren Ton zum großen Knallkonzert bei. Die Firma Pinto-Feuerwerk ist die einzige im Land, die tatsächlich noch selbst mixt und mischt. Jede Rakete ist handgemacht. Jeder Mitarbeiter trägt Filzpantoffel, damit die Hütte nicht in die Luft fliegt. Qualität gehe vor Quantität, sagt Chef Köchl. Die Kunden kaufen heute lieber "zehn große Raketen statt 30 kleine". "Batteriefeuerwerke sind der Renner", jubelt Köchl. Mit den jetzt erlaubten 500 Gramm seien "wesentlich schönere Effekte" möglich - mit dämonischen Namen. Aus dem Hause Pinto schlägt zunächst "Thors Hammer" mit 36 Schuss zu, ehe "Red Devil" ebenfalls 36-schrötig am Himmel erscheint und das Finale den 49 Raketen des "Hell Fire" überlässt. (Oliver Zelt, Rondo, DER STANDARD, 14.12.2012)
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ich werd' versuchen, um mitternacht den donauwalzer zu rülpsen.
(bin mir aber leider noch nicht sicher, ob sich dieses große vorhaben umsetzen lassen wird)
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