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Landeshauptmann Platter stellt klar, dass die Welt in Tirol noch in Ordnung ist. Während Finanzministerin Fekter anregt, die Schulden der Länder sollten von der Bundesfinanzierungsagentur gemanagt werden, formuliert Platter im "Morgenjournal" kantig: "In Tirol gibt es keine Spekulationsgeschäfte. Ich will weiter selbst entscheiden, wie wir unser Geld veranlagen."
Offenbar fällt ihm der Widerspruch zwischen diesen beiden Sätzen nicht auf. Er ähnelt damit einem Häuslbauer, der seine Hypothek mit einem Tilgungsträger kombiniert und entrüstet von sich weist, dass er damit Spekulation betreibt.
Aber schön der Reihe nach. Die klassische goldene Regel für jeden Schuldner lautet, dass er zu allererst trachten muss, seine Schulden zu minimieren. Wenn er sich dafür entscheidet, darüber hinaus Geld zu veranlagen - wofür er selbstverständlich zusätzliche Schulden aufnehmen muss - dann nimmt er dafür Risken in Kauf. Das kann durchaus gutgehen. Wenn alles nach Plan funktioniert, hilft der Tilgungsträger dem Häuslbauer, seinen Schuldendienst zu verringern. Es kann aber auch weniger gut laufen. Das ist das Wesen von Spekulation. Die Kunst liegt immer darin, die Risken zu erkennen, realistisch einzuschätzen, und Risken gegen Chancen verantwortungsvoll abzuwägen.
Wenn die Gemeinde Hartberg mit fremdem Geld Veranlagungen in Meinl European Land tätigt, grenzt das an Wahnwitz. Viele andere Beispiele könnten genannt werden, die alle gemeinsam haben, dass für die Vermittlung dieser Veranlagungen gutes Geld kassiert wurde.
Geradezu rührend wird die Argumentation, wenn der Salzburger Landesrat Brenner zum Gegenangriff auf die Banken übergeht: Wenn ihnen tatsächlich die Risken des Salzburger Finanzmanagements so klar gewesen wären, warum haben sie denn weiter solche Geschäfte mit Salzburg betrieben? Offenbar ist ihm nicht klar, dass das Risiko der Banken in diesem Fall darin liegt, dass das Land Salzburg seinen vertraglichen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen kann. Dieses Risiko schätzen die Banken nach wie vor als niedrig ein. Ob das Land Salzburg bei diesen Geschäften Gewinne oder Verluste macht, steht auf einem anderen Blatt.
Die Schlussfolgerung aus den Skandalen der vergangenen Wochen - und jenen, die noch ans Tageslicht kommen werden - muss offenbar lauten: Gebietskörperschaften, die Nettoschuldner sind, haben keine Spekulation zu betreiben. Basta!
Damit würde man aber das Kind mit dem Bad ausschütten. Ein Beispiel, warum die Dinge nicht so simpel sind: Die Republik Österreich muss derzeit für Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit etwa 1,7 Prozent Zinsen zahlen. Für kürzere Laufzeiten sind die Zinsen noch niedriger. Ich bin der Meinung, dass Österreich in dieser Situation gut beraten ist, seine Schuldenstruktur in Richtung langfristiger Verschuldung auszurichten, um seine Zinsbelastungen für die nächste Jahre mit 1,7 Prozent einzugrenzen. Aber das ist selbstverständlich Spekulation. In drei Jahren werden wir rückschauend besser wissen, ob es nicht günstiger gewesen wäre, die Verschuldung durch kurzlaufende Anleihen zu finanzieren. Es führt kein Weg daran vorbei, Chancen gegen Risken abzuwägen.
Angenommen, die Republik kommt zu dem Schluss, dass es zurzeit opportun ist, ihre Schulden stärker langfristig zu finanzieren. Wie kann sie das tun? Eine Möglichkeit besteht darin, ihre eigenen kurzfristigen Anleihen zurückzukaufen und im Gegenzug zehnjährige Anleihen zu begeben. Das ist kostenintensiv und etwas umständlich. Einfacher und kostengünstiger ist es, sogenannte Swaps abzuschließen. Der Vertrag besteht darin, dass für einen bestimmten Zeitraum die Zahlungen für kurzfristige Zinsen gegen fixe Zinszahlungen getauscht werden. Ein solcher Vertrag kann durchaus vernünftig sein. Nicht jeder Swap ist von vornherein Teufelszeug. Aber selbstverständlich ist das Spekulation.
Die tägliche Praxis des Umgangs mit den Staatsschulden ist naturgemäß viel komplizierter und detailreicher als das genannte Beispiel. Es wäre keine gute Idee, in der Welle der berechtigten Empörung über unglaubliche Finanzskandale "Spekulationsgeschäfte" kategorisch zu verbieten. Was wir brauchen, ist ein professionelles, transparentes und kompetent überwachtes Management der Schulden der Gebietskörperschaften. Der Vorschlag von Gouverneur Nowotny und Ministerin Fekter, dies bei der Bundesfinanzierungsagentur zu konzentrieren, ist grundvernünftig. Diese staatliche Agentur hat über einen längeren Zeitraum die entsprechenden Strukturen aufgebaut und dem Steuerzahler gute Dienste erwiesen.
Aber wie meint Landeshauptmann Platter? "Das würde die Finanzautonomie der Länder untergraben. Das kann's nicht sein!" (Walter Schachermayer, DER STANDARD, 14.12.2012)
Walter Schachermayer ist Professor für Finanzmathematik an der Universität Wien. Er erhielt 1998 den Wittgenstein-Preis und 2009 einen Advanced Grant der European Research Commission, in dessen Rahmen er die Rolle von Transaktionskosten auf Finanzmärkten analysiert.
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Der Befundstatistik zufolge hat sich die "Krankheit" ADHS in den vergangenen Jahren geradezu explosionsartig verbreitet. Ist aber auch alles ADHS, was als ADHS diagnostiziert wird? Und handelt es sich dabei tatsächlich um eine primär genetisch bedingte Störung?
Da haben Sie aber denn Herrn Schachermayer falsch verstanden: Er schreibt ja, dass Österreich gut beraten ist sich über Anleihen mit langen Laufzeiten zu finanzieren.
Ob das tatsächlich die bessere Variante war, wird sich natürlich erst im Nachhinein herausstellen.
dieses ganze herumdoktoren an einem für die bevölkerung nie funktionierenden geldsystem ist sinnlos. es bringt nur für die 2-5%ige elite etwas.
http://www.youtube.com/watch?v=u1XGbSprl7Y
Sie verplempern nur unser gutes Geld, wie man sieht an Niederösterreich, Kärnten, Bungenland und Salzburg (und wer weiß was noch alles nachkommt) in unserem schönen Österreich, mit schwachsinnigsten Ausreden, wie wir sehen, und fahren zusätzlich eine AUFGEBLÄHTE VERWALTUNG mit lauter lachhaften Spezial-Bestimmungen.
Weg damit, und eine einheitliche Gesetzgebung, und die ordentlich und sparsam !!!
… sondern zurückschlagen: www.youtube.com/watch?v=vNgNM4psRUQ
"Es wäre keine gute Idee, in der Welle der berechtigten Empörung über unglaubliche Finanzskandale "Spekulationsgeschäfte" kategorisch zu verbieten."
da muß ich widersprechen. natürlich gehört so was kategorisch verboten. hier geht es um öffentliche gelder und nicht um irgendwelche privateinkommen der handelnden politikerInnen. und mit denen ist nicht zu spekulieren. punkt.
ich finds immer lustig wenn leute, die sich wahrscheinlich im amateurstudium oder bei verschwörungstheoretikern wissen über finanzmathematik angeeignet haben, meinen dass sie professoren welche sich jahre damit beschäftigt haben etwas darüber erzählen können.
auch die professorInnen, die nach jahrelangem studium in der sowjetunion die bolschewistischen wirtschaftstheorien unterrichtet haben, wähnten sich im besitz der wahrheit (und wer kritik an der planwirtschaft übte, wurde auch als unwissend bezeichnet).
Und wer findet heraus, welche "Projekte" des Staats durch welche Anleihen finanziert sind? Tatsache ist, dass der Staat nicht nur Investitions- sondern vielmehr Konsumkredite aufnimmt. D.h. er finanziert damit Ausgaben, die keine Rückflüsse erwarten lassen. Damit erübrigt sich die Diskussion über die Fristigkeit. Abgesehen davon sind in Ihren Augen die meisten Häuslbauer Spekulanten. Sie finanzieren ein langfristiges Projekt mit variabel verzinsten Krediten.
ist wohl müßig, solange man nicht die konkrete ausgestaltung kennt.
was allerdings als grundsätzlich problematisch gesehen werden kann, ist die geänderte beziehung zwischen bank und gemeinde. aus der biederen hausbank der gemeinde wird plötzlich ein gegenspieler: mein gewinn = dein verlust. das dürften manche nicht rechtzeitig überrissen haben.
daß es ein Naturgesetz ist, das Staaten, Länder oder Gemeinden, und auch deren Summe, also der Staat, nur mit Schulden betrieben werden können.
Selbstverständlich ist auch die Entscheidung zwischen 1 oder 10 jähriger Anleihe eine "Spekulation" auf Zinsveränderungen. Warum aber fragt in diesem Zusammenhang niemand danach, daß Schulden machen im Staatswesen keine Ausnahme für Notfälle, oder im Sinne der Spekulation schlecht gelaufene Jahre ist, sondern offensichtlich der Normalfall.
Und der der Schulden macht, begibt sich immer in eine Abhängigkeit, egal ob ich beim Wirten ein Krügerl anschreiben lasse oder ein Land Milliarden ausborgt.
Und wer sich mit Banken ins Bett legt, wird mit noch mehr Schulden aufwachen.
Der staat muss schulden machen um infrastrukturprojekte mit langer laufzeit zu finanzieren.
Das ist das gleiche wie bei einem haeuslbauer. Auch der hat einen gegenwert zu seiner verschuldung.
Dass ein grossteil der schulden die der staat zur zeit fuer etwas anderes angehauft wird, ist eine anderes problem.
Besser kann man es nicht ausdrücken.
Ich stimme Ihnen prinzipiell zu. Andererseits: Nehmen wir eine Gemeinde, die eine neue Wohnsiedlung mit Infrastruktur ausstatten möchte - Kanal, Straßen, Beleuchtung, usw. Würde sie dies nur aus den laufenden Einnahmen finanzieren wollen, wäre es in den meisten Gemeinden unmöglich. Wenn Sie aber einen Kredit aufnimmt und diesen aus den Mehreinnahmen auf Grund der Besiedlung des neuen Gebiets zurückzahlen will, dann wäre es doch als klassische Investition zu sehen. Daher muss doch ein wenig unterschieden werden. Für Investitionen, aus denen Rückflüsse und in weiterer Folge eine Gesamttilgung zu erwarten ist, sollte Kreditaufnahme möglich sein. Was meinen Sie?
... ist es denn wirklich so schwer zu begreifen.
DAS ist die einzige Aufgabe von Banken und Unternehmern:
http://uhupardo.wordpress.com/2012/12/1... hat-recht/
... und deswegen KANN es nicht funtionieren:
http://uhupardo.wordpress.com/2012/07/1... der-krise/
ja es ist schwer zu begreifen, da sich dies keiner vorstellen will. mit dem K wurde töten oder rauben systemimmanent installiert u deswegen gehört schleunigst eine breite öffentl. debatte über die entwicklung der gesellschaft her.
einer der damit anfängt:
http://www.youtube.com/watch?v=u1XGbSprl7Y
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