Finanzskandal: Wer was wann wusste

Thomas Neuhold, Stefanie Ruep, 13. Dezember 2012, 18:57

SPÖ und ÖVP in Salzburg patzen sich wechselseitig an: Der jeweils andere soll für das Finanzdesaster verantwortlich sein

Salzburg - Wer wusste wann was? So lautet die derzeit zentrale Frage im Salzburger Finanzskandal. SPÖ und ÖVP versuchen, sich wechselseitig die Schuld an dem Verlust von 340 Millionen Euro umzuhängen, wobei niemand sagen kann, wie hoch der Verlust tatsächlich ist und ob die Angaben der inzwischen entlassenen Referatsleiterin Monika R. stimmen. Allein auf ihre - längst zurückgenommen - Aussagen bezieht sich der gesamte Skandal. Aber auch Herbert Hübel, Anwalt von Monika R., rührt kräftig um.

  •  Hübel vs. Burgstaller: Anwalt Hübel behauptet sinngemäß, Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) wäre bereits am 21. September von seiner Mandantin per Mail informiert gewesen. Im Anhang wäre eine Mail von Monika R. an den Chef der Finanzabteilung, Eduard Paulus, gewesen, in dem sie vor Millionenverlusten gewarnt habe. Das Büro Burgstaller verneint auf Anfrage des Standard diese Darstellung. In der Mail, wie in einem nachfolgenden persönlichen Gespräch, sei es um den Entzug der Vollmachten von Monika R. gegangen. Die Landeshauptfrau habe erst am 3. Dezember von den 340 Millionen erfahren. Hübel droht Burgstaller rechtliche Schritte an.
  •  SPÖ vs. Personallandesrat: Die SPÖ sagt, Personallandesrat Sepp Eisl (ÖVP) hätte vor Finanzlandesrat David Brenner (SPÖ) von den vorschriftswidrigen Spekulationen der Referatsleiterin Monika R. gewusst. Finanzhofrat Paulus habe den Chef der Personalabteilung, Gerhard Loidl, bereits am 13. Juli vom Fehlverhalten der Frau informiert. Replik Eisl: Damals sei es um die Nichteinhaltung von Weisungen, nicht um die Geschäfte gegangen.
  •  SPÖ vs. Haslauer: Die SPÖ sagt, dass Finanzabteilungsleiter Paulus ÖVP-Chef Wilfried Haslauer schon im Sommer von den Differenzen mit Monika R. informiert habe. ÖVP-Klubchefin Rogatsch: Dabei sei es nur um dienstrechtliche Angelegenheiten gegangen.
  •  Haslauer vs. Brenner: Haslauer wirft Brenner vor, die anderen Parteien nicht über die Existenz der am 15. Oktober bekannt gewordenen 253 nichtgemeldeten Derivatgeschäfte informiert zu haben. Brenner kontert im Landtag: Er habe Haslauer persönlich informiert.
  •  Grüne vs. Brenner: Zwei Wochen später stellen die Grünen eine Anfrage, welche Derivatgeschäfte das Land abgeschlossen habe. Brenner listet nur die 49 bekannten auf und verschweigt die 253 anderen. Argument: Diese waren zu diesem Zeitpunkt bereits aufgelöst.

Neuwahlen im Mai

Etwas klarer ist die politische Lage. Die vier Landtagsparteien haben sich geeinigt, einen Finanzüberwachungsausschuss zu gründen. Dieser soll die Kontrolle über die Finanzgeschäfte - insbesondere auch über den Ausstieg aus den Risikopapieren - des Landes übernehmen. Bei einer Landtagssondersitzung am 16. Jänner könnte ein eigener U-Ausschuss eingesetzt werden. Offen bleibt, ob sich die Regierungsparteien auf ein Budget für 2013 einigen können.

Mit ihrem Neuwahlwunsch, den die ÖVP auch schon am 16. Jänner durchbringen wollte, wird sie sich aber noch etwas gedulden müssen. Die FPÖ will dem Antrag erst im Landtag am 6. Februar zustimmen. Möglicher Wahltermin in Salzburg: Anfang Mai. ( Thomas Neuhold, Stefanie Ruep, DER STANDADR, 14.12.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 33
1 2

kultur
wenns schiefgeht,weiss keiner von nix.
brenner geht
hoch anzurechnen
weil er der einzige ist
weil andere Kleber das nicht tun-die sesselkleber
schon deswegen verdienen sie sich keine stimme
feig,und nur auf ihr einkommen fixiert mit 1,8% plus

Vom Willi nix gelernt.

Warum macht die OeVP immer in den unmoeglichsten Momenten so einen taktischen Bloedsinn.

Jetzt schon wieder "es reicht" zu sagen, obwohl die Bevoelkerung doch glaubt, dass man selber informiert war, ist ein Geniestreich Willi Moltererschen Ausmasses.

Ich werde Versicherungspapiere, die gegen eine Wahlniederlage der OevP versichern, am freien Markt handeln. Mit diesen EDS (election default swaps) werde ich REICH!!!

Alter Grundsatz: Vertrauen ist gut, Kontrolle jedoch besser

Was mir an dieser Angelegenheit auffällt:
Gab es denn von Beginn (2001) an, zeitgleich ab Erteilung der Generalvollmacht an die Finanzreferentin Mag.R. kein überparteiliches, finanzkompetentes Kontrollgremium?
Warum auch keine Deckelung der Generalvollmacht?

Frau Rathgeber wurde 2003 die Vollmacht erteilt.

Im Landeshaushaltsgesetz, welches der Landtag Jahr für Jahr beschließt, steht zu lesen: "Die Landesregierung ist ermächtigt, zur Deckung des laufenden Geldbedarfs (. . .) zur Erzielung von Zusatzerträgen abgeleitete Finanzgeschäfte durchzuführen, wenn diese Maßnahmen einen wirtschaftlichen Vorteil für das Land erwarten lassen; dies schließt die aktive Verwaltung des Finanzvermögens für den Landeswohnbaufonds mit ein." (Salzburger Nachrichten)

Herr Brenner hat die Konsequenz gezogen, aber Herr Paulus, ein Befürworter der abgeleiteten Finanzgeschäfte, verschanzt sich hinter dem Dienstrecht? Er muss sich die Frage stellen (lassen), was sein Anteil am Versagen der Aufsichts- und Kontrollpflicht ist.

Als ich noch Bauleiter war:

hatten wir einmal einen vergleichsweise geringen schadensfall auf der baustelle.
leutln (ich war ösi im frankenland), leutln, bevor ihr euch in gegenseitigen schuldzuweisungen zerfranst, laßts uns bitte gemeinsam schauen, wie wir aus diesem schlamassel wieder herauskommen...

auffällig auch dass die geschichte erst nach beschluss der politikerInnengehaltserhöhung an die öffentlichkeit kam

Nein, ist nicht auffällig.

Vor der "politikerInnengehaltserhöhung" ist nach der "politikerInnengehaltserhöhung".

Und irgendwas ist sowieso IMMER knapp bevor oder knapp nachdem was passiert ist.

Wie viele

Wilfried Haslauer und Eduard Paulus gibt es in Salzburg? Könnte es also sein, dass beide in der gleichen CV Verbindung - der Rheno-Juvavia - sind?

Es wäre doch die richtige Zeit für ein bisschen Licht ins Dunkel.

nein, außerdem reden die nicht miteinander, nie

Die reden natürlich schon miteinander, aber nur über die Farbe und Länge der Schuhbänder, die gerade modern sind.
Ganz klar ist, daß Haslauer natürlich Bescheid gewußt hat, aber das passt nicht ins taktische Konzept, darüberhinaus, wie der Name Hasi schon sagt, haben sie sowieso nichts gewußt und waren auch nicht dabei....., wer´s glaubt, ist selber schuld.

Monica R.

ich bin für die Referatsleiterin Monika R. als neue Landeshauptfrau.
Sie ist loyal, mutig und verteidigt ( sich) gegen Unrecht.

Die anderen sind nur Zauberlehrlinge, denen ihr Besen zu heiß geworden ist

verteidigt sich gegen Unrecht.

Das wissen Sie woher?

das Märchen...

von der armen, unschuldigen, "kleinen" Beamtin ist sehr unglaubwürdig. Mangelnde Kontrollen hat es zweifellos gegeben, aber Frau Rathgeber nun als die Unschuld vom Lande darzustellen, ist schon eine Chuzpe.

Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen:

Da wird über ein Jahrzehnt auf unser Risiko spekuliert und von den Politikern (die ja eigenlich dem Volke dienen sollten!) wird nur vertuscht, gemauert und gelogen! Unsere Politiker leben in ihrer eigenen Scheinwelt und denken in erster Linie an ihren eigenen Vorteil bzw. den ihrer Partei. Nicht Sachkenntnis ist für die Besetzung von Positionen auschlaggebend, sondern persönliche Beziehungen. Anstand, Ehrlichkeit und Rückgrat sind nicht gefragt, und bei Bedarf kommt es über alle Parteigrenzen hinweg zu den sonderlichsten Koalitionen. Ein Rücktritt wird ohnehin kategorisch ausgeschlosen, obwohl die meisten als Beamte, Kammerangestellte oder dgl. ein "Rückfahrticket" haben. Zeit, dass wir als Souverän Widerstand leisten! Wir sind das Volk!

und das beste ist immer ...

... kein rücktritt denn man würde sich so aus der verantwortung ziehen ... lol ... als ob jemals wer (von den politikern) zur verantwortung gezogen werden würde ... es gibt immer die bauernopfer ...

was heißt da unsere politiker?

ich hab die fpö/övp/spö bande nie gewählt

das nennt man Demokratie

^^

Chronologie des Finanzskandals

http://orf.at/stories/2... 0/2155840/

Mann muss langsam einen neuen Begriff einführen:

"politische Kriminalität" ist stark im Kommen.
Es gab zwar immer, aber heutzutage hat man das Gefühl, dass die Dämme brechen.
Es ist ungeheuerlich, was da sich abspielt.
Bei jedem Grossprojekt (Eurofighter, AKH, BUWOG usw. usw.) die Hälfte der Steuergelder fliessen in die Taschen korrupter Politker, "Lobbyisten", "Experten" usw. Weg mit der Amtsgeheimnis !!!

es liegt im Falle der Salzburger vermutlich eher politische Fetzendeppertheit vor - ansonsten volle Zustimmung

Koruption hat's schon immer gegeben, aber es stimmt, so massiv ist es erst seit...

Der Beginn dieser Welle ist für mich die Niederschlagung der Aufklärung des Spitzelskandals. Eine Partei benutzt Polizisten um an Informationen über politische Gegner heranzukommen.

Einer will Kanzler werden, er braucht diese Partei und verhindert jegliche Aufklärung dieses Skandals. Der erste politische Skandal der zweiten Republik, der nichteinmal ansatzweise weder politisch noch strafrechtlich aufgearbeitet wird.

Danach war eigentlich klar, dass es eh für nichts mehr Konsequenzen gibt.

Das hier in Salzburg war keine Korruption.

Das anzudeuten würde echte Korruption zu Lächerlichkeiten degradieren.

Das hier war Dummheit und oder Inkompetenz. Fragts sich halt nur, von wem.

Ja, politische Korruption und Dummheit ist ein unschlagbares Duo.

Wir haben beides.

Spitzel? Haha

Das war ja ein Skandal der vorvorvorletzten Generation der fast schon wie etwas erscheint, wovon mir mein Opa erzählt hat.

Bei der Menge an neuen Ungereimtheiten, die sich alle paar Wochen quer durch Parteienbänke und Lebensbereiche auftun, wundert es mich nicht, dass einzelne frühere Skandälchen den aktuellen Skandalen weichen müssen, weil sonst wohl alle Welt überfordert wäre.

100 % agree

Wertschätzung und Wertschoepfung für Produktion und Dienstleistung zu propagieren

Die Banken haben mit ihren Luftschlag-Produkten und ihrer Maßlosigkeit ein völlig absurdes Bild von "Erfolg" und "Rendite" geschaffen.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 33
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.