Schwer zu durchschauender Verlagsinvestor

Kopf des Tages13. Dezember 2012, 21:35
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Hans Barlach will an die Spitze von Suhrkamp

Acht Millionen Euro bezahlte Hans Barlach im Jahr 2006 für etwas mehr als ein Drittel der Anteile am renommierten Suhrkamp-Verlag. Das ist keine allzu große Summe, doch für den 1955 im schleswig-holsteinischen Ratzeburg geborenen Enkel des berühmten Bildhauers Ernst Barlach bot sich damit die Gelegenheit, sich auf dem Gebiet der Hochkultur verdient zu machen. Davor waren die verlegerischen Objekte, mit denen er sich beschäftigt hatte, eher populären Zuschnitts: Das Fernsehheft TV Today konnte er an Burda verkaufen, die Hamburger Morgenpost an den ungeliebten Investor David Montgomery.

Nachdem Barlach nun in einem Gerichtsverfahren gegen Ulla Berkéwicz, Chefin und Mehrheitseigentümerin des Suhrkamp-Verlags, in einem wichtigen Punkt einen Sieg errungen hat, fragt sich die Branche in Deutschland, was seine eigentlichen Absichten sein könnten. "Ich habe große Lust, diesen Verlag zu führen", sagte erst vor einer Woche in einem Interview mit Focus: "Ich kann es."

Aus seiner bisherigen Karriere lässt sich dieser Anspruch jedenfalls nicht unmittelbar ableiten. Barlach hat eine Ausbildung zum chemotechnischen Assistenten in den 1970ern nicht abgeschlossen, ab 1975 konzentrierte er sich auf die Verwaltung des Nachlasses von Ernst Barlach. Sein erstes Zeitungsengagement betraf 1984 die Hamburger Rundschau, die er 2000 einstellen musste. Daneben investierte er in Immobilienprojekte mit kulturellem Anspruch, wie den Berli -ner "Kunsthof". Zu Geschäftspartnern und Vertrauensleuten zählt er Frank Otto aus der Familie des Versandhändlers, vor allem aber Axel Rütters, der als sein Berater fungiert und die Europäische Verlagsanstalt führt.

Seit der Beteiligung an Suhrkamp 2006 hat Barlach sein Engagement unterschiedlich kommentiert: von der "Begleitung eines Investments" war die Rede, dann aber auch von der "Überforderung" von Berkéwicz. Wie sehr sich die Lage inzwischen zugespitzt hat, macht ein Gerichtsverfahren deutlich, das Barlach angestrengt hat: Er klagt auf Liquidation der Kommanditgesellschaft, die Suhrkamp auch ist.

Gesellschaftsrechtlich ist die Sache mindestens so kompliziert wie psychologisch. Hans Barlach, der als Alleinerzieher mit zwei Söhnen aus erster Ehe in Hamburg lebt, erweist sich immer wieder als schwer zu durchschauender Opponent seiner schillernden Gegenspielerin Ulla Berkéwicz.  (Bert Rebhandl, DER STANDARD, 14.12.2012)

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    Hans Barlach 2004.

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