Österreich wächst stärker als gedacht

13. Dezember 2012, 17:52
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Österreich sei deutlich stärker gewachsen als prognostiziert, glaubt das Forschungsinstitut Synthesis. Die Beschäftigungslage sei zu gut

Österreich könnte heuer deutlich stärker gewachsen sein, als Wifo und IHS prognostizieren, glaubt das für das AMS tätige Institut Synthesis. Die Beschäftigungslage sei einfach zu gut für die trüben Vorhersagen.

Wien - "Die Teile des Puzzles passen einfach nicht zusammen", sagt Wolfgang Alteneder. Die Zahl der Beschäftigten liegt im Jahresschnitt um rund 46.000 über der des Vorjahres, und trotzdem gehen Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) und Institut für Höhere Studien (IHS) nur von einem Wirtschaftswachstum von 0,6 bis 0,8 Prozent aus - wobei sogar noch Revisionen nach unten im Raum stehen.

Alteneder ist Ökonom beim kleinen Forschungsinstitut Synthesis und macht regelmäßig Studien für das Arbeitsmarktservice (AMS). Sein Haus gewichtet die Beschäftigungsentwicklung deutlich stärker und kommt daher zu ganz anderen Zahlen. Am Ende des Jahres werde Österreich um 1,7 Prozent gewachsen sein, sagt Alteneder im Standard-Gespräch.

Bei Wifo und IHS erwartet er im Nachhinein gröbere Korrekturen. Das sei übrigens gar nicht so ungewöhnlich. Auch in der Vergangenheit sei es schon zu Revisionen von bis zu einem Prozent gekommen. Die bereits veröffentlichten Wifo-Zahlen für die ersten drei Quartale beruhten zu einem erheblichen Teil nur auf Schätzungen, argumentiert Alteneder. "Nur ein kleiner Teil der Wertschöpfung lässt sich wirklich schon empirisch beobachten."

Viele qualifizierte Jobs geschaffen

Bei seiner Berechnung hat er die Abschwächung im zweiten Halbjahr und den Langzeittrend zu Teilzeit schon berücksichtigt. Letzterer habe sich aber nicht beschleunigt, eher im Gegenteil: Die Bemessungsgrundlage für die Sozialversicherungsbeiträge sei stark gestiegen (vier Prozent), wodurch widerlegt sei, dass nur Minijobs bzw. Stellen im niederqualifizierten Bereich entstehen.

Ins Bild passen auch am Donnerstag veröffentlichte Daten der Statistik Austria. Die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden steigt noch immer, allein 74 Millionen Überstunden wurden von Juli bis September verzeichnet.

Mehr Arbeitslose? Fehlalarm

All das spreche dafür, dass die Beschäftigungsstatistik ein zuverlässigeres Bild für die Wirtschaftsentwicklung liefere, sagt Alteneder. Dass gleichzeitig auch die Zahl der Arbeitslosen seit Monaten stark steigt, ist für ihn erklärbar. Zum einen strömten immer mehr Frauen auf den Arbeitsmarkt, zum anderen sei das Arbeitskräfteangebot nach der Ostöffnung deutlich gestiegen.

Behält Synthesis recht, könnte Österreich im Ranking der reichsten Länder in der EU bald weiter nach oben klettern. 2011 lag man bereits auf Platz drei, nach Rang fünf 2010, gab das Eurostat bekannt. Das heimische Bruttoinlandsprodukt pro Kopf lag bei 129 Prozent des EU-Schnitts. Luxemburg liegt weit vorne (271 Prozent), die Niederlanden sind aber mit 131 Prozent in Griffweite. (Günther Oswald, DER STANDARD, 14.12.2012)

  • Forschungsinstitut Synthesis: Am Ende des Jahres wird Österreich um 1,7 
Prozent gewachsen sein.
    grafik: standard

    Forschungsinstitut Synthesis: Am Ende des Jahres wird Österreich um 1,7 Prozent gewachsen sein.

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