Wiener Geothermie-Plan in Aspern muss begraben werden

  • Dieses Gebäude wird nicht gebaut: Die Tiefenbohrung ist gescheitert.
    grafik: www.beyer.co.at

    Dieses Gebäude wird nicht gebaut: Die Tiefenbohrung ist gescheitert.

Die Tiefenbohrung ist gescheitert und das Geothermieprojekt Aspern muss abgeblasen werden. Dieser Fehlschlag bringt nun die gesamte Energiestrategie der Stadt Wien bis 2030 ins Wanken.

Wien - "Der Untergrund ist halt kein Ildefonso", seufzt Professor Johann Goldbrunner von der TU Graz im Standard-Gespräch. Bis zu einer Tiefe von mehr als 3400 Metern hatten er und sein Team bei der Erkundungsbohrung in Aspern genau das gefunden, was erwartet wurde.

Doch dann begannen die Brösel. Oder besser: Es bröselte nichts. "Im Bereich von 3800 bis über 4000 Meter bekamen wir erhebliche Probleme", berichtet Goldbrunner. "Wir stießen auf Gesteine, die bohrtechnisch sehr schwierig sind - sie verliefen nicht horizontal, sondern steckten steil im Untergrund." Der Bohrmeißel blieb stecken.

Bohrungen bei mehr als 4000 Meter Tiefe abgebrochen

Dazu kam die Prognose, dass der gesuchte Hauptdolomit, in dem das ersehnte Thermalwasser erwartet wurde, doch um einiges tiefer liegen dürfte. Und: Bei weiterer Tiefe müsste das Bohrloch enger werden - und damit auch die künftige Ausbeute geringer.

Das war es dann. Die Erkundungsbohrung wurde bei mehr als 4000 Meter Tiefe abgebrochen. "In der nächsten Zeit werden einmal Wunden geleckt. Dann gilt es aber die Ergebnisse aufzuarbeiten, die geologischen Modelle neu einzuordnen und mögliche neue Erkundungsstrategien auszuarbeiten." Künftige Erschließungen "möchte ich keinesfalls ausschließen", betont Goldbrunner.

Zwölf Millionen verloren

Damit sind nicht nur die bisher investierten zwölf bis 13 Millionen Euro für die Wien Energie verloren: "Die Geothermie wäre für uns eine gute Alternative gewesen, um den Anteil an erneuerbarer Energiegewinnung zu heben", räumt der für die Fernwärme zuständige Wien-Energie-Sprecher Boris Kaspar ein.

Geplant war, die vom Thermalwasser gewonnene Wärme direkt in jenes Fernwärmenetz einzuspeisen, mit dem auch das Stadtentwicklungsgebiet Aspern versorgt werden soll. 40 Megawatt erneuerbare Wärmeleistung fallen damit aus - 40 Megawatt, mit denen bis zu 40.000 Wohnungen nachhaltig mit Wärme versorgt worden wären.

Kein Kapazitätsengpass

Ein Kapazitätsengpass entstehe dadurch aber nicht, versichert Kaspar: "Mit unserem Kraftwerkspaket sind wir ohnehin gut aufgestellt." Nur: Die erwartete Reduktion von fossilen Brennstoffen ist nun so nicht mehr möglich.

Bei der Seestadt-Entwicklungsgesellschaft "Wien 3420" geht man davon aus, dass der neue Stadtteil so oder so ans Fernwärmenetz angeschlossen wird. Aber man versuche weiterhin, Nachhaltigkeit in allen Bereichen umzusetzen und den Anteil erneuerbarer Energien so hoch wie nur möglich zu halten - so die vorsichtige erste Reaktion bei "Wien 3420".

Konsequenzen für Wiens Energiestrategie

Sehr wohl hat dieser Fehlschlag aber Konsequenzen für die Energiestrategie von ganz Wien: Die Geothermie war ein wichtiger Eckpfeiler für das Ziel, bis 2030 rund 50 Prozent des Wiener Strom- und Wärmebedarfs mit Erneuerbaren abzudecken.

"Man wird den Erneuerbaren-Anteil jetzt sicher neu berechnen und allenfalls die Energiestrategie adaptieren müssen", bestätigt Christoph Chorherr, Energie- und Planungssprecher der Wiener Grünen.

Man müsse sich nun in anderen Bereichen noch mehr anstrengen, in allererster Linie beim Energieverbrauch, "der so sparsam wie irgendmöglich werden muss". Und dazu die Nutzung der Solarenergie: "Die ist unerlässlich - nicht beim Hausbau von morgen, sondern schon beim Hausbau von heute." Bei der von den Grünen geforderten "Solarverpflichtung" in der Bauordnung "scheint ein guter Kompromiss möglich zu sein", hofft Chorherr.(Roman David-Freihsl, DER STANDARD, 14.12.2012)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 253
1 2 3 4 5 6
So eine Bohrung kann auch ganz schön gefährlich sein.

Stell dir vor, du bohrst in eine unter Druck stehende Magmakammer, dann rummst es sauber und Wien hat auch einen Vulkan.

siehe:
http://de.wikipedia.org/wiki/Deep... ning_Basel
http://de.wikipedia.org/wiki/Geothermie
http://de.wikipedia.org/wiki/Geot... m_Breisgau

...katastrophen tourismus verbessert auch die auslastung der hotelbetten...

...Problem: Kosten für Solarkollektoren eines EFH armortiseren sich

bei den aktuellen kosten in 20-30 jahren...

... Problem: Nach 15 Jahren ist nur noch Schrott auf dem Dach.

Wenn er bis dahin nicht gestohlen wurde.

Ein bisserl typisch für unsere Marketinggesellschaft dass schon ein todchices Bauprojekt visualisiert und wohl auch finanziert wurde obwohl für die Probebohrung grad ein Bauzelt nötig war

...es geht ja nicht um die menschen sondern parteinahe firmen müssen

gefüttert werden....

Wieso wurde eigentlich nicht an der Stelle gebohrt wo die OMV damals kein Öl sondern Thermalwasser gefunden hatte (so weit ich weiss direkt im Flugfeld) ?

Was heißt da dauernd Aspern?

Der Bohrturm steht bombenfest in Essling. Esslinger Thermalwasser wäre dann für die Asperner Seestadt verwendet worden. In Essling hat man keinen Menschen gefragt ob man damit einverstanden ist so einen Bohrturm hinzuknallen. Abgesehen davon dass das Projekt sowieso für die Fisch war.

erdwärme

also wenn man weeiß daß die temeperatur mit der tiefe wächst, ists wohl jedem klar, daß man das auch nützen kann. je tiefer, desto wärmer. also muß man nur tiuef genug bohren, bis man eine zone erreicht, wo eingepumptes wasser heiß genug wird um es geothermisch nützen zu kölnnen. klar, die in der bohrgegend liegenden gesteine, ihre schichtung, sind ein bohrhindernis, gewißm, - abader das ändert nichts daran, daß mit zunehmender tiefe es heißer wird. dort dann kann das projelt realisiert werden. für den ganzen planeten is das nur a klacks, nedamals der schmutz unter virtuellen fingernägelkn...
ikann den obergscheitn da nur empfehln: zuerst nachdenkn, physikkentnisse ausgrabm, und dann schreibm...

Es zeugt schon von unheimlicher Ignoranz, wenn man im Wiener Becken die jahrzehntelange Bohrerfahrung links liegen laesst und das ganze einem TU Professor ueberlaesst.
Das klingt schon unheimlich diletantisch.....

war nicht so.... keine sorge

Sonnen-Kollektoren

auf den Dächern ..davon hat Wienenergie wohl noch nichts gehört...für 12 Millionen könnens locker 40 MWatt an Solarkollektoren aufbauen...!
Auf allen Flachdächern der Gemeindebauten nachrüsten und im ganzen 22 Bezirk wird Warmwasser autark hergestellt!
Aber soweit reichts bei den Planern nicht!! Nicht bei denen im Rathaus!
Nasenbohren geht gerade noch ...

...was ist wenns dunkel ist oder bei schlechtwetter oder im winter...

oder wenn alle varianten auf einmal eintreffen ?
heute nix heizung & duschen da sonne nix scheint...

dfür gibt es dann ja noch immer die Fernwärme oder die Gastherme oder den E-Speicher....

die wird man dann aber bestenfalls im Winter brauchen und ab dem Frühjar gibt es das wieder zumeist gratis!!!

Denn Warmwasser kann man mit Sonnenkollektoren auch bei Difusem Licht erzeugen! Ist nur eine Frage des Wollens!

was, außer aussackeln der leistungsträger,

funktioniert in wien noch?

die mittagspause?

Tja was soll man da machen, der sechzigjährige Erfolgslauf der SPÖ in Wien, neigt sich offenkundig dem Ende zu ...

.

Zeit für die Piraten

.

wahnwitzig teure umweltschmähstrategie

Besser versucht und gescheitert als niemals versucht.

für die bohrfirma natürlich. für die umwelt leider nicht.

Dieses eine ...

... Loch kratzt die Umwelt nicht.

mM

Der Bohrmeißel blieb stecken.

ist mir auch schon passiert. ganz schön schmerzhaft.

Mit dem passenden werkzeug geht's.

Und wieder haben die Verfechter der "erneuerbaren"

12mio € im Boden versenkt! Und das nur für die Bohrung. Mit Planung und Genehmigungen, Gutachten usw. wahrscheinlich noch deutlich mehr.
(Und ich musste mich vor wenigen Wochen bei meinem EE-Skeptizismus im Forum noch belehren lassen, dass das ja ALLES ginge. -mit verweis auf genau dieses Projekt.)
Also wieder mal eine weitere Bestätigung mehr, dass das alles eben nicht geht.(Und das obwohl schon nach der ursprünglichen "wirdschonnixschiefgehen-Planung" die KWh ~doppelt so teuer geworden wäre als aus irgend einem konventionellen- oder Kernkraftwerk. -alle Mittermayers, MaryNoschs, Naderlumps usw. da draussen mögen dieses Ergebnis bitte zur Kenntnis nehmen!

12 mio Euro sind pille palle

Man muss schon die Verhältnisse sehen. Was hätte die Erschließung an Geld gespart?

"Was hätte die Erschließung an Geld gespart?" Vielleicht eine Million

Euro im Wahlkampfbuget der Wiener Grünen um bei der nächsten Wahl auf die selben lächerlichen 14% zu kommen;)
Mit einer Bohung wäre es ja nicht getan gewesen, Sie hätten noch eine 2. Bohrung gebraucht um das Thermalwasser in das Aquifär zurück zu Pumpen, ein Pumpenhaus mit Wärmeverteilung, Elektronik usw. und die ganzen Planungs und Zulassungskosten(die teilweise auch schon angefallen sind. Alles in allem hätte das Projekt sicher 35-40Mio gekostet.
Bei 40MW 8000h/Jahr und Hackgut oder Gaskosten von ~3ct/kwh hätten Sie ~1Mio Brennstoffkosten/Jahr gespart. mach 30-35Jahre Amortisationszeit(und kein Mensch weis ob bis dorthin nicht schon das Bohrloch verschlammt ist). Ein absolut mieser Kapital return mit noch dazu monströsen Risiken!

Posting 1 bis 25 von 253
1 2 3 4 5 6

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.