Marokkanischer Islamisten-Führer Yassine gestorben

Gründete der wichtigsten Oppositionsbewegung Marokkos: "Gerechtigkeit und Spiritualität"

Rabat - Der marokkanische Islamistenführer Scheich Abdessalam Yassine ist tot. Wie die von ihm gegründete Organisation "Gerechtigkeit und Spiritualität" am Donnerstag mitteilte, starb er im Alter von 84 Jahren in seiner Wohnung in der Hauptstadt Rabat. Die von Yassine ins Leben gerufene Vereinigung gilt als die wichtigste oppositionelle Bewegung in Marokko. Sie ist offiziell verboten, wird von den marokkanischen Behörden aber toleriert.

Mehrere Jahre in Haft

Yassine hatte vor gut 40 Jahren seine Karriere als Schulinspektor und Beamter des Bildungsministeriums aufgegeben und sich den Islam-Studien zugewandt. 1973 schrieb er einen Protestbrief mit dem Titel "Der Islam oder die Sintflut" an den damaligen König Hassan II. Daraufhin wurde er für mehrere Jahre inhaftiert. Den jetzigen Monarchen Mohammed VI. rief er in einem Schreiben dazu auf, sich mehr an den Prinzipien des Islams zu orientieren.

Seine Organisation hat ihre Hochburgen in den Armenvierteln der Großstädte und an den Universitäten. Sie stellt die Legitimität der Monarchie infrage, lehnt politische Gewalt aber strikt ab. Die Bewegung hält sich auf Distanz zur gemäßigten Islamisten-Partei PJD (Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung), die seit einem Jahr mit Abdelilah Benkirane Regierungschef in Marokko stellt. (APA, 13.12.2012)

  • Abdessalam Yassine war ein Gegner der Monarchie.
    foto: ap/bounhar

    Abdessalam Yassine war ein Gegner der Monarchie.

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