Leopold Museum setzt auf Wolken und Kokoschka

13. Dezember 2012, 13:32
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Frühjahrspläne nach verlängerter "Nackte Männer"-Ausstellung

Wien  -  Tobias Natter, Direktor des Leopold Museums, erklärte sich bei der Jahrespressekonferenz am Donnerstag  überzeugt, "dass es kein Widerspruch ist, etwas Attraktives zu machen, das die Menschen anzieht und ihnen dennoch etwas Relevantes und Anspruchsvolles zu bieten".

Als besonders besucherstark erwies sich die nun bis 4. März verlängerte "Nackte Männer"-Ausstellung, die "ein enormes Echo" auch in internationalen Medien und "nicht selten mehr als 2.000 Besucher täglich" hervorgerufen hat, wie Natter berichtete. Auch die "Japan"-Schau wird 2013 bis 18. Februar fortgesetzt. Das aus der "Klimt Persönlich"-Ausstellung, die mehr als 250.000 Besucher anlockte, bereits bekannte, nachgebildete Klimt-Atelier aus der Josefstädterstraße wird nun als Dauerleihgabe im vierten Stock präsentiert.

"Der sensible Titan" Kokoschka

"Um nichts weniger sinnlich" als die nackten Männer "in ihrer physischen Präsenz" soll im kommenden Jahr die große Frühjahrsausstellung sein. "Wolken - Bilder zwischen Himmel und Erde" (22.3. bis 1.7.) beschäftigt sich mit den "seltsamen, faszinierenden, schwer greifbaren Gebilden", die Künstler "immer herausgefordert" haben, so Natter. Von 1800 bis heute, von der Romantik über die Neue Fotografie der 1840er und 50er, über die "Wolken als Ornament" um die Jahrhundertwende bis zu zeitgenössischen Positionen von Anselm Kiefer oder Gerhard Richter, wird sich die Schau ziehen.

Als zweites großes Thema widmet sich das Haus Oskar Kokoschka, um "wieder einen neuen Zugang zu einem vermeintlich gut bekannten Künstler" zu suchen. In Kooperation mit der Angewandten und dem Oskar-Kokoschka-Archiv werden dabei unter dem Titel "Der sensible Titan" (4.10.2013 bis 27.1.2014) nicht nur Malerei und Grafik des Künstlers, sondern auch Fotografien aus seinem Leben präsentiert.

Auf Fotos beruht auch die Sommerschau, die der Künstler Manfred Bockelmann gestaltet: Er hat sich den "Erkennungsdienstlichen Fotos", die Gestapo, SS und teilweise auch Ärzte am Spiegelgrund, von Kindern und Jugendlichen bei ihrer Deportration angefertigt haben, gewidmet und sie mit Kohlestift abgemalt. Dieses "schwere Thema" habe man nicht nur als reine Präsentation behandeln wollen, so Vorstandsmitglied Diethard Leopold, der die Schau "Zeichnen gegen das Vergessen" (17.5. bis 2.9.) kuratiert, sondern wird auch Vorträge und Schulprogramme abhalten.

Subvention und Restitution

Beklagt wurde die seit mehr als zehn Jahren eingefrorene Bundessubvention. Mittlerweile habe man mit einem Finanzloch von mehr als einer Million Euro zu kämpfen, erklärte der kaufmännische Direktor, Peter Weinhäupl. Die Kosten am Betrieb habe man "in jeder Hinsicht rationalisiert", neue Geldquellen etwa über den Eigenbetrieb des Shops erschlossen, und mit Besucherzahlen "Richtung 400.000" im Jahr 2012 auch die Eintrittserlöse stark ausgeschöpft. "Im nächsten Jahr wird es lösungsorientierte Gespräche mit dem Bund geben", erklärte Diethard Leopold.

In punkto Restitution und Provenienzforschung ist die Untersuchung sämtlicher Schiele-Gemälde der Sammlung nun abgeschlossen, jetzt widmen sich die Forscher, von denen einer am Haus angestellt, die anderen beiden vom Bund entsendet sind, den Schiele-Blättern sowie der gesamten restlichen Sammlung. Dieser Prozess werde "noch lange nicht abgeschlossen sein", so Leopold. Allerdings habe man mit den bedeutendsten Objekten und jenen, bei denen man einen restitutionswürdigen Hintergrund vermuten konnte, angefangen. Momentan sei weiterhin ein Fall mit Schiele-Blättern aus der Sammlung Karl Mayländer offen: "Die Gespräche laufen".    (APA, 13.12.2012)

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