Keine Freunde und schon gar keine Helfer

13. Dezember 2012, 17:27
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Südamerika-Cup in Sao Paulo endet mit Abbruch und schweren Vorwürfen gegen Sicherheitsbeamte

Sao Paulo - Der globale Fußball ist für Überraschungen gut, er lässt sich immer wieder etwas Neues einfallen. Das Endspiel der Copa Sudamericana zwischen dem FC Sao Paulo und dem argentinischen Klub CA Tigre setzte einen weiteren Meilenstein, die Partie wurde am späten Mittwochabend nach Ende der ersten Hälfte beim Stand von 2:0 für die Brasilianer abgebrochen. Grund waren Schlägereien zwischen den Spielern auf dem Platz und während der Pause in den Umkleidekabinen. Eine dubiose Rolle gab die Polizei, sie soll nach Aussagen der Gäste aus Argentinien für eine Eskalation gesorgt haben.

Ungeachtet der massiven Vorwürfe erklärte der südamerikanische Fußballverband (Conmebol) Sao Paulo zum Sieger. Das Hinspiel hatte 0:0 geendet. Für den Klub ist es der erste Titel im Südamerika-Cup, der mit der Europa League vergleichbar ist.

Zu den Auseinandersetzungen vor rund 70.000 Zuschauern im Morumbi-Stadion war es in der 39. Minute gekommen, nachdem Tigre-Verteidiger Lucas Orban Sao Paulos Mittelfeldspieler Lucas, der das 1:0 erzielt hatte, mit dem Ellenbogen ins Gesicht geschlagen hatte. Der Brasilianer verließ stark blutend das Feld. Der chilenische Schiri Enrique Osses ließ weiterspielen, was zu heftigen Protesten führte.

Da es auch in der Kabine zu Aggressionen kam, musste die Polizei einschreiten, wie das Fernsehen berichtete. Tigre-Trainer Nestor Gorosito, ehemaliger Mittelfeld-Regisseur des FC Tirol und Österreichs Fußballer des Jahres 1991, warf den Beamten hingegen vor, seine Spieler bedroht zu haben. "Sie haben zwei Pistolen gegen uns gezogen. Es war nicht daran zu denken, die Partie fortzusetzen", sagte der 48-jährige Gorosito dem Sender Fox Sports. "Sie haben uns aufgelauert, und einer hat einen Revolver auf die Brust von Tormann Damian Albil gehalten. Ihre Sicherheitsleute und die Polizei haben uns auch geschlagen und misshandelt. Das waren rund 20 Leute."

Der Schiedsrichter brach ab, die Zuschauer wurden informiert, die Sao-Paulo-Kicker rannten aufs Feld, drehten Ehrenrunden, ließen sich abfeiern. Währenddessen verbreiteten argentinische Medien Bilder von blutverschmierten Umkleidekabinen. Spieler gaben an, mit Stöcken geschlagen worden zu seien. Die Tigres-Abordnung verharrte mehr als drei Stunden in den Kabinen und suchte danach eine Polizeistation auf, um Anzeige zu erstatten. Dort wurde sie sicher nicht verprügelt. Sao Paulos Kapitän, Torwart Rogerio Ceni, warf in brasilianischen Medien den Gästen eine rabiate Spielweise vor.

Kein Einzelfall

Der Zwischenfall ist gar nicht so einzigartig gewesen, denn die brasilianische Polizei war in der Vergangenheit schon bei mehreren Matches durch hartes Einschreiten aufgefallen. So war im April 2005 ein Spieler des argentinischen Klubs Quilmes wegen angeblichen Rassismus während des Libertadores-Cup-Spiels gegen Sao Paulo noch auf dem Feld verhaftet und für 40 Stunden in Gewahrsam genommen worden.

In rund 18 Monaten beginnt in Brasilien die WM-Endrunde. Der Weltverband Fifa hat keinerlei Sicherheitsbedenken. Gorosito: "Ich habe große." (APA; red; DER STANDARD; 14.12.2012)

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    Hektische Szenen in Sao Paulo

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