Plagiate kommen in Mode

13. Dezember 2012, 11:40
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Fast jeder dritte Deutsche greift bewusst zum Plagiat, die Fälschungsindustrie wird zunehmend durch organisierte Kriminalität gesteuert

Von der Uhr, über die Handtasche bis hin zur Kettensäge - gefälscht wird so gut wie alles. Was bei einer Rolex um zehn Euro sofort als billige Nachahmung ins Auge springt, ist bei vielen anderen Produkten immer schwieriger als Plagiat auszumachen. Denn die Fälscher werden immer routinierter. Wie eine Studie von Ernst & Young belegt, geben 79 Prozent der Unternehmen in Deutschland an, dass sie mehrfach im Jahr Opfer von Fälschungen werden, 30 Prozent der Deutschen greifen sogar bewusst zum Plagiat. 42 Prozent erwarten, dass die Produktpiraterie weiter zunehmen wird.

Die Schäden sind enorm. Experten schätzen, dass die durch Plagiate entstandenen Kosten den deutschen Unternehmen 50 Milliarden Euro im Jahr kosten. Dennoch gilt für viele der Kauf gefälschter Produkte weiterhin als Kavaliersdelikt, was dazu führt, dass diese zunehmend auch bewusst erworben werden. Besonders die Altersgruppe der 18- bis 25-Jährigen greifen ganz gezielt zum Plagiat.

Wegen der steigenden Nachfrage legen auch die Fälscher an Tempo zu. So stellte Ernst & Young fest, dass bereits 64 Prozent der befragten Manager beobachten, dass Imitationen ihrer Produkte bereits ein Jahr nach dem Originalprodukt auf den Markt landen. Mit 83 Prozent kommen die meisten Fälschungen aus China, gefolgt von Südostasien und der Türkei (jeweils 33 Prozent), und Osteuropa (25 Prozent). Zunehmend wird die Fälschungsindustrie dabei durch organisierte Kriminalität gesteuert, heißt es in der Studie weiter. Vertrieben werden die Fälschungen hauptsächlich im Einzelhandel (75 Prozent), über das Internet (63 Prozent), den Großhandel (50 Prozent) oder über so genannte Fliegende Märkte (25 Prozent).

Die Kriterien, sich bewusst gegen das Plagiat zu entscheiden, liegen in erster Linie in der geringen Qualität (36 Prozent), der Furcht vor Gesundheitsrisiken (26 Prozent) oder der Sorge um Kinderarbeit (24 Prozent).

86 Prozent der befragten Unternehmer sehen auch die Politik in der Pflicht. Ein erster Schritt wären verbesserte EU-weite gesetzliche Schutzbestimmungen, fasst Ernst & Young den Handlungsbedarf zusammen. (red, derStandard.at, 13.12.2012)

Für die Studie wurden Manager von 24 ausgewählten deutschen Unternehmen befragt, darunter mehrere Dax-30-Unternehmen und 3.100 Verbraucher am Rande einer Ausstellung in Einkaufszentren und Fußgängerpassagen.

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    Vor allem Jugendliche greifen gern zu Produktfäschungen.

  • Studie von Ernst & Young zur Produktpiraterie

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