Eurofighter-Gegengeschäfte: Geht's?

Kolumne |

Martin Bartenstein als Oberkellner bei den Eurofighter-Gegengeschäften

Ein uralter Kellner-Witz geht so: Der Gast kontrolliert die Rechnung und will wissen, was der unter den Einträgen für Suppe, Schnitzel und Spritzer angeführte Rechnungsposten: "Geht's? - 10 Euro" bedeuten soll. Daraufhin nimmt der Ober die Rechnung wieder an sich, streicht die 10 Euro durch und kommentiert dies lapidar mit: "Na, dann geht's halt nicht."

Nach dem exakt gleichen Prinzip hat die offizielle Anrechnung der Eurofighter-Gegengeschäfte funktioniert. Der einzige Unterschied: Auf ein reales Gegengeschäft kamen circa zehn "Geht's?"-Posten.

Die Rolle des Oberkellners hat dabei Martin Bartenstein übernommen, der angesichts der Tatsache, dass nun im ganzen Wirtshaus das große Nachrechnen beginnt, sein Hangerl geworfen hat und sich aus der Politik zurückzieht.

An verrechnungstechnischer Kreativität haben er und seine Helfer im Wirtschaftsministerium den geistesverwandten Kollegen aus dem Witz jedoch weit übertroffen. Nahezu täglich werden neue Details bekannt, die auf einen Erfindergeist von überwältigender Kühnheit schließen lassen. Auf die Idee, die Übernahme eines österreichischen Modehauses durch einen italienischen Mitbewerber mit dem Wert des dreifachen Jahresumsatzes des Käufers als Gegengeschäft anzuerkennen, könnte ja noch ein zu hemmungsloser Extravaganz bereiter Bilanzen-Friseur kommen. Aber dass eine zweistündige Gastvorlesung an der TU Graz, die 4800 Euro gekostet hat, durch die Hinzurechnung "volkswirtschaftlicher Wertschöpfungseffekte" schließlich 1.118.298 Euro und 33 Cent wert war, muss man sich erst einmal ausdenken. Und dann noch den Mut haben, das auch hinzuschreiben - Respekt!

Im Interview mit derStandard.at meint Bartenstein zur aufgrund massiven Korruptionsverdachts im Raum stehenden Rückabwicklung des Eurofighter-Deals: "Logischerweise wären auch Gegengeschäfte rückabzuwickeln. Wie das zu machen ist, muss man mir erst erklären."

Dem Mann kann geholfen werden. Etwa anhand des Beispiels einer von MTU Aero Engines ausrangierten Fräsmaschine, die in deren Buchhaltung mit einem Gegenwert von einem Euro aufschien. Dieses Alteisen wurde nicht auf dem Müllplatz entsorgt, sondern dem österreichischen Bundesheer geschenkt. Das Wirtschaftsministerium hat diesen Vorgang als Gegengeschäft im Wert von 810.000 Euro verbucht, bei dem unter anderem die Tatsache, dass eine Gebrauchsanleitung mitgeliefert wurde, als "Know-how-Gewinn" im Wert von 60.000 Euro definiert wurde.

Eine Rückabwicklung könnte nun so ausschauen:

1. Anruf bei MTU Aero Engines: "Wenn ihr die Maschine lieber selber weghauen wollt, lasst es uns wissen, dann schicken wir sie euch zurück."

2. Anruf im Wirtschaftsministerium zum Zweck einer Grundsatzdiskussion über die Grenzen von Chuzpe.

Es geht also in Wirklichkeit ganz leicht, man muss sich nur an das Vorbild aus dem Kellner-Witz halten. Dessen Geständnis "Na, dann geht's halt nicht" ist ein Musterbeispiel für eine gelungene Rückabwicklung. Dass es darüber hinaus auch einen gewissen Charme verstrahlt, der vermutlich den Gast davon abhält, nach dem Geschäftsführer oder der Polizei zu rufen, sollte auch Martin Bartenstein zu denken geben. (Florian Scheuba, DER STANDARD, 13.12.2012)

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