Ein Knick in der Karriere des SPÖ-Jungstars

Kopf des Tages12. Dezember 2012, 19:15
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Der Salzburger Finanzskandal hat sein erstes politisches Opfer gefunden

Wer in die Salzburger SPÖ hineinhört, weiß es längst: Die Tage des David Brenner in der Salzburger Landesregierung sind gezählt. Bei den voraussichtlich im späten Frühjahr 2013 stattfindenden vorgezogenen Landtagswahlen ist er mit Sicherheit nicht mehr auf der Liste: "David wäre wie ein Bleigewicht an den Füßen", sagen wichtige SP-Granden.

Damit hätte der Salzburger Finanzskandal sein erstes politisches Opfer gefunden. Man mag es als ungerecht empfinden, dass ein - zumindest auf Beamtenebene - "tiefschwarzer Skandal" ein "rotes Opfer" fordert, aber Brenners wenig geschicktes Krisenmanagement, das Agieren mit Halbwahrheiten und sein Prinzip, nur zuzugeben, was sich nicht mehr verheimlichen lässt, machen ihn politisch für die SPÖ auf Dauer untragbar.

Dass er immer noch auf der Regierungsbank sitzt, hat einen einfachen Grund. In der derzeitigen Situation würde Landeshauptfrau Gabi Burgstaller wohl niemanden finden, der sich das Finanzressort antut.

Dabei ist bis 2011 für den heute 41-Jährigen alles immer so glatt gelaufen: SJ, Renner-Institut, Landtagsabgeordneter seit 1999, 2004 dann Landtagsklubchef. Dazwischen hat der mit einer ORF-Journalistin liierte Brenner auch noch sein Studium - Politik, Jus und Kommunikationswissenschaften - abgeschlossen.

Seit auf den Tag genau fünf Jahren gehört Brenner als Ressortchef für Finanzen, Sport und Kultur der Landesregierung an. Als Stellvertreter Burgstallers war er auch ihr erklärter Wunschnachfolger.

In der Regierung machte der smarte, sportliche und medientaugliche Jungstar freilich keine so gute Figur wie in den Jahren zuvor. Bei der Affäre um den kaufmännischen Direktor des Landestheaters, der einer Mitarbeiterin anzügliche SMS geschickt haben soll, reagierte er ebenso zögerlich wie beim Askö-Skandal um dubiose Förderverträge und um Doppelförderungen für den SP-nahen Verein.

Ein Verhalten, das sich Freunde Brenners mit einer seiner Grundeigenschaften erklären: Der David sei eben zu konsensorientiert, sagen sie. Er gehe Konflikten aus dem Weg - auch dort, wo man diese austragen müsste.

Vieles an Brenner sei eben nur Oberfläche, ätzen hingegen auch manche SPÖ-Politiker - die meisten hinter vorgehaltener Hand. Nur Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden machte aus seiner Abneigung gegen ihn nie ein großes Geheimnis. (Thomas Neuhold, DER STANDARD, 13.12.2012)

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    Die Tage des David Brenner in der Salzburger Landesregierung sind gezählt.

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