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Sensationsfund oder Fälschung? Ein Gemälde aus dem Jahr 1915 zeigt Forscher beim Studium der Piltdown-Fossilien.
London/Wien - Er sollte mehr als 40 Jahre dauern, bis der Betrug als solcher zweifelsfrei erwiesen war: 1953 konnten britische Forscher nach aufwändigen Untersuchungen zeigen, dass jene spektakulären Fossilien, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts im englischen Dorf Piltdown in der Grafschaft Sussex ausgegraben worden waren, eine höchst raffinierte Fälschung waren. Der Skandal war damit perfekt. Bis heute allerdings ist nicht ganz klar, wer dahintersteckte.
Begonnen hat der Forschungskrimi offiziell am 18. Dezember 1912. Damals stellte der angesehene Paläontologe Arthur Smith Woodward den Sensationsfund bei einem Treffen der Geological Society vor. Der Rechtsanwalt und Hobby-Forscher Charles Dawson hatte ihn kontaktiert und ihm von seiner Entdeckung berichtet: Teile eines menschlichen Schädels mit dazugehörigem Kieferknochen, geschätztes Alter: rund 500.000 Jahre.
Das Besondere an diesem vorgeblichen Puzzleteil der Menschheitsevolution: Die Größe des Schädels deutete auf ein vergleichsweise hoch entwickeltes menschliches Gehirn hin. Der Kieferknochen hingegen erinnerte eher an einen Affen mit menschlich aussehenden Zähnen. Der Fund wurde vor allem als Beweis für die Theorie angesehen, dass die Entwicklung des Gehirns zuerst kam und die Ausbildung anderer Merkmale des modernen Menschen antrieb.
Der spektakuläre Fund kam zu einem günstigen Zeitpunkt: Angefangen mit dem Neandertaler in Deutschland waren in den Jahren zuvor in Europa und anderen Teilen der Welt mehr und mehr Fossilien von frühen Menschen gefunden worden. Allein auf den britischen Inseln wollte sich bis dahin keine Vormenschen-Spuren finden lassen.
Dieses Manko sieht der Paläoanthropologe Chris Stringer (Natural History Museum London) in einem Kommentar im Fachmagazin "Nature" als Hauptgrund an, warum trotz einiger Zweifel die Mehrzahl der Wissenschafter damals glauben wollte, der Fund sei echt. Seit 1953 hingegen weiß man: Der Kieferknochen stammte vermutlich von einem Orang-Utan, die menschlichen Schädelknochen sind höchstens 1000 Jahre alt. Sie waren zusammengestohlen, relativ raffiniert auf "alt" getrimmt und vergraben worden.
Seit 100 Jahren beschäftigen sich Forscher mit dem Fund, heute allerdings aus einem völlig anderen Grund als einst. Vor allem fasziniert die Forscher bis heute die Frage, wer dahintersteckte. Auch aus diesem Grund untersuchen Stringer und 14 Kollegen des Londoner Natural History Museum und verschiedener Universitäten die Funde mit neuesten Techniken. Wie die Forschung seit langem vermutet, war höchstwahrscheinlich Dawson dafür verantwortlich.
Der Wissenschaftshistoriker Oliver Hochadel spekuliert neuerdings, dass Dawson womöglich von einem ähnlichen, aber einfacher gestrickten Betrugsfall in Deutschland zur Aktion inspiriert wurde: Der Apotheker Wilhelm Rappe hatte in der Teufelshöhle bei Steinau einen zerbrochenen Schimpansenschädel vergraben, der 1911 prompt gefunden und für kurze Zeit als Sensationsfund bejubelt wurde.
Wer aber waren Dawsons Komplizen? Als ein Kandidat wird unter anderem "Sherlock Holmes"-Erfinder Arthur Conan Doyle genannt. Sein Motiv: Rache an der damaligen Wissenschaft. Infrage kommt aber auch der französische Jesuit und Forscher Pierre Teilhard de Chardin, der an den Grabungen beteiligt war. Diese Frage will Stringer demnächst mit seinen Kollegen klären.
Wer auch immer eingeweiht war - für Stringer gilt eine Lehre, die aus dem Fall zu ziehen ist, bis heute: "Die Piltdown-Fälschung ist eine beständige Erinnerung an Wissenschafter, dass etwas, was zu schön erscheint, um wahr zu sein, es wahrscheinlich auch nicht ist." (tasch, DER STANDARD, 13.12.2012)
Link
Nature: "The 100-year mystery of Piltdown Man" (kostenpflichtiger Artikel)
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Ja, die Geschichte vom Piltdownfake ist ebenso mysteriös wie aufschlußreich. Faktum ist, dass einige der Beteiligten mehr wußten, als sie preis gaben und ihr Geheimnis mit in's Grab nahmen. Der Schluß, den ich aus dieser Affäre ziehe, ist folgender: Eine gut gemachte Fälschung wird vor allem dann nicht erkannt, wenn sie den Hoffnungen und Erwartungen des Zeitgeistes entspricht. Das ist in diesem Fall der Umstand, dass im aus der Sicht damaliger Wissenschafter kultiviertesten Land seiner Zeit Belege vorhanden sein müssen, die beweisen, dass sich die Evolution zum verstandbegabten Homovertreter in GB vollzog.
Witzigerweise hatte einer der "Beifunde" (ein bearbeiteter Elefantenknochen) tasächlich bemerkenswerte Ähnlichkeit mit einem Cricket-Schläger:
http://www.clarku.edu/~piltdown... mage15.gif
Ist auch eine Fälschung. Heute weiß man, daß der Knochen mit einem Stahlmesser bearbeitet worden sein muß.
Wer hatte Zugang zu den "beigepackten" Tierfossilien und die Gelegenheit, ihrer habhaft zu werden? Die Elefantenüberreste konnten zwischenzeitlich als aus Tunesien stammend identifiziert werden, jene des Zwergnilpferdes stammen zweifelsfrei aus Malta. Und Teilhard lehrte zwischen 1905 u 1908 an einer jesuitischen Schule in Kairo. Über die Route seiner Heimreise ist nichts bekannt, doch berichten seine Briefe aus Kairo vom steten, regen Fossilientausch mit anderen Naturgeschichtlern in Nordafrika. Also wieder kein wirklicher Beweis, aber ein starkes Indiz, dass er zumindest am Schwindel beteiligt war.
Das ist ein interessanter Hinweis, aber der zeitliche Ablauf wird knapp:
Teilhard hat wenige Tage nach seinem "Eckzahn-Fund" 1913 England verlassen und ist nach Frankreich zurückgekehrt. Der "Cricket-Schläger" wurde erst 1914 "gefunden" und die "Piltdown II Fossilien" gar erst 1915. Zu der Zeit (ab Dezember 1914) war Teilhard bereits als Sani im Ersten Weltkrieg im Einsatz. Wenn er nicht Stücke für Dawson längerfristig vorbereitet hat, gibt es keine Möglichkeit, daß er an den nach 1913 gefundenen Fälschungen beteiligt war.
Charles Dawson (1864–1916):
http://upload.wikimedia.org/wikipedia... rtrait.jpg
Er hatte die ersten Knochenfragmente dem Geologen Woodward übergeben; war, obwohl Amateur, bereits zu Lebzeiten bekannt für seine zahlreichen und spektakulären archäologischen und paläontolgischen Funde ("Wizard of Sussex'). In seiner Sammlung wurden vor einigen Jahren allerdings 38(!) Fälschungen nachgewiesen, darunter auch ein vorgebliches "Reptil-Säuger-missing-link", das ähnliche Bearbeitungsspuren zeigt wie die Piltdown-Fossilien. Nach seinen Tod 1916 konnte trotz intensiver Suche in Piltdown keine weiteren Knochenfragmente mehr gefunden werden.
Arthur Smith Woodward (1864–1944):
http://www.oxforddnb.com/images/ar... _200px.jpg
War zu der Zeit Chefgeologe am 'Royal Natural History Museum'. Er hat die ersten Expertisen zum 'Piltdown-Man' verfasst, war aber möglicherweise eher Opfer als Täter. Nach seiner Pensionierung 1924 zog er nach Sussex um in Piltdown (vergeblich) nach weiteren Knochenfragmenten zu suchen.
Pierre Teilhard de Chardin (1881–1955):
http://upload.wikimedia.org/wikipedia... din(1).jpg
Er hat Dawson und Woodward bei den Grabungen in Piltdown geholfen und dabei einen Eckzahn gefunden, der später noch eine Schlüsselstellung bei der Interpretation des "Piltdown-Man" einnehmen sollte. Teilhard war v.a. in jungen Jahren als "practical joker" bekannt; ob das ausreicht um ihn verdächtig zu machen sei dahingestellt...
Martin Hinton (1883–1961):
http://www.clarku.edu/~piltdown... mage56.gif
Neben Dawson eine der interessantesten Figuren im Spiel. Er war Zoologe am 'Royal Natural History Museum' (allerdings erst ab 1921) und als "Lamarckist" ein erkärter Gegner Woodwards. Jahre nach seinem Tod wurde im Museum eine Kiste entdeckt die Zähne und Knochen enthielt, die auf ähnliche Weise "auf Alt" präpariert waren wie die Piltdown-Fossilien. Unklar ist allerdings, ob Hinton an der Fälschung beteiligt war, oder ob er selbst experimentiert hat um eine Fälschung nachzuweisen und damit seinem Widersacher Woodward eins auszuwischen.
Arthur Conan Doyle (1859–1930):
http://upload.wikimedia.org/wikipedia... _doyle.jpg
Der Schriftsteller hat sich zu der Zeit regelmäßig in der Gegend um Piltdown aufgehalten um dort Golf zu spielen. Bekannt ist auch, daß er wegen seinem Hang zum Spiritualismus in permanentem Clinch mit der "mainstream-Wissenschaft' lag, weshalb ihm einige nachsagen, er hätte etwas mit der Sache zu tun, weil er seine Gegner blamieren wollte. Wenn dem so ist, bleibt die Frage, warum er die Fälschung nie aufgedeckt hat um seinen Triumph einzuheimsen...
Verdächtiger Nr. 6
http://i49.tinypic.com/dfgmm1.jpg (2013-? im häfn)
Nein, habe ich nicht. Du kannst die einzelnen aufgelisteten Personen gerne selber nachgooglen um Dir ein Bild zu machen.
Vielleicht könntest Du dann Deine Kritik bitte auch etwas konkretisieren?
Ich finde dieses Detailthema der Wissenschaftsgeschichte spannend und lasse mich gerne auf eine kleine Diskussion ein...
...was ueber diese piltdown menschen geschichte gelesen. Von charles darwin war da weit und breit keine rede. Fakt ist aber, dass es ein kreationistisches hobby ist a) auf der piltdown mensch geschichte herumzureiten und b) charles darwin alles boese hinaufzudividieren was nur irgendwie geht
...ich habe sie einmal ausgesucht freundlich auf einen denkfehler aufmerksam gemacht, wo sie einfach vergessen haben dass sich kalk ab 60grad als schwerloeslicher belag auf waermetauschern, heizstaeben etc. absetzt. Ich haette auch schreiben koennen dass das fuer einen *verfahrenstechniker* peinlich ist und jede hausfrau das weiss. Grund mich anzupoebeln haben sie jedenfalls keinen.
Aber keine angst: so gschert wie sie werd ich nie, also: keine drohung.
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