Peter Handke und das "Superhirn"

Kommentar der anderen |

Randbemerkung zu den bunten Ereignissen in Salzburg am 6. Dezember

Am 6. Dezember 2012 fielen in Salzburg einige bemerkenswerte Ereignisse zusammen: ein erwartbares, ein erfreuliches und ein katastrophales.

Das Erwartbare: Im alpinen Salzburg lief wie jedes Jahr die auf viele Orte verteilte große Showbrauchtums-Show der Krampusläufe ab, die längst zu durchchoreografierten Besäufnisanlässen mit mehr oder minder gezähmten Gewalteinlagen geworden sind.

Das Erfreuliche: Peter Handke, mehrere Jahre Wahlsalzburger, wurde an diesem Tag siebzig Jahre alt. Da war es für die Fototermin-Kulturpolitik des Landes nur - so heißt doch die offenbar wörtlich genommene Floskel - recht und billig, ihn für sein "Lebenswerk" mit dem pompös als "Großer Kunstpreis des Landes Salzburg" benannten 15.000-Euro-Bettel auszuzeichnen.

Damit kein Missverständnis entstehe: Es müssen reichlich Bücher verkauft werden, um diesen Betrag über Tantiemen zu verdienen. Und schon gar nicht lächerlich ist diese für ein Lebenswerk läppische Summe für einen Durchschnittsverdiener. Aber der kann ja auch nur von den Geldern träumen, die ein Protektionskind des Kulturlandesrates vertragsgemäß selbst nach fristloser Kündigung vom Salzburger Landestheater noch bezahlt bekommt. - Endgültig zur Farce wird die Kunstpreis-Dotierung für ein Lebenswerk natürlich, wenn man an das dritte Ereignis dieses Tages denkt!

Das Katastrophale: Eine als "Superhirn" bezeichnete Finanzvertragsbedienstete des Landes hat über Finanzwetten mit Steuergeldern einen Schuldenberg von mutmaßlich 340 Millionen Euro angehäuft!

Nun ist im Zusammenhang mit dieser zur Alleinschuldigen erklärten Frau die Rede von "krimineller Energie" - doch nach allem, was bekannt ist, hat sie sich nicht persönlich bereichert. Die kriminelle Energie liegt also im offenkundigen Verschleiern ihres Tuns, denn alle sogenannten Kontrollinstanzen haben restlos versagt! Trotz, wie man hört, frühzeitiger Warnungen seitens der Banken.

Ahnungslos gibt sich auch der zuständige Landesrat, der auf dem Gang in die Krisensitzung in die Kameras grinst, als sei er auf dem Weg zu einer Geburtstagsparty. Er ist passenderweise für Kultur und für Finanzen "federführend". Der somit einerseits jemanden mit 15.000 Euro für sein Lebenswerk "ehrt", andererseits politisch die verzockte Riesensumme - und all die Ungereimtheiten, die damit zusammenhängen - zu verantworten hat.

Zu befürchten ist, dass letztlich einmal mehr die völlig Falschen von diesem Fehlverhalten profitieren werden.

Aber, wie sagte die Frau Landeshauptfrau am 6. Dezember im Fernsehen allen Ernstes: Die 340 Millionen Euro seien ja nur ein "fiktiver" Verlust.

Und schon sind wir also auch in einer literarischen Kategorie - und damit wieder beim geehrten Geburtstagsmann Peter Handke. Als dieser nämlich vor gar nicht so langer Zeit in Salzburg die Ehrendoktorwürde entgegennahm, beendete er seine Dankesrede mit dem bedenkenswerten Satz: "Ab jetzt könnt ihr mich vor Gericht bringen, wenn ich noch einmal im Leben öffentlich auftreten sollte."

Das Krampustaggeburtstagskind hat sich damit launig sozusagen selber die Rute ins Fenster gestellt. Oder seinen Freunden - nicht den Feinden! -, denn nur Erstere wären für ihn als solche wohl daran zu erkennen gewesen, dass sie ihn beim Wort genommen und wegen seines Auftrittes bei der Salzburger "Lebenswerk-Auszeichnung" geklagt hätten. (O. P. Zier, DER STANDARD, 13.12.2012)

O. P. Zier, geb. 1954, lebt als freier Schriftsteller in Salzburg. Zuletzt erschienen im Residenz-Verlag die Romane "Tote Saison" und "Mordsonate".

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