Ermittlungen gegen Chef der Deutschen Bank

Birgit Baumann aus Berlin
12. Dezember 2012, 18:16

Fünf Mitarbeiter der Deutschen Bank sollen in einen Steuerbetrug mit CO2-Zertifikaten verwickelt sein. Auch gegen Co-Chef Fitschen wird ermittelt

Es war ein reges Kommen und Gehen am Mittwoch bei Deutschlands größtem Geldhaus. Rund 500 Beamte von Staatsanwaltschaft, Bundeskriminalamt und Steuerfahndung rückten an, um die Zentrale der Deutschen Bank zu durchsuchen. Fünf Banker wurden wegen des Verdachts der Geldwäsche und der Vertuschung von Beweisen verhaftet. Insgesamt haben die Ermittler 25 Mitarbeiter der Deutschen Bank im Visier, darunter auch zwei Vorstände: Jürgen Fitschen, der mit Anshu Jain die Bank führt, und dessen Finanzchef Stefan Krause.

"Nachspiel" eines Prozesses

Die Razzia und die Ermittlungen sind ein "Nachspiel" eines Prozesses, der im Dezember 2011 am Frankfurter Landgericht zu Ende gegangen war. Damals verurteilte das Gericht sechs Investmentbanker wegen millionenschweren Steuerbetrugs zu mehrjährigen Haftstrafen.

Sie waren 2009 und 2010 Geschäftsführer von Unternehmen in Frankfurt, Hamburg und Paderborn gewesen und hatten über mehrere Gesellschaften und Firmen in verschiedenen Ländern mit CO2-Emissionszertifikaten gehandelt. Die teuren Verschmutzungsrechte wurden dabei umsatzsteuerfrei eingekauft, beim Finanzamt jedoch erfolgte die Angabe, man habe Umsatzsteuerbeträge in Millionenhöhe entrichtet. Die Hinterziehung der Steuer wurde durch eine Vielzahl von Zwischenhändlern verschleiert.

Umsatzsteuererklärung korrigiert

Die Verurteilten haben nach Erkenntnissen des Gerichts dem Staat 230 Millionen Euro an Steuern vorenthalten. Schon während des Prozesses war die Deutsche Bank ins Visier der Justiz geraten, da sie den Transfer ins Ausland erledigte und auch Konten für die Verurteilten führte.

Die Razzia am Mittwoch begründete Staatsanwalt Günter Wittig so: "Es besteht der Verdacht, dass den Ermittlungsbehörden von Mitarbeitern der Bank Beweismittel vorenthalten und Geldwäscheverdachtsanzeigen nicht erstattet wurden."

Gegen Fitschen und Krause wird ermittelt, weil sie 2009 die Umsatzsteuererklärung der Bank unterschrieben haben. Dabei hatte das Institut 310 Millionen Euro Steuererstattungen geltend gemacht, die sie nur wegen der Betrügereien beanspruchen konnte.

Zwar korrigierte die Bank die Erklärung später und verzichtete " vorläufig" auf die Ansprüche. Zu spät, sagen die Ermittler heute. Die Bank jedoch erklärt, die Korrektur sei rechtzeitig erfolgt. (Birgit Baumann, DER STANDARD, 13.12.2012)

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12 Postings

Der kriminelle Handel mit CO2-Emissionszertifikaten ist ein boomendes Geschäft. Nicht nur Unternehmen, sondern auch die Mafia verdient mittlerweile ganz gut damit. Der Frühere kasachische ex-Botschafter, Rakhat Aliyev, wird zB in Deutschland verdächtigt, mithilfe eines deutschen Unternehmens illegalen Handel mit CO2-Emissionszertifikaten zu betreiben und durch Überweisungen an andere Firmen – unter anderem auch Firmen in Österreich – Geldbeträge in Millionenhöhe zu waschen.
http://www.tagdyr.net/archive/4841/

Ach, das wird schon nicht so schlimm werden für den Herren Fitschen. So wenig, wie für den Herren Ackermann. Nichts geht eben über eine Heerschar von ausgebufften, hauseigenen Juristen.

Ein kleiner Vergleich, schlimmstenfalls ein paar Milliönchen symbolisches Bußgeld vielleicht, und schon ist alles wieder im grünen Bereich.

Und ist der lästige kleine Betriebsunfall erst ausgestanden, machen wir ganz einfach eine feine PR-Aktion. Denn die Deppen-Plebs vergisst bekanntlich sowieso alles in no time.

Geschätztes Urteil...

"Geringfügige Strafe wegen Verjährung"

Das Establishment lässt seine Handlanger nicht zu Schaden kommen.

als ehrlicher Mensch kann'st Du's nur bis zum Chefkassier einer Bank bringen,

willst Du Chef der Bank werden, ist mehr "Flexibilitaet" gefragt.

lauter vereinzelte schwarze schafe. wie immer.

die schlimmste konsequenz ist - letztlich - ein golden handshake.

schade, dass "die große verantwortung" immer nur bei der höhe des gehalts eine rolle spielt.

die echten sozialschmarotzer finden sich eben häufig ganz oben auf dem gipfel der "leistungspyramide".

Die CO2-Zertifikate sind Weltweit eine Farce wie wir schon lange wissen.
http://co2-luege.blogspot.de/2010/02/m... el-ii.html
http://www.berliner-zeitung.de/wirtschaf... 18402.html

die von Ihnen geposteten Auswirkungen der "ach so bösen Verschmutzungszertifikaten", sind nur Folge einer zu laxen Klimapolitik --> in der ersten ETS-Periode wurden mehr Zertifikate ausgegeben, als dann überhaupt verschmutzt wurde (--> Preisverfall u. Unternehmen haben Zertifikatsüberschüsse)

politisch unumgänglich:
- Heruntersetzen des Cap
- Nicht-verschmutzende Unternehmen wie Banken, Versicherungen, etc. vom Handel ausschließen (da bin ich ganz bei Ihnen)

:)

und unser lieber Berlakovich hat dafür 690 Mio. €

Steuergelder überwiesen!

Diese Zertifikate sind der größte Betrug. Da haben einige einen schönen Reibach kassiert aber gebracht hat es natürlich nichts.

oh oh, da werden heute ein paar Rechtsanwälte Überstunden machen....

Ich mutmaße - Versuchter Vorsteuerbetrug in Höhe von 310 Mio seitens der Deutschen Bank?

Wenn ich da nichts falsch gelesen habe, dann gehört der verantwortliche Vorstand 25 Jahre eingelocht - das müsste in D möglich sein und die Bank zwangsverstaatlicht.

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