US-Anerkennung der syrischen Opposition: Den Krieg gewinnen andere

Kommentar |

Al-Kaida/Nusra hat von den Fehlern im Irak gelernt

Die Anerkennung des neuen Oppositionsverbands National Coalition of Syrian Revolutionary and Opposition Forces durch die USA sieht zum jetzigen Zeitpunkt wie ein Verzweiflungsakt aus: Dass die USA die jihadistische Nusra-Front auf die Terrorismusliste setzte, haben etliche syrische kämpfende Gruppen mit einer Vereinigung à la "Wir sind alle al-Nusra" beantwortet.

In der Türkei wurde vor wenigen Tagen ein neues Militärkommando mit einer neuen Vertretung der Free Syrian Army (FSA) zusammengeschustert, als Reaktion auf die zunehmenden Klagen darüber, wie die FSA mit unbeteiligten Zivilisten umgeht: In Aleppo gab es sogar Demonstrationen gegen die FSA - und für die Nusra-Front. Dass der Syrian National Council - in dem die internationale Gemeinschaft ein Jahr lang die legitime syrische Vertretung sah - ebenfalls die Nusra-Front, einen Al-Kaida-Ableger, in Schutz nimmt, bedarf schon keines Kommentars mehr.

Es ist ganz einfach so: Den Krieg in Syrien führt und gewinnt eine andere Gruppe als jene, die der Westen dort gerne hätte. Al-Kaida/Nusra hat von den Fehlern im Irak gelernt, konzentriert sich auf Großattentate gegen staatliche Ziele (wenngleich mit menschlichem "Kollateralschaden"), ist korrekt zu den Zivilisten und gewinnt "hearts and minds". Warum sie sich nach dem Sturz des Assad-Regimes den Wünschen der westlich geförderten Opposition unterwerfen sollte, ist schleierhaft. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 13.12.2012)

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