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Wien / San Diego - In Indien wurde am Mittwoch das staatliche Fernsehprogramm unterbrochen, und viele Sender brachten Sondersendungen, als bekannt wurde, dass Ravi Shankar gestorben war. Shankar galt als bekanntester indischer Musiker, auf dem Subkontinent ebenso wie in der westlichen Welt.
Berühmt gemacht haben ihn sein Sitar-Spiel - und die Beatles. Als sich die Weltjugend in ihrem Sehnen nach Frieden zusehends für asiatische Kulturen zu interessieren begann, lernte George Harrison in einem Studio in Kalifornien Shankar kennen. Das war Mitte der 1960er-Jahre, die Ära der Hippies brach eben an. Mit denen konnte Shankar wenig anfangen, ein Auftritt beim Woodstock-Festival 1969 verstärkte sein Vorurteil.
Damals blickte Shankar, ein Sohn aus wohlhabendem Haus, bereits auf eine beachtliche Karriere in Indien und außerhalb seiner Heimat zurück. Doch es sollte die Freundschaft mit den Beatles, insbesondere jene mit Harrison, sein, die Shankar und seine Musik weltberühmt machen würde.
Nach einem Tanzstudium lernte der am 7. April 1920 in Varanasi geborene Musiker in einem mehrjährigen Studium das Zupfinstrument Sitar spielen. Damals spielte er klassische indische Musik, die er über viele Zusammenarbeiten wie jener mit dem Geiger Yehudi Menuhin populär machte.
Bei den Beatles hinterließ er vor allem in Harrisons Lied Norwegian Wood Spuren, auch auf dem Album Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band lässt sich sein Einfluss nachhören. Mit Harrison organisierte Shankar 1971 im New Yorker Madison Square Garden eines der ersten großen Benefiz-Konzerte der Popgeschichte: The Concert for Bangladesh, dokumentiert auf dem gleichnamigen Tripel-Album, das sich millionenfach verkaufte.
Shankar lebte damals bereits in den USA, lehrte an Universitäten und gewann dutzende Musikpreise, darunter etliche Grammys. Für die Filmmusik von Gandhi wurde er 1982 für einen Oscar nominiert, gewonnen hat ihn John Williams für E.T. Im Jahr 1974 erlitt er einen ersten Herzanfall und kämpfte seit damals mit wiederkehrenden Herzproblemen.
Aus einer Beziehung mit der New Yorker Kunstproduzentin Sue Jones ging seine Tochter Norah Jones hervor, zwei Jahre später kam ihre Halbschwester Anoushka Shankar in London zur Welt - beide wurden Stars im Musikbusiness; Anoushka lernte von ihrem Vater das Sitar-Spiel.
Shankar trat bis zuletzt live auf und hat über 80 Alben veröffentlicht, darunter Arbeiten mit Philip Glass oder dem London Philharmonic Orchestra. Er lebte in Encinitas, einem Vorort von San Diego. Letzte Woche wurde Ravi Shankar wegen Atem- und Herzproblemen ins Spital eingeliefert, am Dienstag ist er im Alter von 92 Jahren gestorben. (Karl Fluch, DER STANDARD, 13.12.2012)
Zum Nachlesen:
Indische Sitar-Legende Ravi Shankar ist tot
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