Mädchen nehmen Erwachsenwerden negativer wahr

12. Dezember 2012, 17:39
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Neue Studie über Sexualverhalten Jugendlicher - Klassische Sexualberatung wird trotz Internet weiterhin angenommen

Wien - Österreichs Jugend hat viele Fragen zum Thema Sex und Intimität. Das zeigen die BesucherInnen-Zahlen von Sexualberatungsstellen wie der First Love-Ambulanz in der Wiener Rudolfsstiftung, die bereits ihr 20-jähriges Bestehen feiert. Die Beratungssituation habe sich in den letzten Jahren allerdings geändert. "Es geht nicht mehr ausschließlich um Verhütung, wir müssen auch über Körperbewusstsein der Jugendlichen reden", sagte Claudia Linemayr-Wagner, Gynäkologin und Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung (ÖGF) am Mittwoch bei einer Pressekonferenz.

Kleiner Rest sucht keinen Austausch zu Sex

Zwar hätten die Jugendlichen FreundInnen aber auch Familie als Ansprechpartner, doch eine 2012 fertiggestellte Umfrage unter 218 Personen im Alter von 13 bis 20 Jahren zeigte, dass sich einige zum Thema Sex niemandem anvertrauen, besonders die Buben (15,5 Prozent im Gegensatz zu 8,7 Prozent der Mädchen). "Diese Zahl hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt", sagte Studienautorin Martina Strilic. 2001 wurden Österreichs Jugendliche zuletzt über ihr Sexualverhalten befragt.

Die Information über Sexualität und Intimität würden die Befragten häufig aus dem Fernsehen, dem Internet, Zeitschriften, aber auch aus Pornos beziehen. Besonders die Buben würden sich ihr Wissen aus Sexfilmen holen - Internetplattformen ermöglichen hier einen leichten Zugang für Jugendliche. "Da herrscht eine große Kluft zwischen Burschen und Mädchen", betonte Strilic.

Mädchen mit negativerem Körperselbstbild

Eine Schlussforderung aus den Untersuchungsergebnissen sei, dass sich Buben und Mädchen stark durch ihren Zugang zur Sexualität unterscheiden. Mädchen hätten meist ein negativeres Körperselbstbild und erleben ihren Übergang vom Mädchen- zum Frausein negativer als Burschen zum Mannsein. "Die jungen Frauen glauben auch, dass Männer mehr vom Sex haben", berichtete Linemayr-Wagner aus ihrem Praxisalltag als Gynäkologin.

Die ExpertInnen forderten angesichts der Ergebnisse eine geschlechtssensible Beratungskultur an Österreichs Schulen. "Hier haben Eltern und Schulen eine enorm wichtige Aufgabe", sagte Linemayr-Wagner. Studienleiterin Strilic forderte schulische Konzepte, welche "Raum für tabuisierte Themen wie Pornographie und Selbstbefriedigung bieten. Dazu ist eine sexualpädagogische Ausbildung aller PädagogInnen notwendig."

Kaum Veränderung gibt es beim Erleben des "ersten Mals". In den vergangenen zehn Jahren hat sich das Durchschnittsalter von 16 Jahren nicht verändert, resümierte Strilic. Die Umfrage zeigte allerdings, dass Jugendliche, deren Eltern getrennt leben, ihren ersten Geschlechtsverkehr früher erleben. (APA, 12.12.2012)

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