Die Herkules-Aufgabe am Kapitalmarkt

Lukas Sustala
13. Dezember 2012, 08:42

Nullzinsen bei Anleihen und teure Aktien. Anleger auf der Suche nach Kapitalerhalt stehen 2013 vor einer fast unmöglichen Aufgabe

"2013 wird das siebte Jahr sein, in dem die Märkte von der Gnade der politischen Machthaber abhängig sind." Jim Reid, der Kreditstratege der Deutschen Bank, bringt die Stimmung vieler Marktteilnehmer auf den Punkt. Auch wenn 2012 ein gutes Jahr für die meisten Anlageklassen war, die politische und wirtschaftliche Unsicherheit sei geblieben, so der einheitliche Tenor.

Ökonomen wie Willem Buiter, Chefvolkswirt von Citigroup, rechnen unbeirrt mit einem nächsten Schritt in der Eurokrise, dem Austritt Griechenlands aus der Eurozone oder einem Hilfsantrag von Spanien. Für die Leiterin des Multi-Asset-Teams beim britischen Vermögensverwalter Schroders, Johanna Kyrklund, steht die Eurozone erst vor dem "Ende des Beginns" der Krise. Tatsächlich herrscht oberflächlich noch genug Unsicherheit:

  • Eurozone: In Europa gelten die Staatsfinanzen von Italien und Spanien noch nicht als uneingeschränkt sicher. Alleine die Tatsache, dass der Langzeitpremier Silvio Berlusconi sich in Italien der Wahl stellt, hat die Börsen auf Talfahrt geschickt. Dazu kommt, dass Mario Draghi als Präsident der Europäischen Zentralbank den Märkten zwar die geldpolitische Bazooka (in Form von uneingeschränkten Staatsanleihenkäufen) in die Auslage gestellt hat. Doch das Programm der Outright Monetary Transactions (OMT) wurde noch nicht aktiviert.
  • USA: In den USA sind die fiskalischen Probleme noch nicht gelöst. Zwar rechnen viele Analysten damit, dass irgendeine Lösung für die drohende fiskalische Klippe gefunden wird. Doch ob damit das Wachstum der größten Volkswirtschaft deutlich über die mittelmäßige Marke von zwei Prozent gedrückt werden kann, ist fraglich. Dafür spricht, dass "der Häusermarkt nun definitiv die Kurve gekriegt hat", wie es die Analysten von Gavekal formulieren. Stark gesunkene Preise hätten den Wohnraum in Amerika wieder leistbar gemacht, und neue Bauaktivität könnte demnächst folgen, was den Immobilienmarkt vom Gegen- zum Rückenwind für die US-Volkswirtschaft machen könnte.
  • Schwellenländer: Zuletzt hat der Wachstumsmotor der Welt, China, sieben Quartale in Serie sein Wachstum gedrosselt - von deutlich über zehn Prozent vor 2010 auf unter acht Prozent dieses Jahr. Noch stärker eingetrübt hat sich die Wirtschaft im größten lateinamerikanischen Land Brasilien. Laut einer Umfrage unter Volkswirten wird lediglich mit einem Wachstum von knapp einem Prozent in diesem Jahr gerechnet. "Das Land kommt an die Grenzen seines Konsum-getriebenen Wachstumsmodells", urteilen die Ökonomen von Capital Economics. Doch die Schwellenländer haben einen wesentlichen Vorteil: Die Zentralbanken können 2013 - wie von vielen Analysten erwartet - die Märkte noch kräftig mit Liquidität stützen.

Besser als der Ruf

Investoren positionieren sich aber optimistischer, als die makroökonomische Unsicherheit erwarten lässt. In den vergangenen Wochen hat eine Jahresend-Rally eingesetzt, die die Aktienmärkte seit dem 16. November um vier bis acht Prozent in die Höhe getrieben hat. Seit Jahresbeginn stehen damit in den wichtigsten Märkten in Europa, den USA oder Asien Gewinne zwischen zehn und 25 Prozent zu Buche.

"Die Aktienmärkte preisen bereits eine Erholung des Wachstums im nächsten Jahr ein", schätzt Deutsche-Analyst Reid. Glaubt man den aktuellen Kursen, sollten die Volkswirtschaften in den entwickelten Ländern 2013 wieder den Wachstumskurs einschlagen. Gemessen an den Einkaufsmanagerindizes (PMI) bedeutet das, dass diese ab dem zweiten Quartal wieder deutlich über die Marke von 50 steigen sollten und damit eine Expansion anzeigen: "Wenn die Einkaufsmanagerindizes nicht sicher über die 50 kommen, werden die Märkte deutlich im Vergleich zum aktuellen Niveau fallen", so Reid.

Trotz des kurzfristigen Optimismus bleibt 2013 ein Jahr, in dem sich die Anleger eine sehr grundlegende Frage durch den Kopf gehen lassen: Wie kann man sein Kapital real (nach Inflation) erhalten? Für James Montier, Mitglied im Asset-Allocation-Team des US-Vermögensverwalters GMO, ist das die "13. Aufgabe von Herkules. Die Möglichkeiten für Anleger, ihr Kapital zu erhalten, sind ziemlich eingeschränkt." Die sicheren Anlageklassen Anleihen oder Cash bieten kaum mehr Zinsen, und riskante Vermögenswerte können in einem schlechten Jahr schnell einmal 30 Prozent ihres Wertes verlieren - und seien damit für den Kapitalerhalt ungeeignet. Für James Montier gibt es derzeit keine "verlockende Auswahl" am Kapitalmarkt:

  • Aktien: Hier gilt es strikt zu unterscheiden. Die Bewertungen könnten unterschiedlicher nicht sein. Anhand von zyklisch adjustierten Kurs-Gewinn-Verhältnissen sind US-Aktien historisch recht teuer bewertet. "Anleger sind in einem Dilemma zwischen der wahrscheinlichen Erosion ihrer Kaufkraft, wenn sie Cash halten, und dem unsicheren, aber desaströsen Kapitalverlust, der ihnen bei überbewerteten Aktien droht", mahlt Montier ein düsteres Bild an die Wand. Derzeit finden Investoren lediglich in Europa und einigen Schwellenländern günstigere Bewertungen (und damit höhere erwartete Renditen) vor. So erwarten die Aktienstrategen der Citigroup auch 2013 zweistellige Renditen mit europäischen Aktienmärkten. Alles unter dem Vorbehalt, dass sich die Schuldenkrise nicht verschärft.
  • Kredit: Auch Unternehmensanleihen sind schon sehr gut gelaufen. Gemessen am Bank of America Merrill Lynch Euro Corporate Index ist die Rendite von Unternehmensanleihen (mit einer Laufzeit zwischen einem und zehn Jahren) bereits auf knapp zwei Prozent (im Schnitt) gefallen. "Das Ertrags-Risiko-Verhältnis ist schlechter geworden. Unternehmensanleihen bieten weniger Rendite", sagte Thomas Steinberger, der Chief Investment Officer der heimischen Spängler IQAM Invest, bei der Präsentation des Jahresausblicks. Für das Risiko einer verschärften Eurokrise reicht der Puffer bei den Unternehmenspapieren aber kaum aus.
  • Staatsbonds: Wovor Zinsanalyst James Grant gewarnt hat, ist längst Realität. Aus der risikolosen Rendite der Staatsanleihen ist ein renditeloses Risiko geworden. Die fünfjährigen Staatsanleihenrenditen (real) liegen in Ländern wie Großbritannien oder Deutschland zwischen einem und zwei Prozent - im Minus. Laut Zahlen der Deutschen Bank müssen Anleger in einem Drittel der Weltwirtschaft (gemessen an der Wirtschaftsleistung) negative Realzinsen hinnehmen. "Sicherheit kostet Geld", warnt Asoka Wöhrmann, Chefanlagestratege der Deutsche-Fondstochter DWS. (Lukas Sustala, DER STANDARD, 13.12.2012)

 

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10 Postings
Was kann man tun, wenn man Kapital verfügbar hat?

Die Immobilien laufen gerade in eine Blase. Die Börsen sind nach dem Anstieg der letzten Jahre massiv überbewertet. Hier droht ziemliches Ungemach. Die Staatsanleihen stecken in einer gigantischen Blase, die sich in 30 Jahren aufgeblasen hat. Die Wirtschaft der wichtigsten Nationen steht vor einer Rezession oder ist bereits in einer.
Cash zu halten erscheint ebenfalls nicht besonders klug, wenn man die reale Geldentwertung und die Bestrebungen der Zentralbanken kennt.
Die Sektoren, die heuer sehr schlecht liefen, sind z.B. der Bergbausektor (alle Arten von Metallen, Kohle, Uran, etc.).
Man sollte also auch an konträres Verhalten denken.

Aktien

Wer kauft denn jetzt noch aktien, wenn der Dax auf einem 5 Jahreshoch steht? die dividendenrendite nahe 1,5% gesunken ist. (sparbuch bekommt man das auch)

Es gibt institute wie Banken, Versicherungen, Pensionskassen etc die gezwungen sind Aktien zu kaufen. nicht weil sie wollen, sondern weil sie die renditen brauchen. also investieren müssen. das ist kein optimismus, sondern eine pflicht.

So eine pflicht kann sehr schnell in Panik umbrechen.

Wer sein potfolio nicht absichert, lebt in zeiten wie diesen sehr gefährlich. Und bei den Wirtschaftsaussichten, kann 2013 für aktien ein sehr schlechtes jahr werden.....

Richtig,

Aktien sind wieder stark überbewertet.

Aber das ist in den letzten 15 Jahren so und wird sich nicht so bald ändern. Außer es kommt wieder eine Finanzkrise ähnlich wie 2008. Aber auch das ist derzeit unwahrscheinlich.

Es gibt mehr und bessere Investments, als hier aufgeführt wird!

1) Edelmetalle: profitieren von der Krise, werden zukünftig wieder als Basis neuer Währungen gebraucht werden. Silber bevorzugen, da stark unterbewertet und wichtiger Rohstoff.
2) Direkte Firmenbeteiligungen: Ab ca. 10000 Euro schon für Privatleute möglich. Firma genau anschauen!
3) Rohstoffe generell; auf Krisenresistenz achten
4) Sachwerte aller Art: Wichtig ist genaue Kenntnis des Gebiets, aber jeder ist für irgendwas Experte.
5) Wie wärs mit einer eigenen Geschäftsidee, evtl. passend zu den Veränderungen durch die Krise?

Möglichkeiten gibt es viele- warum also nicht bessere Investments suchen als Anleihen faktisch bankrotter Staaten?

In Krisenzeiten gibt es ganz wenige (clevere), die die Zeichen der Zeit richtig deuten und die dabei auch relativ zur Masse gewinnen können.

Dass die Masse mit dem Wohlstand runter muss ist klar, das sind die Folgen der Krise.

Edelmetalle sind natürlich zur Absicherung des Kapitals ganz wichtig, keine Frage. Auch Sachvermögen werden immer einen gewissen Wert erhalten können, egal was passiert.
Alle Papierwerte, die eignetlich nur Schuldscheine sind, könnten sich rasch in Luft auflösen.
Die nächsten paar Jahre werden vermutlich sehr kritisch werden!

Punkt 5:

Wie wärs mit einer eigenen Geschäftsidee und tatsächlicher Arbeit?

Ja das wär doch mal was oder?

themenverfehlung, hier gehts um kapitalerhalt,

kapital, das ich mir schonmal erarbeitet und besteuert habe, und damit das nicht weniger wird soll ich nochmal arbeiten gehn?

omg polit-manipulationsopfer

"jeder ist für irgendwas Experte"

vor allem in diesen Foren hier.

Niemand braucht die so genannten "Experten"

Die sind dazu da, um die Masse der Leute mit Hilfe der Medien zu manipulieren! Deshalb hört man in den Medien immer nur von den gleichen angeblichen "Experten". Die sind in Wirklichkeit alle politisch gekauft.

Man braucht sich lediglich informieren, sich selbst ein Bild machen und dann mutig und zielgerichtet entsprechend zu handeln.

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