Klares Ja auf Frage, ob Gletscherschmelze anhält

Kromp-Kolb: "Wenn wir das Klima nicht bald stabilisieren können, werden zukünftige Generationen die Situation nicht mehr in den Griff bekommen"

Wien - "Wird das Schmelzen weitergehen?" lautete der Titel für eine Podiumsdiskussion, zu der am Dienstag das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) anlässlich des "International Mountain Day" geladen hatte. Die Zukunft der Berge nach dem Klimagipfel stand in Zentrum der Aufmerksamkeit und Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb machte aus ihrer Meinung keinen Hehl: "Doha war keine Hilfe", sagte sie bei der Veranstaltung im Vienna International Center in der Wiener UNO-City. Und die Eingangsfrage wurde von den Teilnehmern mit einem "Ja" beantwortet.

"Wenn wir das Klima nicht bald stabilisieren können, werden zukünftige Generationen die Situation nicht mehr in den Griff bekommen", sagte die Forscherin von der Universität für Bodenkultur in Wien. Dabei waren es keine Prognosen, mit denen Kromp-Kolp ihre Warnungen untermauerte, sondern Fakten, die den Anwesenden mittels einer aufrüttelnden Animation vor Augen geführt wurde. Die Erderwärmung der letzten 130 Jahre wurde anhand der Temperatur-Mittelwerte in einer Grafik dargestellt und präsentierte für die vergangenen Jahrzehnte eine noch die da gewesene Steigerung derselben.

Warnende Stimmen

"Die wissenschaftliche Evidenz ist vorhanden, Entscheidungen braucht es jetzt", forderte Markus Leitner vom Umweltbundesamt. "Der alpine Raum ist stark von der Klimaänderung betroffen", sagte er. Harald Egerer vom UNEP-Sitz in Wien wies darauf hin, dass die in den vergangenen Dekaden eingesetzte Gletscherschmelze ihre Geschwindigkeit in den vergangenen Jahren verdoppelt habe. Ebenso erinnerte an die Gefahr durch die sich erwärmenden Permafrostböden, aus denen dadurch die beiden Treibhausgase CO2 und Methan entweichen.

"Die Problematik der Bergwelt steht derzeit nicht im Vordergrund, da etwa die Probleme der kleinen Inselstaaten akuter sind", sagte Elfriede-Anna More, Abteilungsleiterin im Umweltministerium und Mitglied der österreichischen Delegation beim UNO-Klimagipfel in Doha. Die am Samstag mit eher mageren Ergebnissen zu Ende gegangene Konferenz sah More im übrigen nicht so kritisch wie viele NGOs.

"Wir müssen jetzt handeln", sagte hingegen Kromp-Kolb, die sich von den Resultaten in Doha besorgt zeigte. Ihre Prognosen für die kommenden Jahrzehnte untermauerten dies: Warme, feuchte Winter, die von heißen, aber trockenen Sommern abgelöst werden sollen, würden die Situation weiter anheizen. Die Eisschmelze hat schon längst dafür gesorgt, dass so weltweit die reflektierenden Flächen in Abnahme sind, was wiederum die Erderwärmung erhöht und den Meeresspiegel steigen lässt.

Gallig angemerkter "Lichtblick"

Das laut Kromp-Kolb "einzig Positive" an diesen Feedback-Mechanismen: "Der Anstieg wird die Berge nicht direkt betreffen." Folgen wird die Klimaerwärmung aber allerorts zeitigen - und dass die Schneedecke in der Skifahrer-Nation Österreich laut der Wissenschafterin sich irgendwann auf 3.500 Meter zurückziehen könnte, scheint angesichts von drohenden Naturkatastrophen noch das kleinste Übel zu sein. (APA/red, derStandard.at, 12. 12. 2012)

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