Großer Wissensdurst bleibt ungestillt

Bettina Pfluger
12. Dezember 2012, 17:11

Die Finanzindustrie fordert mehr Finanz-Bildung. Wie aber stehen Schüler zu dieser Forderung? Der Standard hat sich umgehört

Julia ist 15 Jahre alt und besucht in Wien die zweite Klasse der Oberstufe eines Bundesrealgymnasiums. Das Thema Geld ist im Unterricht bisher in keinem Fach vorgekommen. Wie man mit dem Taschengeld ein Auslangen findet, auf Wünsche spart, Schulden vermeidet und vor allem in Schuldenfallen nicht hineintappt, wird in Julias Unterricht nicht wirklich thematisiert.

Was eine Aktie ist und eine Anleihe, davon hat Julia schon einmal was gehört. "Aber nur kurz und nur eine Stunde", sagt sie zum Standard. Aktuelle politische oder wirtschaftliche Themen, etwa die Troubles in Griechenland, werden im Unterricht auch eher ausgespart. Und das, obwohl Julia davon eigentlich gerne mehr wissen möchte.

Ganz unterschiedliche Meinungen gibt es bei Schülern einer Kooperativen Mittelschule aus Wien. Johannes, ebenfalls 15 Jahre alt, sagt, dass er ein eigenes Wirtschaftsfach gut finden würde. Denn die Themen Geld und Aktien findet er schon interessant. Der Umgang mit Geld kommt auch in seiner Schule in keinem Fach als eigene Thematik vor.

Geografie und Geschichte

Das meiste, was er über Wirtschaft und Politik bisher gelernt hat, war eingeflochten in den Unterrichtsgegenstand Geschichte. Dort hat er auch schon ein wenig über Aktien und Anleihen gehört und darüber, warum Unternehmen solche Instrumente auf den Markt bringen. Groß behandelt würden diese Themen aber nicht. Darüber mehr zu erfahren wäre aber nicht schlecht, meint er.

Stana ist 13 Jahre alt und auch sie hat zum Thema Auskommen mit dem Taschengeld in der Schule noch nichts gehört. Wie man richtig spart und ob sich Ratenkäufe lohnen, ist nicht Teil ihres Unterrichts.

Politische und wirtschaftliche Zusammenhänge kommen in dem Lehrplan ihrer Schule hauptsächlich in Geschichte vor. Da wird mit dem Lehrer auch richtig diskutiert und "wir können Fragen stellen", sagt Stana.

Die Bereiche Aktien und Kapitalmarkt wurden bisher im Fach Geografie und Wirtschaftskunde gestreift. Viel wissen Stana und ihre Schulkollegen darüber aber noch nicht.

Ein eigenes Fach für diese Themengebiete fände Stana toll, "weil ich später auch einmal Wirtschaft studieren will". Ihr Ziel ist es, Managerin zu werden.

Ihre Mitschüler stimmen der Idee mit dem eigenen Fach nicht einstimmig zu. Manchen würde es reichen, wenn diese Themen in vorhandene Fächer eingebaut würden, andere finden ein eigenen Faches besser.

Die Wirtschaftskrise findet der 14-jährige Philipp im Moment sehr interessant. Er weiß, dass rund 70 Prozent der Griechen keine Steuern gezahlt haben und daher das Land nichts beiseitegelegt hat und daher die finanzielle Not jetzt groß ist. Mehr über diese Bereiche zu erfahren würde auch ihm gefallen.

Zwiespalt

Ob die Themen Finanz und Wirtschaft in der Schule ausreichend behandelt werden, hat auch die Erste Bank in einer Umfrage erhoben. Demnach finden 20 Prozent der Befragten, dass das aktuelle Angebot überhaupt nicht ausreicht, und 34 Prozent finden, dass die Bereiche meist nicht ausreichend vorkommen. 32 Prozent können das nicht recht einordnen und sagen "teils, teils".

Nur zwölf Prozent der im August befragten Österreicher geben an, dass sie glauben, dass das, was Kinder und Jugendliche heute in der Schule zu diesen Themen lernen, "meist ausreicht". Zwei Prozent sind überzeugt, dass der Lehrstoff aktuell völlig ausreicht.

Jene Gruppe, die sich bei "teils, teils" wiederfindet, ist in Tirol mit einem Anteil von 46 Prozent am größten. Ober- und Niederösterreich liegen in der Kategorie "reicht meist nicht aus" mit jeweils 39 Prozent gleichauf. In Wien finden sich mit 29 Prozent die meisten Befragten, die glauben, dass das Lehrangebot überhaupt nicht ausreicht. Vorarlberg übernimmt in den Kategorien "reicht meistens aus" (20 Prozent) und " Lehrstoff reicht völlig aus" (acht Prozent) die Bundesländer-Führung.

Die Meinungen zu diesem Thema gehen auch bei Lehrern auseinander, wie in einem früheren Serien-Teil berichtet wurde. Auch innerhalb einer Kollegenschaft wird laufend darüber diskutiert, ob der Bereich Wirtschaft ausreichend, zu wenig oder bereits zu viel im Unterricht vorkommt. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, 13.12.2012)

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Die Jungen haben niemals gelernt

sich in Eigenverantwortung (ALLES muss man ihnen vorkauen) für etwas zu interessieren und sich das Wissen selbst anzueignen.

Es war noch niemals in der Geschichte so einfach wie heute, sich selbständig Wissen anzueignen. Zu nahezu jedem Thema kann man im Internet fast unbegrenzt Info bekommen. Falls das nicht reicht, bestellt amn sich ein E-Book bei amazon und liest alles nach. Ich mache das seit vielen Jahren so.

Aber viele Jungen sind dazu anscheinend einfach zu faul. Die verwenden ihr Smart- Phone udn Notebook lieber für dieses vollkommen unnötige und verblödende Facebook.

pffff ... da hat sich also im Vergleich zu meinen Zeiten noch immer nichts geändert ... ich hätte damals wirklich gerne gelernt, wie man einen ERlagschein richtig ausfüllt. Wurde zugesagt von der Lehrerin, aber ist nie passiert. Schätze, sie hat's selbst nicht können!

Wer bitte braucht heute noch einen Erlagschein?

Ich habe schon Jahre keinen mehr ausgefüllt.

Das läuft doch heute alles elektronisch!
Ich hätte auch niemals die Zeit wegen jeder Transaktion (habe im Jahr mehrere hundert Buchungszeilen!) auf die Bank zu laufen.

Wäre wünschenswert.

Aber wehr bestimmt die Lernihalte? Die Banken?

Oder wird endlich die Wahrheit gelehrt? Nämlich dass Banken Geld als Schuld in Form von Krediten aus dem NICHTS - nur durch eine Buchung im Computer erzeugen? Dass beim Zinssystem 90% Bevölkerung draufzahlen und 10% abcashen? Dass unsere Wirschaft nur deshalb ständig wachsen muss um das Geld-Pyramidenspiel, von dem nur einige wenige profitieren, aufrecht zu erhalten? Das die Schulden in unserem System auch immer steigen müssen, weil es sonst zusammen bricht? Dass es bei Rückzahlung aller Schulden kein Geld mehr gäbe?

S. Geldschöpfung ab S.70:

http://www.bundesbank.de/Redaktion... erbuch.htm

Dei Lehrer spielen doch alle selbstt mit bei diesem Pyramidenspiel

Und wie man sieht spielen auch die Politiker mit (siehe Salzburg).

Immer mehr Schulden werden angehäuft, die man natürlich nie mehr zurückzahlen kann. Das läuft auf den finalen Crash zu.

KLAR erklärt man (die heute alten Lehrer und Pensionisten) den Jungen heute nicht, dass SIE das ganz sicher ausbaden werden müssen und dass ihr Lebensstandard dramatisch sinken wird.
Die Gesellschaft steckt in der Sackgasse. Es wird noch dauern, bis die Jungen auf diesen Generationenbetrug aufmerksam wird. Aber dann wird es vermutlich kräftig krachen.

welche lehrerInnen sollte das den schülern erzählen?

welche unterrichtsmittel gäbe es um es verständlich zu erklären und welche regierung würde diese mittel zulassen?

Würden die Menschen das Geldsystem verstehen, hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh.
(Henry Ford)

Zum Nachlesen...

Es gibt ein sehr interessantes Buch zum Thema, das u. a. den Aspekt "Eigenverantwortung" im Hinblick auf ein derartiges Wissen kritisch beleuchtet: "Das Wissen vom Geld" v. Martin Schütz und Beat Weber.

Der Sozialismus hat das Ziel

den Menschen die Eigenverantwortung über permanente Gehirnwäsche mittels Medien abzugewöhnen.

Je dümmer die große Masse des Volkes, desto leichter sind diese politisch manipulierbar, desto leichter können Politiker und ihre Freunde ein feudales Herrschaftssystem errichten.
Immer mehr wird das Volk zu Arbeitssklaven, die den wenigen Feudalherren zu dienen haben.

In Brasilien gibt es mittlerweile wieder Arbeitslager (Abholzung des Regenwaldes), in denen alle Arbeiter eiskalt liquidiert werden, wenn sie krank werden.

Ihr Ziel ist es, Managerin zu werden.

Oje, Oje, wenn das schon in einem so fruehen Alter anfaengt ...

Das würde ja eingentlich wunderbar ins Fach Geographie und WIRTSCHAFTSkunde passen.

Es gibt nur ein Problem. Die Geographielehrer. Ich habe bis jetzt noch keinen einzigen Absolventen der Kombination Turnen&Geo getroffen, der außerhalb des Turnsaals sein Geld wert war. Ich kenne einige hochintelligente Turnlehrer - aber die kombinieren mit irgendeinem anderen Fach, nicht mit Geographie.

Ich weiß nicht, was es ist, aber die Turner&Wanderer sollte man von Kindern fern halten.

Wenn uns ein Hr. Maznetter von der SPÖ

in den Medien erklärt, wie Finanzwesen funktioniert, dann kann man mit Sicherheit sagen, dass das breite Volk absolut keine Ahnung haben kann!

Nach Geographie ist das Jahr um und für WIRTSCHAFT bleibt keine Zeit mehr

Wieso? Die Herrschaften finden einfach nur, daß es völlig reicht, die Industriegeschichte nachzuerzählen, die der Geschichtskollege macht. Und dann noch die Orte in Ö dazutun, wo es xyz vor zig Jahren gegeben hat.

Ist halt so viel einfacher, als einem kid IBAN und BIC zu erklären! Vor allem im internet Zeitalter kommt man ja extrem schwer an solche Informationen ran. Wenn das BM nicht einen eigenen Kit dazu zusammenstellt.

Täterumkehr

Die Opfer sind selber Schuld weil sie keine Bildung haben!
Aber welchen Einfluss habe ich auf den Pensionsfond, arbeiten da auch lauter Ungebildete?

Es gibt keine Opfer.
Leute, die sich in der heutigen Zeit nicht selbst informieren (Möglichkeiten gibt es wie niemals zuvor), sind selbst Schuld wenn sie erst durch Erfahrung klug werden müssen.

Es ist auch nicht immer jemand schuld. Die Zukunft ist halt einmal nicht vorhersehbar.

Und wer soll das erklären

Bei diesem starren Schulsystem und Lehrern mit Bausparvertrag

Angesichts der totalitären Diktatur der Neoliberalen

an den Universitäten solllten wir heilfroh sein, daß die Kids nicht schon in der Schule mit Nonsens-Aberglauben indoktriniert werden.

Selbst an den Unis werden heute leider falsche und unlogische Wirtschaftstheorien (Keynesianismus) gelehrt

Es ist also kein Wunder, dass all diese Absolventen der letzten Jahrzehnte uns an den Rand der totalen Pleite gebracht haben.

Erst wenn hier eine Trendwende eintritt, können wir wieder auf einen seriöseren Pfad einschwenken. Aber das wird wohl noch länger dauern.

Die Jungen sollten aber bitte rasch lernen, dass vieles, was in den letzten Jahrzehnten als Stand des Wissen galt, heute als falsch erkannt werden muss.

Jaja, Wissenschaft ist falsch und unlogisch.

Wahrheit ist Lüge
Freiheit ist Sklaverei
Krieg ist Frieden

Wissen Sie was eine totalitäre Diktatur ist?

Manchen Leuten sollte man eine Zeitreise in die 30er Jahre verschaffen, damit sie ihre Kraftausdrücke unterlassen.

Oh ja, bitte mehr Wissen!

Zunächst wäre der Welt geholfen, wenn sich Mitarbeiter in der Finanzwirtschaft diesem Thema widmeten und ihre Kenntnisse in verantwortungsvolles Handeln übersetzen.

Als Teenager hätte es mich übrigens brennend interessiert, wie sich Schulden in eine Bad-Taschengeld-Bank auslagern lassen.

12.12.2012, 17:40
mündige intelligente bürger

die noch dazu gut mit geld umgehen können wären für alle bekannten staats- wirtschaftssysteme die pure katastrophe...

der wissensdurst von julia kann gestillt werden

goldschmied fabian erklärt das recht schön

http://www.youtube.com/watch?v=c0nW0OvNK_c

wenn julia jetzt kotzübel ist, ist das nicht meine schuld

Dieses Video sollte man nicht zu 100% ernst nehmen. Das mit dem Zins, Zinseszins und Kredit ist schon ok. Aber das mit der Weltherrschaft ist sehr übertrieben. Schade, wieder ein Video was im Kern der Wahrheit entspricht, aber teilweise so übertrieben ist, dass man es schwer hat es ernst zu nehmen. Fast immer läuft es auf eine Verschwörung aus. Mich wundert es nicht, dass es noch viele Leute gibt die Aufgrund solcher Videos das Thema nicht ernst nehmen. Und zusätzlich sagen,dass die Kritiker Verschwörungstheoretiker sind. Schade.

Es ist halt so.

Man kann heute einen Sachverhalt logisch und nachvollziehbar darstellen und trotzdem glaubt ihn die große Masse der Leute nicht.

Der Grund ist, dass die Masse der Menschen keine Eigenverantwortung mehr hat, wie es von den Herrschenden erwünscht ist, und somit IMMER den Herrschenden mehr geglaubt wird. Auch wenn deren Argumente noch so unlogisch erscheinen. Wenn die Argumente unlogisch sind, dann mischt man am Besten viele Emotionen hinein. Das setzt dann der Verstand meist ganz aus.

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