Universität Wien fordert Ausweitung der Rot-Weiß-Rot-Card

Für Bachelors und Teilzeitbeschäftigte - Arbeitsmarkt braucht "beste Köpfe"

Wien - Österreich brauche hochqualifizierte Migranten zur Sicherung des Wirtschaftsstandorts, daher müssten gerade ausländische Universitätsabsolventen in Österreich auch mehr Möglichkeiten erhalten. Dies forderte heute, Mittwoch, der Vizerektor der Universität Wien, Heinz Faßmann, bei einer Pressekonferenz. Er sprach sich gegen eine "Dreiklassengesellschaft" von Österreichern, EU-Bürgern und Angehörigen von Drittstaaten aus und forderte eine Ausweitung der Rot-Weiß-Rot-Card. Österreich habe in den letzten Jahren im Bereich der Integration große Fortschritte gemacht, nun sollte ein Nationaler Aktionsplan für Migration erstellt werden.

Im Studienjahr 2011 wurden 24.500 ausländische Studierende in Österreich neu zugelassen - gemessen an der Neuzuwanderung 2011 (ohne Asylwerber und zuwandernde Österreicher) rund 25 Prozent. Die Universitäten müssten daher im migrationspolitischen Diskurs berücksichtigt werden, meint Faßmann. Die ausländischen Studenten kamen aus 140 Nationen: 35 Prozent aus Deutschland, elf Prozent aus dem ehemaligen Jugoslawien, sechs Prozent aus der Türkei, fünf Prozent aus Italien, vier Prozent aus Polen und drei Prozent aus der Slowakei. Von den Absolventen aus Drittstaaten bleiben derzeit nur rund 16 Prozent nach ihrem Studienabschluss in Österreich.

"Ideale Zuwanderer"

Ausländische Absolventen hätten Jahre hier gelebt und seien integriert, sie würden Sprachkenntnisse und höhere Bildung aufweisen und seien eigentlich "ideale Zuwanderer", meinte Faßmann. Österreich werde diese "qualifizierte Zuwanderung" auch benötigen, um das in den kommenden Jahren sinkende Angebot an Arbeitskräften auszugleichen. Die Rot-Weiß-Rot-Card werde aber derzeit nur ausländischen Absolventen mit Master- und/oder Diplomabschluss und nur für Vollzeitstellen vergeben.

Die Rot-Weiß-Rot-Card sollten aber auch Personen mit Bachelor-Abschluss sowie Teilzeitbeschäftigte erhalten. Das wäre gerade für die Doktoranden wichtig, da diese von der Universität nur Teilzeitbeschäftigungen im Ausmaß von 75 Prozent erhalten. Vollzeitanstellungen seien aus Kostengründen nicht möglich. Durch die Restriktionen entgehe Österreich wichtiges Know-how, bedauert Faßmann. "Die Rot-Weiß-Rot Karte nach einem Bachelorabschluss ist die logische Konsequenz der Studienreform und die Rot-Weiß-Rot Karte für Universitätsassistenten (predoc) ein Teil einer Willkommenskultur". Einen "Brain Drain" für die Herkunftsländer fürchtet er nicht, vielmehr gehe es um "Migrations-Management". Der österreichische Arbeitsmarkt brauche "die besten Köpfe", betonte Faßmann. (APA, 12.12.2012)

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