Projekt ohne Rekruten auf Seetaler Alpe startet

12. Dezember 2012, 15:13
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Steirischer Truppenübungsplatz kommt seit Anfang Dezember ohne Grundwehrdiener aus - Ersparnis von rund 130.000 Euro

Wien/Graz - Auf dem obersteirischen Truppenübungsplatz Seetaler Alpe ist am Mittwoch eines der gesamt sechs Pilotprojekte vorgestellt worden, in denen nach Vorstellungen von Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) keine Grundwehrdiener mehr eingesetzt werden sollen. Seit 1. Dezember kommt die Seetaler Alpe ohne Rekruten aus, diese seien zum Teil durch Vertragsbedienstete, Leiharbeiter sowie mehr Maschinen und innovative technische Lösungen ersetzt worden, so Seetaler-Kommandant Oberst Manfred Hofer bei der Präsentation im Beisein des Ministers. Zudem werde Geld eingespart.

Zuvor 100 Systemerhalter

Laut Hofer ist der Truppenübungsplatz auf rund 1.500 Meter Seehöhe ein "All-inclusive-Trainingscenter" für nationale und internationale Streitkräfte (zum Beispiel das deutsche Kommando Spezialkräfte KSK) mit den Aufgaben Betreuung der übenden Truppe, Durchführung des Betriebs sowie Instandhaltung. Derzeit gebe es 45 Bedienstete und drei Leiharbeiter, zuvor dienten rund 100 Systemerhalter in drei Einrückungsterminen. "Mit rund 47.0000 Nächtigungen sind wir der größte Beherbergungsbetrieb im Murtal. Dazu kommen 217 Schießtage, 93.000 Portionen Essen, alles bei jährlichen Gesamtkosten von rund fünf Millionen Euro", so Hofer.

Darabos erklärte, er habe die Pilotprojekte vor einigen Monaten in Auftrag gegeben, das Vorhaben auf der Seetaler Alpe zeige, wie man Rekruten mit Innovationen und durch Geräteeinsatz ersetzen könne. "In der Versorgung braucht man nicht unbedingt Grundwehrdiener", so der Minister. Alle Projekte seien freiwillig, so Darabos. Auf die Frage, warum man beispielsweise Investitionen in technische Geräte nicht früher durchgeführt habe, sagte der Minister: "Da gab es Widerstände". Jetzt aber habe es innovative Vorschläge gegeben, es sei mehr kreatives Denken entstanden, so der Minister.

Rekruten als Absperrposten, Fahrer, Ordonnanzen

Hofer zufolge sind die Rekruten etwa als Absperrposten, Fahrer, Ordonnanzen oder Küchenkräfte bei Kosten von rund 600.000 Euro im Jahr eingesetzt gewesen. Kompensiert werden sie nun durch neue technische Anlage beim Scharfschießen (Erstinvestition 350.000 Euro). "Diese ersetzt 36 Rekruten als Absperrposten", so Hofer. Bei den Postenhütten im Gebirge gebe es nun sieben Drehleuchten, die mittels Mobiltelefon vom Sicherheitsoffizier eine Stunde vor Schießen aktiviert werden. Drei Infotafeln mit Laufschrift und Karten des Gebietes wurden im Lager und bei Zufahrten aufgestellt. Zwei Unteroffiziere seien zudem beim Scharfschießen im Gelände unterwegs. Zwei bis drei Fälle von Verletzungen des Sperrgebietes registrierte man in den vergangenen Jahren - Skitourengeher.

Finalisierungsküche

In der Betreuung der auf dem Schießplatz befindlichen Truppen werden nun statt 36 Rekruten in der Cafeteria drei Leiharbeiter aus der Region eingesetzt. Im Kraftfahrbereich fährt das Kaderpersonal nun selbst, bzw. werden zwei Vertragsbedienstete aus der Region dafür angestellt (Kosten rund 70.000 Euro). Diese bedienen auch das neue Gerät wie etwa die Schneefräsen. Die Reinigung übernahm eine Fremdfirma aus der Region zu einem Jahreskostenpreis von rund 109.000 Euro. Im Küchenbereich nutzte man die schon erfolgte Einführung der sogenannten Finalisierungsküche - die fertigen Portionen kommen aus Klagenfurt - und engagierte zwei Hilfskräfte (50.000 Euro). Im Kostenvergleich kämen die Rekruten auf 600.000 Euro plus 35.000 Euro für Leihmaschinen vom Maschinenring. Die Kosten für Bedienstete und neues Gerät kämen nun auf 504.000 Euro jährlich, also fast 130.000 Euro Ersparnis.

Fünf Standorte

Das Projekt wird außer auf der Seetaler Alpe an fünf Standorten - im Ministerium in der Rossauer Kaserne, im Amtsgebäude Franz-Josef-Kai, in der Starhembergkaserne und im Kommandogebäude General Körner in Wien sowie in der Klagenfurter Khevenhüller-Kaserne durchgeführt. Der Start des Projekts erfolgte auf der "Seetaler" und im Amtsgebäude mit Anfang Dezember, in allen anderen Standorten mit 1. März 2013. Insgesamt sollen dabei 410 Systemerhalter "eingespart" werden.

Laut Verteidigungsministerium sind rund 60 Prozent der Rekruten als Systemerhalter (Köche oder Kellner, Schreibkräfte) beim Heer, 40 Prozent dienen bei der Truppe, etwa als Infanteristen oder Pioniere. (APA, 12.12.2012)

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    Darabos beim Besuch des Pilotprojektes.

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