Kot-Vergleiche zeigen dramatischen Wandel der menschlichen Darmflora

14. Dezember 2012, 20:49

Forscher untersuchten Koprolithen: Moderne Lebensweise hatte offenbar starke Auswirkungen

USA - Mit dem Leben in Städten und einer zunehmend kosmopolitischen Lebensweise hat sich die menschliche Darmflora offenbar dramatisch verändert. Dies berichten US-Forscher nach der Untersuchung von jahrtausendealten Kotproben, sogenannten Koprolithen, im Wissenschaftsjournal "PloS One".

Die Proben

Raul Tito von der amerikanischen Universität von Oklahoma in Norman und seine Mitarbeiter hatten zunächst Koprolithen von drei archäologischen Fundstätten untersucht: etwa 8.000 Jahre alte Überreste aus Hinds Cave im Südwesten der USA, 1.400 Jahre alte Reste aus einer Höhle in Rio Zape in Mexiko sowie den 1.600 Jahre alten Darminhalt einer Mumie aus Caserones im Norden von Chile.

Mit Hilfe von DNA-Untersuchungen bestimmten die Forscher, aus welche Bakterien die Darmflora der Menschen zu Lebzeiten zusammengesetzt war. Sie verglichen dies dann mit der Darmflora heute lebender Menschen und mit Bakterien-Gemeinschaften aus anderen Umgebungen.

Keine Ähnlichkeit zur durchschnittlichen Darmflora von heute

Die Bakterien-Zusammensetzung in den Rio-Zape-Proben ähnele am ehesten der von Kindern aus dem heutigen ländlichen Afrika, berichten die Forscher. Sie fanden in einer dieser Probe Spuren eines bestimmten Bifidobakteriums, das fast ausschließlich bei gestillten Kindern zu finden ist. Daraus schließen die Wissenschafter, dass der Koprolith von einem Kind stammt.

Außerdem entdeckten sie viele Bakterien der Gattung Prevotella, die sich vor allem bei einer kohlenhydratreichen Kost im Darm ansiedeln. In den Proben aus den beiden anderen Fundstätten fanden die Forscher keine Ähnlichkeit mit einer menschlichen Darmflora, wie sie für heute typisch ist. Ein Teil der Koprolithen aus dem Darm der Mumie enthielt dafür eine Bakterien-Gemeinschaft, die aus Kompost bekannt ist.

Anschließend analysierten die Forscher bereits vorhandene Daten zur Darmflora der Gletschermumie "Ötzi" und eines österreichischen Soldaten, dessen Leiche fast 100 Jahre in einem Gletscher gelegen hatte. Auch deren Darmflora ähnelte am ehesten der afrikanischer Kinder vom Land, berichten die Wissenschafter. Ähnlichkeiten mit modernen, erwachsenen US-Amerikanern fanden sie hier ebenfalls nicht.

Bezug zu Autoimmunerkrankungen hergestellt

"Diese Ergebnisse lassen darauf schließen, dass die moderne kosmopolitische Lebensweise die Darmflora des Menschen dramatisch verändert hat", erläutert Hauptautor Cecil Lewis. Es sei heute akzeptiert, dass Antibiotika und eine verbesserte Hygiene viele Vorteile mit sich brächten, aber dies geschehe nicht ohne Folgen. Indem das ursprünglich Verhältnis des Menschen zu seinen Mikroben verändert werde, werde zum Beispiel auch die Entwicklung unseres Immunsystems beeinflusst. Die Autoren der Studie weisen in diesem Zusammenhang auf eine Theorie hin, nach der diese Veränderungen einen Anstieg von Autoimmun- und anderen Erkrankungen zur Folge haben. (APA/red, derStandard.at, 14. 12. 2012)

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In diesem fachspezifischen Zusammenhang erhält der Begriff "Forscher" …

… eine völlig neue, subtile -aber immer schon innewohnende- Erweiterung seiner Bedeutungsvielfalt.

Und an jenen einen Blitzkneißer hier, der dem FS3 immer gerne mehrere Rotbewertungen (immer schön brav mehr als "lesenswert") verpaßt, …

…sei dieser Sachverhalt gerne nochmals erklärt.

Denn auch sie kommen sicherlich von selbst dahinter, was das FS3 gemeint hatte, wenn wir das Objekt der Begierde etwas anders aufschreiben und ihrer Intelligenz etwas auf die Sprünge helfen:

"F.Orscher"

Jetzt müssen es aber auch sie verstanden haben, oder?

Der Troglodyt hinterließ einen Koprolith.

Hat man Handke diese

Neuigkeiten schon mitgeteilt?

Koprolith

wieder ein neues (schimpf)wort gelernt. es zahlt sich aus hier...

Irgendwie glaube ich mich zu erinnern,

dass der Mensch sich als Ganzes verändert hat. Nona.
Irgendwie auch kein Wunder, nach Tausenden von Jahren ...

Innerhalb der letzten paar tausend Jahre hat sich das menschliche Genom

praktisch nicht verändert. Die Reproduktionszeit von Menschen ist viel zu lange um in solch kurzer Zeit drastische Gen-Veränderungen zu erzeugen.

es könnte aber durchaus auch ein Vorteil sein, denn natürlich ist der Mensch in Symbiose mit seiner Umgebung, auch in Sachen Darmflora.

DAS wird unseren Spezialisten, den Kabarettisten Niavarani

sicher interessieren;)!

hochspannendes forschungsergebnis

wenn man sich vor augen hält dass im darm 10x mehr fre mdzellen leben als der menschliche organismus an eigenzellen besitzt, so kann man sich auch durchaus vorstellen was für einen grossen einfluss diese auf körper und psyche haben können

"...was für einen grossen einfluss diese auf körper und psyche haben können".

Hihihi, hätte ich die Alu-Folie doch nicht aufsetzen sollen, sondern sie mir rectal applizieren müssen:
Ah, meine Streptokokken wollen mich zwingen, meinen Chef zu schlagen! Aber die Escherichia halten dagegen und übernehmen die Führung. Noch haben die Enterobacteriaceae noch nicht entschieden, auf welche Seite sie sich stellen werden. Es bleibt spannend...

Zumindest wollte ich das sein ;-)

Seit 2 Jahren ernähre ich mich nach den Empfehlungen der Reha Alland, zusätzlich noch so viel Bio wie möglich und mit sehr wenig Fleisch. Ich habe 40kg abgenommen, baue nach 30 Jahren der Jojo-Diäten wieder richtig Muskelmasse auf, bin fit wie ein Flummi.
Keine Angst, ich und meine Darmflora sind gute Freunde. Aber das waren wir auch schon immer. Ich konnte früher 2kg Äpfel auf einmal essen ohne Beschwerden, oder einen halben kg Fleisch oder 2l Eis, einen großen Chinakohl roh oder 1kg Müsli. Durchfall oder Verstopfung kenne ich praktisch nicht.

warum gibt es keine vergleichsbilder?

ooohhh shiiiiiiiiiiiitt

colitis und crohn

ich bin gespannt, wann gezielt die "homogenität" des bakterienhaushaltes im darm angestrebt wird als therapeutische maßnahme, anstatt das immunsystem (entzündung) zu unterdrücken.

ich bin der meinung, die erkrankten bräuchten eine spezielle individuelle therapie, je nach zustand ihrer darmflora. egal ob MAP, e.coli koinzidenzen sind und keine direkten auslöser, sie spielen im zusammenspiel mit anderen bakterienkulturen eventuell doch eine sehr wichtige rolle bei diesen erkrankungen.

Das gibts schon. Hab das dieses Jahr schon bei einigen Vorträgen von Leuten die sich mit den Mikroben im Darm beschäftigen, gehört. Die haben scheinbar recht gute Ergebnisse mit "Stuhltransplantationen" erreicht. Und es gibt scheinbar auch schon Bestrebungen die Darmflora ohne Kot neu anzusiedeln (weil das, naja.... doch ein wenig widerlich ist), ich kann mich aber nicht mehr genau daran erinnern wie das funktionieren soll.

Klingt zumindest einleuchtend. Ich denke, da wird aber auch bereits in diese Richtung geforscht; gerade Medikamente für Magen/Darm etc. fallen oft in den "lifestyle"-Bereich, damit lassen sich schöne Gewinne machen.

Autoimmunkrankheiten vs. Lebenserwartung von 30 - 40 Jahren.

Man darf auch nicht außer Acht lassen, dass diese Sterbetafeln fast ausschließlich für Versicherungen "produziert" werden und die Anhand dieser Daten ihre Deckungsrückstellungen/Prämien berechnen. Je schlechter eine Versicherung die Situation für sich selbst ansetzt und das machen sie immer (im Rahmen des möglichen), desto besser für sie... Es gibt durchaus ein starkes Interesse, dass die Lebenserwartung heutzutage hoch erscheint... vl. auch für andere Branchen... Klar bei der Ablebensversicherung wäre der umgekehrte Fall eher profitabel, aber das ist ja nur eine Sparte von vielen, bei denen es genau umgekehrt ist.

Der 4. Absatz wird Ihr Missverständnis aufklären:
http://de.wikipedia.org/wiki/Lebe... .A4ndnisse

Naja, trotzdem - aus dem wiki-Artikel: "Wenn die Kindheit überlebt wurde, konnte man durchschnittlich über 40 Jahre alt werden."

Das ist doch ein Unterschied zu heute. Nur in ganz wenigen Gebieten der Erde (in Afrika) ist die Lebenserwartung derart gering - dort aber mit der Kindheit und der hohen Sterblichkeitsrate von Neugeborenen einberechnet.

Andere Frage: vielleicht könnten Sie mir woanders weiterhelfen?
http://derstandard.at/plink/135... 8/29356563
Könnten sie mir diese Frage beantworten?

Sokrates war 70, als er den Schierlingsbecher trank, Platon wurde über 80, Karl der Große wurde 66, die meisten Staufer wurden über 60.
Hier erkennt man schön, warum die durchschnittliche Lebenserwartung für solche Aussagen wie vom Vorposter ungeeignet sind,
Römer im Vergleich zu D 1901-10 und 1997-99:
http://tinyurl.com/cfkt9we
Wenn man ohne ernstliche Erkrankung oder Verletzung gealtert ist, war die Lebenserwartung nur wenig niedriger als heute. Gefühlsmäßig um den Unterschied, den Krebstherapie, Hysterektomie und Blutverdünner heute ausmachen.
Jedenfalls hat nicht die andere Darmflora zur geringeren Lebenserwartung geführt, sondern andere Ursachen.

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