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Wien - Die Ärztekammer geht seit Monaten gegen die am Dienstag finalisierte Gesundheitsreform auf die Barrikaden - aus Sorge um die Patienten, wie es heißt. Glaubt man Stimmen außerhalb der Standesvertretung, dürfte eher die Angst vor dem schwindenden Einfluss dahinterstecken. Mit der Reform verliert die Kammer nämlich ihre zentrale Position etwa bei der Vergabe von Kassenplanstellen.
Die befürchtete Entmachtung sei sicher der Hauptgrund für die Proteste der Ärztekammer, sagte Gerald Bachinger, Sprecher der österreichischen Patientenanwälte, am Mittwoch. Bisher machen sich die Kammern nämlich mit den Gebietskrankenkassen aus, wo welche Kassenordination hinkommt. Künftig entscheiden das die Geldgeber, also die Länder und Kassen, in sogenannten Zielsteuerungskommissionen.
Dies geschehe evidenzbasiert, wie Bachinger betonte: "Da ist kein Platz mehr für Ärztekammer", denn "da kann es nicht auf die Befindlichkeiten von irgendjemanden ankommen". Der Kammer bleibe ihr Expertenstatus, als Entscheider habe sie aber nicht mehr mitzureden. Im Gesundheitsministerium formuliert man das vorsichtiger, von "Entmachtung" will man nicht reden. Die Kammer verhandle weiter mit der jeweiligen Gebietskrankenkasse den Stellenplan, allerdings eben nach den Vorgaben der Zielsteuerung, so eine Sprecherin.
Weniger Einfluss für die Standesvertretung erwartet sich jedenfalls der Gesundheitsökonom Ernest Pichlbauer. "Die realpolitische Macht der Ärztekammer wird doch deutlich reduziert", sagte er im "Ö1-Morgenjournal". Gegenüber der APA erläuterte er, dass die Kammer mit der Hoheit über die Kassenverträge nicht nur Macht über die Politik, sondern auch über die eigenen Mitglieder aufgeben müsse.
Pichlbauer geht aber noch weiter, denn er sieht durch die Reform bei mangelnder Kooperation der Kammer auch ihr Monopol zum Abschluss der Gesamtverträge mit den Gebietskrankenkassen infrage gestellt. Dies brauche allerdings noch Gesetzesänderungen, räumte er ein. Die Drohung mit einem vertragslosen Zustands wäre damit jedenfalls nicht mehr möglich.
Patientenanwalt Bachinger verweist auch auf weitere Punkte der von Bund, Ländern und Sozialversicherung ausverhandelten Reform, durch die die Kammer an Einfluss verliert. Es gehe um die Qualitätskontrolle, die künftig bundesweit einheitlich gemessen werden soll, und um Fortbildungsvorgaben. In beiden Bereichen sei der Spielraum der Standesvertretung derzeit zu groß.
Die Reform insgesamt wird von beiden Experten positiv bewertet. Bachinger hofft auf eine "radikale Neuorientierung", weil es erstmals zu einer gemeinsamen Willensbildung von Ländern und Sozialversicherung kommen müsse. Das medizinische Angebot könne künftig am "best point of service" angeboten werden, hoffte er, und das könne sehr oft ein "Kassenvertragsarzt neu" sein. Über den "Zwang zur Kooperation" freute sich auch Pichlbauer. Die Finanzziele seien allerdings sehr weich formuliert, kritisierte er.
Die Gesundheitsreform stößt bei Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung auf positives Echo. Zustimmung kam auch vom Fachverband der privaten Gesundheitsbetriebe, Ablehnung dagegen von der FPÖ. Die Ärztekammer als bisher größter Kritiker der Reform zeigte sich weiter verschlossen.
Ärztekammer-Präsident Artur Wechselberger wollte noch kein Urteil abgeben, weil er noch keine schriftlichen Unterlagen über den Inhalt der Einigung zwischen Bund, Ländern und Sozialversicherungen hat. Ob die Ärztekammer am Freitag bei ihrer Vollversammlung eine Ausweitung ihrer Proteste mit Ordinationsschließungen beschließen wird, konnte er daher noch nicht vorhersagen. Ihm geht es vor allem darum, dass für die ambulante Versorgung der Patienten den niedergelassenen Ärzten Vorrang vor den Spitälern eingeräumt wird. Ob dies in der vereinbarten Reform enthalten ist, könne er aber vorerst noch nicht abschätzen, sagte Wechselberger.
Schneller hat sich Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl ein Urteil gebildet, und das fällt positiv aus. "Nach beinahe zwei Jahren der Verhandlung liegt nun eine Gesundheitsreform auf dem Tisch, die maßgeblich zur Effizienzsteigerung beitragen kann", erklärte er in einer Aussendung. "Damit wurde eine wichtige und zukunftsweisende Basis geschaffen." Es müsse möglich sein, an den Kosten zu schrauben und dennoch die Qualität des Gesundheitssystems weiter auszubauen.
Auch Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), sprach von einem wichtigen Schritt zur Steigerung der Effizienz in der Gesundheitsversorgung. "Angesichts der drohenden Kostensteigerungen durch die demografischen Veränderungen müssen wir rasch gegensteuern, bevor die Kosten vollends aus dem Ruder laufen." Die privaten Gesundheitsbetriebe begrüßten die im Rahmen der Reform geplante Qualitätsoffensive.
Kritik kam hingegen von der FPÖ. Gesundheitssprecherin Dagmar Belakowitsch-Jenewein ortete lediglich ein Aufblasen der Verwaltung, Ärztesprecher Andreas Karlsböck prophezeite eine Verteuerung des Systems und warnte vor den Zielsteuerungskommissionen als "Politkommissare für niedergelassene Ärzte". (APA, 12.12.2012)
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Leute wie der Bachinger und der Stöger:
Die werden sich so lang im Machtspielchen gegen die Ärztekammer üben (die auf ihre Art leider ein kongenialer "Partner" für diese Trotteln ist), bis sich die Ärzte anders organisieren und sie mit so etwas wie einem Marburger Bund zu tun haben werden.
Dann bin ich auf die Reaktionen gespannt.
der herr bm stöger darf jetzt über weihnachten mal drüber nachdenken, was er da wohl so beschliessen hat lassen, wenn wirtschaftskammer und industriellen vereinigung als erste jubeln. auch der herr bachinger darf ein paar tage im machtrausch schwelgen. wenn der hof den hofrat zurückpfeift, das kann ganz schnell gehen, ists schon wieder vorbei. die leistungserbringer, pardon kostenverursacher haben genug zeit sich zu beraten und dann zu reagieren.
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