Die Social-Media-Nutzung unter Journalisten

13. Dezember 2012, 12:08

Journalisten nutzen massiv Social-Media-Tools zur Recherche und sehen die Kanäle nicht als Konkurrenz sondern Ergänzung

Das Internet und seine Kommunikationsmöglichkeiten verändern nicht nur das Erscheinungsbild von Nachrichten, auch die Produktion wird von den neuen Online-Werkzeugen und omnipräsenten Social-Media-Kanälen massiv geprägt.

So besitzen laut einer aktuellen Online-Umfrage im D-A-CH-Raum zur Social-Media-Nutzung bei JournalistInnen knapp achtzig Prozent der österreichischen Journalisten einen Facebook-Auftritt, über die Hälfte sind auf Twitter und Xing aktiv.

Mehrfachnutzung

Praktischerweise lassen sich Promotion und Recherche im Social Media Auftritt kongenial miteinander verbinden, weshalb eben dieselben Kanäle auch als Hauptquellen der Social-Media-Recherche angegeben wurden, wobei sich an dritter und vierter Stelle Blogs und Youtube finden. Führend in dieser Disziplin ist in Österreich Twitter mit 65 Prozent Zuspruch. Anders verhält sich die Sache in Deutschland und der Schweiz. Dort führt Facebook als Recherchetool.

Social Media wird inzwischen von 75 Prozent der österreichischen Journalisten beinahe täglich verwendet, Unterstützung durch Schulungen von den arbeitgebenden Verlagshäusern haben aber nur dreißig Prozent erfahren, weshalb der individuelle Wissenstand denn auch von der Mehrheit als "durchschnittlich" eingeschätzt wird. 

Am Puls der Zeit

Am häufigsten werden die Kanäle genutzt um Stimmungen einzufangen, Meinungsführern zu folgen oder rasche Informationen zu generieren. Für Background-Recherche verwendet immerhin die Hälfte der Befragten die Web 2.0 Plattformen. Bei der Frage, ob die Informationen im Endeffekt wirklich sinnvoll sind, scheiden sich die Geister. Die Parteien "hilft mir selten bis gar nicht" und "hilft mir sehr" liefern sich in den Ergebnissen ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Interessant ist, dass Social Media aller Medienanalysten zum Trotz von den Journalisten selbst nicht als Konkurrenz sondern als Ergänzung eingeschätzt wird. In allen drei Ländern konnte diese Annahme bei über achtzig Prozent der Befragten punkten. 

Konkurrenz zu Nachrichtenagenturen

Obwohl keine Konkurrenz, werden die stetig an Bedeutung gewinnenden Kommunikationskanäle sehr wohl von achtzig Prozent als Problem für die journalistische Qualität wahrgenommen. Möglicherweise liegt der Grund in der massiven Verwendung von Suchmaschinen in der Recherche (96 Prozent), die sich in Österreich auf ähnlichem Niveau wie die Verwendung von Nachrichtenagenturen, E-Mails und persönlichen Gesprächen bewegt und in Deutschland und der Schweiz die herkömmlichen Mittel sogar überholt.

Die viel beschworene Veränderung der journalistischen Arbeitswelt wird in der Studie bestätigt: Über die Hälfte sieht einen erhöhten Bedarf an der Erklärung von Zusammenhängen und Hintergründen, auch die Problematik des erhöhten Zeitdrucks kennen über vierzig Prozent.

Infografik zur Relevanzsteigerung

Eine weitere Infografik von Martin Giesler analysiert die wachsende "Relevanz sozialer Medien in den Agenturmeldungen 2012" im Untersuchungszeitraum von 1.1.2012 bis zum 30.11.2012 bei den Nachrichtenagenturen DPA, DAPD, Reuters, EPD, AFP und KNA.

Im Zahlenvergleich soll sich die Nennung  von Twitter in Agenturmeldungen um 62 Prozent auf über 4000 Erwähnungen gesteigert haben. Insgesamt haben die Meldungen zu IT-Firmen und sozialen Netzwerken um 25 Prozent zugenommen. (tara, derStandard.at, 13.12.2012)

Hintergrund

727 Journalisten (Deutschland: 560, Österreich: 126, Schweiz: 41) haben für die "Erste Studie in D/A/CH zur Social Media Nutzung unter Journalisten" mit einer Rücklaufquote von über 7 Prozent Fragen zu ihrem Arbeitsalltag beantwortet. Die Verteilung über alle Altersgruppen und Ressorts hinweg ist laut den Studienmachern ziemlich ausgeglichen. Für genaue Angaben informieren Sie sich bitte hier.

In Österreich wurde diese Umfrage des internationalen PR-Agenturnetzwerks ECCO von communication matters, der heimischen Partneragentur im ECCO Netzwerk, und den Online-Kommunikationsspezialisten von i5comm durchgeführt.

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8 Postings

Äh … youtube und g+ sind doch beides google. Wozu die Splittung?

was recherchiere ich mit einem facebook-auftritt?

welche grandiosen informationen kriege ich auf twitter? und was hat ein xing-profil eines journalisten mit recherche zu tun?

i don't get it, sorry.

die allerneuesten infos verbreiten sich eben am schnellsten auf Social Media Plattformen!

Ja, Ja, früher hat´s ja noch "Google Recherche" geheissen... ;-)

... aber jetzt wird wirklich schon jede Privatmeinung aus einem US Blog oder Tweet zur Zeitungsmeldung. Das ist schon eine Tendenz, die dem Anspruch des Qualitätsjournalismus diametral entgegenläuft.

allesamt us firmen oder?

endlich einer, der die wahre Vergleichsebene von Forum-Postings erfasst hat und das auch via nick dokumentiert

aber:
auch sich selber an der "Internet-Pissoirwand" einträgt

Kein Wunder, dass der kritische Journalismus...

immer weiter verschwindet.

Man nutzt ja scheint's auf das freudigste US-Medienkonzerne und deren Datenmelkmaschinen.

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