Arbeit macht auch psychisch krank

12. Dezember 2012, 13:33
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Fast ein Drittel aller ArbeiterInnen ist psychisch "stark belastet" - Neuer AK-Bericht sieht Verschärfung durch Krise und berufliche Unsicherheit

Psychische Belastungen im Job sind nicht nur leitenden Angestellten und Lehrpersonal vorbehalten. Eine neue Auswertung des Österreichischen Arbeitsgesundheitsmonitors zeigt, dass vor allem Bau- und FabrikarbeiterInnen sowie Kassen- und Reinigungskräfte psychisch belastet sind und unter ständig steigendem Zeitdruck, monotonen Arbeitsabläufen und unsicheren Zukunftsaussichten leiden. 

Gefühle der Sinnleere

Die Arbeiterkammer Oberösterreich, die den Arbeitsgesundheitsmonitor herausgibt, spricht von mehr als einer Million Betroffener. Bereits 29 Prozent aller Beschäftigten in Österreich seien als psychisch höher belastet einzustufen, zehn Prozent davon als sehr hoch. Der Arbeitsgesundheitsmonitor definierte als psychische Belastungsfaktoren Stressempfinden/Druck, Demotivation, die Unfähigkeit abzuschalten, Depressivität, das Gefühl der Erschöpfung und Überlastung, Gereiztheit und Gefühle der Sinnleere. Erfasst wurden diese Faktoren durch mehr als 20 Fragen.

Laut der Befragung leiden 39 Prozent der ArbeiterInnen an "starken psychischen Beeinträchtigungen", bei den Beschäftigten im öffentlichen Dienst waren es 28 Prozent, bei den Angestellten 27 Prozent. Vor allem Bauarbeiter zählen zu den Hauptbetroffenen: 41 Prozent sind stark oder sehr stark psychisch belastet, gefolgt von FabrikarbeiterInnen (39 Prozent), KassiererInnen (38 Prozent), InstallateurInnen (36 Prozent) und Reinigungskräften (34 Prozent). AbteilungsleiterInnen findet man erst dahinter mit 33 Prozent Belasteten.

Zeitdruck macht psychisch zu schaffen

Vor allem der steigende Zeitdruck in der Arbeitswelt spiele eine große Rolle bei der Ausprägung der Symptome: 40 Prozent der Beschäftigten, die unter Zeitdruck stehen, weisen mehrfache psychische Belastungen auf. ArbeiterInnen nehmen ihre Jobs zunehmend als monoton und sinnentleert wahr. Die wirtschaftliche Entwicklung empfinden immer mehr Beschäftigte als undurchschaubar, ihre berufliche Zukunft als unsicher. Erschöpfungssymptome und Depressionen (oft als "Burn-Out" bezeichnet) nehmen stetig zu. Seit 1994 hat sich die Zahl der Krankenstandstage wegen psychischer Erkrankungen fast verdreifacht. 

Die Arbeiterkammer verwies angesichts der Ergebnisse auf die Novelle des ArbeitnehmerInnenschutzgesetzes, die eine Evaluierung von psychischen Belastungen am Arbeitsplatz verlangt. AK-Präsident Johann Kalliauer erinnerte die Betriebe daran, dass die Ergebnisse dieser Untersuchungen verpflichtend umzusetzen seien. (red, dieStandard.at, 12.12.2012)

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