Im Banne des Taifuns Bopha

  • Touristen und Besucher flüchteten vor dem Taifon Bopha. Auch Blogger Erich E. beschloss am Ende abzureisen.
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    foto: nasa/ap/dapd

    Touristen und Besucher flüchteten vor dem Taifon Bopha. Auch Blogger Erich E. beschloss am Ende abzureisen.

Blogger Erich e. schildert seine persönliche Erfahrung mit der Gefahr, Überlegungen der Gefahr entgegenzutreten und die Entscheidung zu flüchten

Vorweg möchte ich darauf hinweisen, dass ich bei der Planung der ee-worldtour sehr wohl das Risiko von Taifunen auf den Philippinen kannte und ich daher den Reiseverlauf entsprechend wählte. Die Taifunsaison dauert normalerweise bis etwa Ende Oktober, meine Einreise war in der zweiten Novemberwoche. Zunächst war ich auf der Insel Malapascua im Norden von Cebu und ab 21. November auf Boracay. Beide Inseln gehören zu den Visayas.

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Am Mittwoch dem 21. November wurde auf den Wettersatellitenbildern ein Taifun sichtbar der sich zum schwersten Taifun des heurigen Jahres für die Philippinen entwickelte. Eine Woche nach dem Unwetter sind über 700 Todesopfer zu beklagen und die geschätzten Sachschäden betragen über 130 Mio. Euro. Insgesamt sind 5 Millionen Menschen von den Auswirkungen betroffen.

Mittwoch, 21. November
Wetter: Sonnenschein, strahlend blauer Himmel, Temperatur über 30 Grad.
Ich lande auf dem Flughafen in Caticlan, setze mit einem kleinen Fährboot nach der in Sichtweite liegenden Insel Boracay und fahre mit einem Kleinbus zu meinem Hotel am White Sand Beach. Erster Eindruck "Paradies", mit traumhaftem hellblauem Wasser, weißem Sandstrand und Sonnenschein.

Mittwoch, 28. November
Wetter: Sonnenschein, strahlend blauer Himmel, Temperatur über 30 Grad.
Die ganze Woche war ähnlich wie der bereits geschilderte erste Tag auf Boracay. Erstmalig erfahren wir bei Plaudereien mit anderen Urlaubern vom Vorhandensein eines im Nordpazifik entstandenen Taifuns, der Richtung Westen zieht. Durch das Internet war es mir möglich den Taifun zu orten, der zwar Richtung Westen zog, dessen noch kurze Bahn aber südlich des Äquators lag. Ich sah keinen Grund zur Beunruhigung.

Donnerstag, 29. November
Wetter: Sonnenschein, strahlend blauer Himmel, Temperatur über 30 Grad.
Der Taifun war nun in den deutschsprachigen Urlaubskreisen ein etwas häufigeres Thema, die Gefahr aber noch in keiner Weise spürbar. Auf den Satellitenbildern im Internet war zwar eine relativ große Wolkenspirale zu erkennen, welche sich mit ca. 30 Stundenkilometern Richtung Westen bewegte, der Verlauf war aber nach wie vor südlich des Äquators. Die weite Entwicklung seiner Richtung war ungewiss.

Freitag, 30. November
Wetter: Sonnenschein, strahlend blauer Himmel, Temperatur über 30 Grad.
Der Taifun hatte plötzlich einen Namen und zwar Bopha. Das Gesprächsthema Taifun wurde intensiver, die Erwähnung, dass die Taifunsaison bereits vorüber sei und dass Boracay ohnehin selten von Taifunen heimgesucht wird, beruhigte die Gemüter der Urlauber. Der Taifun bewegte sich laut Satellitenbilder weiter nach Westen aber noch immer südlich des Äquators.

Samstag, 1. Dezember
Wetter: Sonnenschein, strahlend blauer Himmel, Temperatur über 30 Grad.
Erstmalig zeigt eine Prognose über den weiteren Verlauf des mittlerweile zum Supertaifun ernannten Unwetters das "Abbiegen" Richtung Norden an. Die Windkategorie schwankte zwischen drei (ca. 180 Kmh) und fünf (über 240 Kmh), wobei fünf der Höchstwert der Skala ist. Dies würde bedeuten, dass die Philippinen betroffen sind. Es wurden auch Namen von Inseln genannt, die unmittelbar betroffen sein könnten. Ein Engländer meinte , dass Boracay nicht genannt wurde, worauf man ihn aufklärte, dass eine der genannten Inseln nur ca. 50 Kilometer Luftlinie entfernt sei. Mein Aufenthalt sollte noch eine weitere Woche andauern und meine kleine Reisegruppe, insgesamt vier Personen, diskutierten bereits mögliche weitere Vorgangsweisen. Wohin sich "Bopha" wenden würde, nachdem er auf die südlichen Inseln der Philippinen auftreffen würde, war noch nicht ganz klar.

Sonntag, 2. Dezember
Wetter: Sonnenschein, strahlend blauer Himmel, Temperatur über 30 Grad.
Die Satellitenkarten ließen nunmehr keinen Zweifel aufkommen, dass der Supertaifun kommen würde. Ich schaute mich online schon einmal um Flüge von Caticlan nach Manila um und argumentierte innerhalb der Reisegruppe, welche etwaigen Unannehmlichkeiten und Gefahren auf uns zukommen könnten. Die "Gruppendemokratie" zeigte aber noch keine klare Tendenz. Das Wetter ließ noch immer keinerlei Gefahren erkennen, doch die Ruhe war trügerisch. Die Stimmung war aber generell unter den Urlaubern eher nachdenklich. Langzeiturlauber und vor Ort lebende Deutsche meinten, dass der White Beach durch niedrige Hügelkette nach Osten, aus dieser Richtung sollte Bopha kommen, gut abgesichert sei. Vorsorglich kaufen wir Wasservorräte für ca. drei Tage.

Montag, 3. Dezember
Wetter: Bewölkt, leichter Wind, Temperatur über 30 Grad.
Ich wache um ca. 7 Uhr 30 auf und schalte sofort mein Netbook ein. Mir springt eine eindeutige Warnung vor dem Sturm ins Auge. Neben den Auswirkungen durch den Wind gibt es noch einen Hinweis auf etwaige Springfluten. Das Hotel liegt ca. 20 Meter vom Meer entfernt und es wird von Niederschlagsmengen, 450 Millimeter pro Quadratmeter, welche Erdrutsche etc. auslösen können berichtet. Aufgrund dieser Kumulierung von etwaigen Gefahren und vor allem den etwaigen nachfolgenden Unannehmlichkeiten, weckte ich den Rest der Reisegruppe. Die "Gruppendemokratie" wechselte ihre Meinung angesichts dieser Vorhersagen mehrheitlich auf sofortige Abreise. Um 8 Uhr 15 - welch ein Glück - kann ich vier Flüge online für den 3.12. buchen.

An der Hotelrezeption war man etwas überrascht, weil wir vorzeitig und so plötzlich abreisten. Die Dame an der Rezeption meinte, der Taifun werde "sicher nicht kommen". Wir bestellten für 10 Uhr den Transfer zum Flughafen. Die Wasservorräte und sonstige Kleinigkeiten verschenken wir an unsere Urlaubsbekanntschaften. Wir gelangen problemlos zum Flughafen. Eine ca. 10 minütige Autofahrt kann bei unpassierbarer Straße ein langer Fußmarsch mit Gepäck, der Bootstransfer aufgrund hoher Wellen unmöglich und der Flughafen bei nicht stattfindenden Flügen ein Dauerquartier werden. Wir flogen nach Manila und nach Umbuchung weiter nach Hongkong. 12 Stunden nach unserem Aufbruch checken wir im Hotel in Hongkong ein.

Die Insel Boracay wurde, entgegen den meteorologischen Prognosen über den weiteren Verlauf des Taifuns, nur von Ausläufern gestreift und es waren keine Schäden zu beklagen. (Erich E., derStandard.at, 12.12.2012)

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Und wenn Sie 100 Postings von mir löschen hat noch nie ein

tropischer Wirbelsturm den Äquator gequert. Corioliskraft.

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