Trends und Co: Was das vergangene Jahr flüssig machte

Kolumne |
  • Das Anregende an übermäßig süßem Tee mit bunten Bemmerln aus Speisestärke zum Kauen kann ich nicht nachvollziehen.
    foto: ap/patrick sinkel

    Das Anregende an übermäßig süßem Tee mit bunten Bemmerln aus Speisestärke zum Kauen kann ich nicht nachvollziehen.

Bio, Weine, die länger lagern dürfen, und das unverständlichste Getränk des Jahres: Bubble-Tea

Bio beim Wein ist heute eine fixe Größe. Und das ist gut so. Die Anerkennung wuchs, seit sich immer mehr Leitbetriebe in Richtung bio aufmachten und dies auch kundtaten. Wenn auch dadurch jetzt klar ist, dass bio nicht bloß der skurrile Einfall einzelner schräger Vögel ist, steht zu befürchten, dass das Pendel in die andere Richtung ausschlägt. Wird doch zuweilen vom p. t. Publikum vergessen, dass ein Betrieb nicht dem Bösen anheimgefallen ist, der sich gegen bio oder vielleicht nur gegen die Zertifizierung entscheidet, sondern einfach einen anderen legitimen Weg geht. Das Interesse für "Natural wines" ist als positiver Auswuchs der Biobewegung zu werten. Egal wie man als Weintrinker dazu steht, sie zeugen vom Wunsch, Wein weiterzuentwickeln und nicht stehenzubleiben.

Dass man sich hierzulande Schritt um Schritt angewöhnt, Weine nicht nur jung zu trinken, ist ebenfalls positiv. Gemeint sind nicht Edeltropfen, die jahrzehntelang im Keller reifen, bevor man sie rituell entkorkt. Das beginnt schlichter, nämlich damit, zu akzeptieren, dass Topweißweine eines Jahres nicht Schlag Silvester desselben fix und fertig zu sein haben und dass man auf Rote höherer Güte ein gutes Jahr und länger warten kann.

Nicht nur blubbern

Grundsätzlich gut ist, dass immer mehr heimische Winzer auch Schaumweine herausbringen. Weniger erfreulich daran ist, dass sich bei Erzeugern wie bei Sprudeltrinkern das Bewusstsein dafür, was gute Qualität - und deren Preis - ausmacht, (noch) nicht im selben Maß wie die Menge entwickelt hat. Soll ein Sekt harmonisch, frisch und feingliedrig schmecken und nicht nur blubbern, steckt anspruchsvolle Arbeit dahinter, die kostet.

Zum unverständlichsten Getränk des Jahres möchte ich Bubble-Tea nominieren. Das Anregende an übermäßig süßem Tee mit bunten Bemmerln aus Speisestärke zum Kauen kann ich nicht nachvollziehen. Dagegen sei es Hugo, dem Sommer-Renner aus Holunderblütensirup, Limette, Minze, Prosecco und Soda oder Mineralwasser von Herzen vergönnt, dass er es kohlensäurelos und aufgewärmt in den Winter geschafft hat. Mögen jedenfalls auch 2013 Genuss und Abwechslung beim Trinken vorherrschen. Prosit! (Luzia Schrampf, Rondo, DER STANDARD, 14.12.2012)

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