Ein Camp für neue Konzepte

11. Dezember 2012, 20:29
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In einem EU-Projekt werden zukünftige Innovationsmodelle analysiert

Für den Ökonomen Joseph Schumpeter war die Forschungsabteilung eines Unternehmens der entscheidende Ort für Innovation. Doch in den vergangenen Jahren sei es zu einer Öffnung des Innovationsprozesses gekommen, sagte Karl-Heinz Leitner vom Austrian Institute of Technology (AIT). In einem EU-Projekt unter seiner Leitung haben Experten analysiert, welche neuen Formen von Innovation an Bedeutung gewinnen, welche Chancen und Risiken diese Modelle aufweisen und wie die Innovationspolitik darauf reagieren sollte.

In einem ersten Schritt haben die Wissenschafter in dem Projekt " Innovation Futures" (INFU) 63 Beispiele und Strategien von Unternehmen, öffentlichen Einrichtungen, Organisationen etc. identifiziert, die in neuartiger Weise Innovationsprozesse organisieren. Daraus haben sie 20 Trends zusammengefasst, wie Innovationsmodelle der Zukunft aussehen könnten.

Zahlreiche Beispiel würden einen zunehmend offenen Innovationsprozess belegen, der sich unter dem Schlagwort "Open Innovation" zusammenfassen lässt. So kommt es immer öfter zu einer Auslagerung der Ideensuche. Beispiele sind "Crowdsourcing", etwa durch Wettbewerbe, oder " Innovationscamps", um an neuen Ideen und Konzepten zu arbeiten. "Open Source"-Entwicklungen sind nicht mehr nur auf den Softwarebereich beschränkt, sondern werden auch im Automobilbereich angewendet.

"Frugal Innovation"

Unternehmen nutzen auch schon intelligente Suchalgorithmen, sogenannte Web-Crawler, um nach neuen Ideen und aktuellen Kundenwünschen zu suchen. Unter dem Schlagwort "90 Prozent Innovation" gibt es laut Leitner den Trend, Innovationen auf die "anderen 90 Prozent" der Weltbevölkerung auszurichten, die nicht in den reichen Ländern leben. Diese "Frugal Innovation", die auf die wesentlichen Bedürfnisse der Kunden in aufstrebenden Märkten reduziert ist, sei eine Herausforderung für die europäische auf Hochqualität ausgerichtete Unternehmenskultur.

Auch das Thema Nachhaltigkeit hält zunehmend Einzug in den Innovationsprozess. Sogar die Motivation für Innovation ändere sich und sei nicht nur auf die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und Gewinne ausgerichtet, sondern auch darauf, "ein Stück die Welt zu verbessern", sagte Leitner vom AIT-Department für Foresight and Policy Development.

Diese Trends müssten nach Ansicht der Experten auch in der Innovationspolitik stärker berücksichtigt werden, die klassische Förderung von Forschungs- und Entwicklungsprojekten reiche nicht mehr. (APA, red, DER STANDARD, 12.12.2012)

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