Was von fremden Stoffen übrigbleibt

11. Dezember 2012, 20:27
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Der Innovation Award 2012 ging an die Entwickler einer Nachweismethode für Reste von Giften und anderen Stoffen

Sie sind Substanzen auf der Spur, über die man nicht viel weiß und die normalerweise kaum nachweisbar sind: nämlich sogenannten Biotransformationsprodukten. Diese entstehen, wenn ein Organismus ihm zugeführte Stoffe abbaut oder umwandelt. "Es geht darum, wie sich Xenobiotika, das sind dem Organismus fremde Stoffe wie Pflanzenschutzmittel, Schimmelpilzgifte oder Antibiotika, auf den menschlichen Körper oder auf Pflanzen auswirken", sagt Nora Neumann vom Analytikzentrum am Interuniversitären Department für Agrarbiotechnologie (IFA) in Tulln.

Neumann und ihre Kollegen Christoph Büschl und Bernhard Kluger wurden vergangene Woche für ihre Entwicklung mit dem Innovation Award 2012 ausgezeichnet. Der Preis wird jährlich von der niederösterreichischen Technologiefinanzierungsgesellschaft Tecnet und dem Gründerservice Accent vergeben. Prämiert werden anwendungsorientierte Forschungsarbeiten von Studierenden der Universität für Bodenkultur (Boku) am Standort Tulln.

Die neue Analysemethode entstand in der Arbeitsgruppe "Metabolomics und bioaktive Substanzen" unter der Leitung von Rainer Schuhmacher und in Kooperation mit dem Pflanzenwissenschafter Marc Lemmens vom IFA Tulln. Mithilfe stabiler Kohlenstoffisotope werden Substanzen wie etwa Schimmelpilzgifte markiert.

Auch bei Medikamenten einsetzbar

Anhand dieser Kohlenstoff-Markierung und mit einer eigens entwickelten Software können so die Biotransformationsprodukte aus den vielen Stoffwechselprodukten, beispielsweise des Weizens, herausgesiebt werden. "Wir haben die Messmethode verfeinert und können so auch bis dahin unbekannte Biotransformationsprodukte der verstoffwechselten Substanzen automatisch erkennen und identifizieren", erklären die Preisträger, " damit können wir die Verstoffwechselung von Xenobiotika durch das jeweilige biologische System ganzheitlich betrachten."

Weil die Methode auf sonst übliche radioaktive Marker verzichtet, könnte sie auch zur Untersuchung von Nebenwirkungen von Medikamenten eingesetzt werden.

Mit Lebensmittelsicherheit und dem Nachweis von Stoffwechselprodukten in Getreide beschäftigt sich auch ein Team um Maria Paula Kovalsky Paris unter der Leitung von Gerhard Adam vom Universitäts- und Forschungszentrum Tulln (UFT), das den zweiten Platz beim Innovation Award belegte. Der dritte Platz ging an Martin Riegler und Kollegen aus der Arbeitsgruppe Ulrich Müller vom Kompetenzzentrum "Wood K plus" für ein Projekt zur ressourceneffizienten Holzfaserplattenherstellung. (kri, DER STANDARD, 12.12.2012)

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Wissen: Tüftlern auf die Sprünge helfen 

Gründer, Erfinder, Tüftler und Forscher, die in Niederösterreich angesiedelt sind oder vorhaben, sich dort niederzulassen, kommen kaum an Tecnet vorbei. Die Technologiefinanzierungsgesellschaft des Landes Niederösterreich unterstützt Technologieunternehmen und Forschungseinrichtungen bei der Verwertung ihrer Entwicklungen, sucht Lizenzpartner und begleitet Patentierungsverfahren.

Das Gründerservice Accent hat zum Ziel, die Zahl akademischer Spin-offs zu erhöhen. Der Risikokapitalfonds Tecnet Equity soll Technologiefirmen in der Gründungs- und Wachstumsphase auf die Sprünge helfen, außerdem gibt es Unterstützung bei der Verwertung von Forschungsergebnissen und Patenten sowie betriebswirtschaftliche Beratung. (red)

  • Wie sich Schimmelpilzgifte oder Pflanzenschutzmittel im Organismus von Pflanzen 
auswirken, analysiert das Siegerprojekt.
    foto: standard/fischer

    Wie sich Schimmelpilzgifte oder Pflanzenschutzmittel im Organismus von Pflanzen auswirken, analysiert das Siegerprojekt.

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