Homosexuelles Verhalten ist sexy

Klaus Taschwer
12. Dezember 2012, 01:01

Rein evolutionsbiologisch betrachtet ist schwules Verhalten bei Tieren rätselhaft - Doch nun könnten Forscher bei Zierfischen eine Lösung gefunden haben

"Bisexualität verdoppelt deine Chancen auf ein Samstagabend-Rendezvous." Hinter dieser weisen Einsicht von Woody Allen scheint sich eine noch tiefere Wahrheit zu verbergen, als es auf den ersten Blick scheint - zumindest wenn man neue Erkenntnissen berücksichtigt, die Evolutionsbiologen der Universität Frankfurt an Atlantikkärpflingen gewannen: "Schwules Verhalten" scheint nämlich männliche Fische für Weibchen sexy zu machen.

Doch alles der Reihe nach. Homosexuelles Verhalten ist im Tierreich ein nahezu universelles Phänomen, wie 2009 eine Überblicksstudie im Fachblatt "Trends in Ecology & Evolution" feststellte: Bereits bei rund 1500 Tierarten wurde Sex mit Geschlechtsgenossen beobachtet. Besonders gut dokumentiert ist homosexuelles Verhalten bei unseren nächsten lebenden Verwandten, den Bonobos, die als grundsätzlich bisexuell bezeichnet werden könnten.

Schwule Pinguinpaare

Bekannt für ihr homosexuelles Verhalten sind außerdem Pinguine. In vielen Zoos der Erde leben homosexuelle Paare, die sich zwischendurch auch mit Weibchen paaren und in gleichgeschlechtlicher Partnerschaft Küken großziehen - so etwa im Zoo von Bremerhaven. Extrem ausgeprägt ist Homosexualität übrigens bei Giraffen, bei denen anscheinend 94 Prozent der sexuellen Aktivitäten gleichgeschlechtlich sind, ohne dass deshalb die Erzeugung von Nachwuchs gefährdet wäre.

Warum aber gibt es überhaupt homosexuelles Verhalten im Tierreich? Widerspricht das nicht den elementarsten evolutionären Grundgesetzen - dass nämlich im Grunde alles Verhalten letztlich auf die Weitergabe der eigenen Gene abzielt?

Die deutschen Forscher um David Birnbach könnten nun an den Atlantikkärpflinge, deren Männchen bisexuelle Aktivitäten zeigen, eine mögliche Lösung dieser Fragen gefunden haben. Schon im Vorjahr haben die Biologen an den Tieren ein erstaunliches Verhalten dokumentiert: Männchen verhalten sich gegenüber Weibchen anders, wenn sie wissen, dass sie von einem (größeren) Männchen beobachtet werden - eine Strategie, die auch bei Menschen nicht völlig unbekannt ist.

In der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Biology Letters" berichten Bierbach und seine Kollegen von einer weiteren überraschenden Strategie bei der Partnerwahl: Den Weibchen ist es völlig egal, ob ein Männchen auch mit Geschlechtsgenossen Sex hat - Hauptsache, es ist sexuell aktiv. Denn das bedeute Gesundheit, Vitalität und gute Kondition. In Bierbachs Worten: "Sexuelle Aktivität an sich stellt für Weibchen ein Qualitätsmerkmal dar, denn kranke Männchen zeigen kaum Sexualverhalten". Das wiederum könne auch eine Erklärung für bisexuelle Verhaltensweisen vieler anderer Arten sein. (Klaus Taschwer, DER STANDARD, 12.12.2012)

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weitere Schlussfolgerung

die eigentliche Schlussfolgerung ist: Polygamie! ;)

Polyandrie, nicht Polygamie!

Ich werd ...

... deswegen trotzdem nicht schwul werden, auch wenn es sogar schon so propagiert wird ...

mM

Ok, ist deine Sache. Aber ein bisschen wider der Natur bist du schon...

Die Evolutionstheorie hat doch Populationen zum Gegenstand...

... nicht die einzelnen Tiere dieser Populationen. Unter diesen Voraussetzungen lassen sich einige Hypothesen formulieren, warum Homosexualität innerhalb einer Population deren Anpassungsfähigkeit erhöht.

Evolutionstheorie hat das Individuum im Mittelpunkt. Selektion wirkt immer auf das Individuum (nicht die ganze Population auf einmal), weil ja schließlich die Gene die Erbinfo haben.

Nein! Die Geschwister, Nichten und Neffen des Individuums tragen die selben Gene.
Wenn es also ein Gen gibt, das, sagen wir, mit 5%iger Wahrscheinlichkeit Homosexualität auslöst, dann bedeutet das, dass es im Rudel 5% Individuen gibt, die sich nicht um leibliche Kinder kümmern müssen. Und direkt oder indirekt ihre jüngeren Geschwister, ihre Nichten und Neffen mitaufziehen/Nahrung beschaffen/ beschützen/verwaiste Jungtiere adoptieren...

Schau dir Staatenbildende Insekten an... da pflanzen sich fast 100% der Individuen nicht fort, und es funktioniert fabelhaft.

Es geht bei der Evolution nicht ums Individuum, sondern ums Gen. Das Gen "will" weiterbestehen. Und das Gen steckt in vielen Individuen, die nicht isoliert sind.

Eine "schöne", sexy Sackgasse.

Ein demographisches Kontraindikation.
Homosexualität wurde nur deswegen salonfähig gemacht, weil unter den Prominenz kommt es ja (auch) häufig vor.
Und was die Prominenz machen möchte, das macht sie auch und sogar wird früher oder später daraus Mode, Trend usw. jedenfalls wird als "pikfein" verkauft.
Dass man dabei Argumente aus der Tierwelt herbeiziehen will/muss, ist absolut schäbig.

200 jahre Aufklärung und mindestens 9 Jahre Schulpflicht...unglaublich, dass da immer noch so was rauskommt...

Wie kann man etwas positiv betrachten,

was im Gegensatz aller Logik, aller Sinn, aller Zweck usw. der Natur steht?
Du sollst mich nicht missverstehen, ich gönne jedem was er will, soweit nicht die anderen oder die Gesellschaft zum Schaden kommen. Ich bin tolerant. Aber bitte, es gibt schon in der Natur eine gewisse Räson, die zu respektieren gehört. Homosexualität gibt es, aber das ist nicht "modern" oder "positiv" usw. sondern es gibt einfach und jeder steht dazu, wie er will.
Du wirst dadurch nicht küger oder besser, dass du die "Zeitgeist" nachäffst.

wie kommst du auf de Idee, dass Homosexualität dem "Zweck" der Natur entgegen läuft?

(nicht, dass ich glaube, dass die natur irgendeinen Zweck hat, die ist einfach nur, aber trotzdem widerspricht Homosexualität ganz offensichtlich nicht irgendeiner Idee, die man vom Zweck haben kann)

Das Standard-Forum ist der Hort, an dem distinguierte Bildungsbürger bestätigen, dass die Stimme der Vernunft leise und korrekt ist.

Lieber bi als nie ...

das ist doch schon in der Bibel gestanden

Ein bisserl bi schadet nie ...

und wen kümmert's was in der Bibel steht

so what else is new?

Schwule Männer können tatsächlich sexy wirken, auf mich jedoch nur dann, wenn sie kein Tuntengehabe an den Tag legen, also nicht so tun, als ob sie Frauen wären. Im Meistfall sind schwule Männer auch einfühlsamer, sensibler und gefielen mir immer besser als der übliche Heteromann. :-)

da kennst du mich noch nicht ;-)

Lesbische Frauen wirken auf mich auch sexy, jedoch nur dann, wenn sie nicht als "Mannweib" auftreten und so tun, als wären sie (die besseren) Männer...

Meistens sind lesbische Frauen auch nicht so zickenhaft, dünnhäutig und unausgeglichen wie Heterofrauen :-)

Ich bin lesbisch und hab immer schon lieber Hosen und T-Shirts getragen und gefall mit mit kurzen Haaren besser, hab immer lieber mit "Bubensachen" gespielt als mit "Mädchensachen."

Bin ich jetzt ein "Mannweib"? Bzw. tu ich so als "wär ich ein Mann?" Was macht man, wenn man "tut als wär man ein Mann?"

Ich hab das nie so ganz begriffen, warum dieses oder jenes Verhalten, das ich immer schon hatte, bei Buben als "echt" gilt und mir vorgeworfen wird "so zu tun als wär ich ein Junge"....

Nix für ungut. Aber ich habe mein Posting nur als "humoristische Replik" auf die Äußerung von "Judith" geschrieben, weil sie das Klischee von den "sensiblen, verständnisvollen, tollen Schwulen" - also dem Typus des sogenannten "Frauenverstehers" - gar so strapziert hat.

Nehmen's bitte nicht alles tierisch ernst, was ich so schreibe :-)

Alles klar, kein Problem ;) Ich glaub ich hab die Frage "warum ich mich wie ein Junge anziehe" einfach schon zu oft gehört :P Schönen Tag noch!

Stimmt vollkommen, ist nicht anders bei Frauen als bei Männern!

Verwechseln ...

... Sie da nicht "lesbisch" mit "emanzipiert"? :)

mM

Ich brech gleich nieder... *gggg*

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