Volksbefragung: Wiener sollen über Olympia abstimmen

  • Das Stadthallenbad ist zwar nach wie vor undicht und dichtgemacht. Der Sportstadtrat denkt trotzdem an Olympia.
    foto: matthias cremer

    Das Stadthallenbad ist zwar nach wie vor undicht und dichtgemacht. Der Sportstadtrat denkt trotzdem an Olympia.

Neben dem gestaffelten Parkpickerltarif, dem Kampf gegen vermeintliche EU-Richtlinien und Wohnen möchte Rot-Grün auch wissen, wie es die Wiener mit dem olympischen Gedanken halten.

Wien - Ruderbewerbe auf der Neuen Donau? Leichathletik im Happelstadion? Schwimmwettkämpfe vielleicht in einer neuen Halle mit dichtem Becken? Bei der Wiener Volksbefragung, die laut Bürgermeister Michael Häupl (SP) vom 7. bis zum 9. März abgehalten werden soll, sollen die Wiener auch gefragt werden, ob sich die Stadt für die Olympischen Spiele 2024 oder 2028 bewerben soll.

Leckendes Becken im Stadthallenbad

"Es gab immer wieder Diskussionen um eine Bewerbung", sagte Sportstadtrat Christian Oxonitsch (SP) am Dienstag zumSTANDARD . "Aber bevor wir Hirnschmalz und Geld in Planungen investieren, sollte klar sein, ob eine Bewerbung für Sommerspiele überhaupt gewünscht ist."

Ob es angesichts des noch immer leckenden Beckens im Stadthallenbad überhaupt angebracht ist, an Olympia zu denken? "Man kann sich immer zu Tode fürchten", sagt Oxonitsch, "außerdem hatte London, als es sich bewarb, nicht einmal ein 50-Meter-Becken." Freilich müsste man im Falle eines Ja bei der Befragung einmal mit dem heimischen Olympischen Komitee (ÖOC), das formell die Bewerbung einreichen müsste, und auch mit dem Bund Gespräche führen, räumt Oxonitsch ein. Schließlich könnte Wien die Spiele weder alleine austragen noch finanzieren.

Hohe Investitionskosten

Teuer würde es allemal: London, wo die Spiele diesen Sommer ausgetragen wurden, investierte allein für die Bewerbung rund 20 Millionen Euro. Der Ausbau der Infrastruktur verschlang weitere 11,5 Milliarden Euro. Dafür besuchten während der drei Wochen fast zehn Millionen Menschen die britische Hauptstadt, die Wirtschaft wuchs rund um die Spiele um etwa ein Prozent.

Beim ÖOC ist die Freude erwartbarerweise groß, sollte Wien ernsthaft eine Bewerbung ins Auge fassen. "Wir wussten nichts von der Idee, sehen das aber sehr positiv", sagt ÖOC-Generalsekretär Peter Mennel dem STANDARD. Für Wien wäre es jedenfalls nicht die erste Olympiabewerbung, 1964 war die Stadt Tokyo unterlegen. Doch auch Bürgermeister Häupl hatte im Jahr 2000 angekündigt, dass sich Wien für die Spiele 2012 bewerben könnte. Umgesetzt wurden die Pläne allerdings nicht.

Vier Fragen bei Volksbefragung

Insgesamt wird es bei der Volksbefragung vier Fragen geben: Neben Olympia soll beim Parkpickerl das neue gestaffelte Tarifmodell abgefragt werden. Weiters möchte sich die Stadtregierung das Mandat der Wiener holen, gegen eine geplante EU-Richtlinie Position zu beziehen, die vorsieht, dass manche kommunale Dienstleistungen ausgeschrieben werden müssen.

Der große noch ungelöste Knackpunkt zwischen SP und Grünen soll nach wie vor das Thema Wohnen sein. Während die Grünen dazu eine Frage haben wollen, soll sich die SP nach wie vor dagegen wehren. (Bettina Fernsebner-Kokert/Julia Herrnböck, DER STANDARD, 12.12.2012)

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