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Wenn Herr Ulram nur ein Meinungsforscher wäre, wären seine "Analyse" des KPÖ-Erfolgs und seine Verachtung dafür nicht weiter aufregend - er wäre sozusagen von seinen Beforschten infiziert und gibt deren Oberflächenmeinung wieder. Herr Ulram ist aber auch Privatdozent und Lehrender an der Universität Wien - und für einen solchen ziemt sich meines Erachtens ein solches unreflektiertes, ressentimentbehaftetes Elaborat ganz und gar nicht. Und erst recht inakzeptabel ist sein "launiges" PS über seinen auf den Teppich kotzenden Hund.
Ich bin zudem überrascht, dass dem Politologen zum KPÖ-Ergebnis in Graz nur die abstrafenden "Protestwähler" einfallen, die wegen "Hauptsache dagegen" Frau Kahr und die KPÖ gewählt hätten - ist doch weithin bekannt, dass das einzigartige KPÖ-Ergebnis in Graz seit Kalteneggers Zeiten auf eine höchst glaubwürdige sozialpolitische Grundhaltung zurückgeht: Immerhin zwei Drittel, Herr Dozent, ihres Brutto-Stadtratsbezugs gibt die böse Kommunistin in jenen Fonds, der Notleidenden unmittelbar und unbürokratisch Hilfe leistet.
Das alles nutzt Frau Kahr beim moralischen Oberhirten Ulram aber nichts: es ist offenbar nur hinterhältige Tarnung böser Kommunisten, die in Wirklichkeit nichts anderes im Sinn haben, als eine neostalinistische Diktatur über die grüne Mark zu ziehen. Schlimm für einen an Universitäten Lehrenden ist aber auch die selektive Auswahl und Wahrnehmung von Interviewaussagen Frau Kahrs ("Profil", 3.12.2012): Aus einer Bemerkung, keine ausländischen Modelle wie Kuba übernehmen zu wollen, konstruiert der Herr Dozent, dass Andersdenkende nun doch nicht mit Gefängnis bedroht würden und aus Kahrs Konzentration auf Kommunalpolitik wird fehlendes Geschichtsverständnis. So einfach ist das!
Was Ulram nicht wahrnimmt, sind Kahrs klare Distanzierungen von linientreuen Genossen, die das "was in den früheren realsozialistischen Ländern geschehen ist, zu unkritisch gesehe" und sich "zu spät von den Verbrechen distanziert haben". Was denn noch, Herr Moralkontrolleur Ulram? Warum lassen sie Ihr Tierchen nicht auf Kirchenleute kotzen, die sich nicht öffentlich von der Blutspur, die die Inquisition durch die Geschichte gezogen hat, distanzieren (Kahr: "Man wirft engagierten Christen ja auch nicht die Verbrechen der Kirche vor")? Oder auf jene SPÖ- und ÖVP-Politiker, die aus der SS oder ähnlichen Verbänden nahtlos in unsere "demokratischen" Parteien gewechselt haben?
Selbst die Aussage "Aber die beste Idee hilft nichts, wenn die Menschen sie nicht richtig ausführen", die ja immer wieder auch angesichts der Diskrepanz zwischen Evangelium und Kirchenführung, zwischen Parteiprogrammen und sozialdemokratischer Spitze usw. getroffen wird, wird bei Kahr zur "richtigen Ausführung" von Exekutionen in kommunistischen Terrorregimes umgedeutelt - ein starkes Stück verbogener Fantasie. Wer Frau Kahr hingegen in ihrem "ZiB 2"-Interview am Tag nach dem Grazer Wahlerfolg gesehen hat und ohne Ressentiments urteilen kann, hat gehört, dass sie sich dort ebenfalls von den Verbrechen des Sowjetkommunismus distanziert hat; aber noch mehr: Man hat hier eine sehr besonnene Politikerin und Demokratin gesehen. Etwa auch bei ihrer Antwort auf die Frage, ob sie sich bei rechnerischer Möglichkeit zur Bürgermeisterin wählen lassen würde: Das sei für eine Partei mit 20 Prozent demokratisch nicht legitim. Na, was sagt Ihr Vierbeiner dazu?
Bekanntlich hat sich hierzulande ein sich außerordentlich staatstragend fühlender ÖVPler schon einmal als Dritter zum Kanzler wählen lassen und damit gleichzeitig die extreme Rechte salon- und regierungsfähig gemacht. Da, lieber Herr Ulram, hätte doch Ihr intelligenter Köter kotzen sollen oder gar einen chronischen Brechreiz entwickeln können. Hat er? (Josef Christian Aigner, DER STANDARD, 12.12.2012)
Josef Christian Aigner, Erziehungswissenschafter und Psychoanalytiker, lehrt an der Universität Innsbruck.
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welche der (Grazer) KPÖ rät, sich endlich einen neuen Namen zu geben, wäre zu bemerken, dass solcher Etikettenschwindel das "Problem" nicht lösen könnte. Zudem stellt sich die Frage, ob sich politische Parteien über die Jahre nicht gesinnungsmäßig ändern können, denn auch die anderen Parteien haben sich in diesen Jahren schon recht deutlich von ihren angestammten bzw. namensgebenden Werten entfernt - wofür standen denn ursprünglich S, V oder F, und was ist daraus geworden?
Doch der Umstand, dass sich das K in Graz zu seinem Vorteil verändert hat, schürt halt allerlei Mißgunst.
Die gleiche Argumentation kann, und hat man auch zur FPÖ gemacht.
Aber die sind ja phöse und der Kommunismus lediglich wie der christliche Glaube zu Gut um von fehlerhaften Menschen verwirklicht zu werden.
Als ob Solschenizyn den Archipel Gulag nie geschrieben hätte.
Aussitzen und ignorieren funktioniert anscheinend wirklich.
Politik ist nun mal die Regelung der allgemeinen Angelegenheiten & und das Auftreten / die Aussagen dieser Dame in den Medien nach der Wahl waren wirklichen keine 08/15 - Statements sondern zeigten ein ersthaftes und differenziertes Bemühen um diese allgemeinen Angelegenheiten.
mir war's die Zeit nicht wert, den Artikel von Ulram zu lesen, umsomehr hab' ich jetzt ihren Kommentar dazu genossen. Ich bin 38-er Jg. (!) und hab' nicht Politikwissenschaften studiert - aber als engagierte Bürgerin hab' ich alle Achtung vor Menschen wie Frau Kahr, die fern von Wirtschafts - und Machtinteressen sich den Bedürfnissen der Menschen verpflichtet fühlen. Ich finde die Gesellschaft braucht mehr solcher Menschen, damit es wieder zu einer gemeinschaftlich kontrollierten Staatlichkeit kommen kann ....., damit wieder klarer wird, dass es außer öffentlich und privat noch etwas Drittes gibt!
und ein zeichen echter relevanz, wenn systemvertreter wie der ulram oder auch der christian rainer im profil die kpö runtermachen wollen. auf die schulter klopft man nur den gegner, der einem nicht gefählich werden kann.
sind alle! Alle, die den gutmeinenden Hirten mimen. Nicht nur die Trachtenkommunisten - auch Frau Kahr. Die Schafe wählen den Kommunismus schon lange. Raten sie mal, wieviel Sie für die Gemeinschaft arbeiten, wenn sie Arbeitnehmer sind: 60% ihrer Zeit ..berechnet als Diff. zwischen dem, was Sie dem Arbeitgeber wert sind u d Nettolohn, dann 20% Mwst bei Ausgaben.
Ein großer Teil der Differenz zwischen Arbeitskosten und Nettolohn sind Sozialversicherungsbeiträge. Außer für den seltenen Fall, daß Sie nie medizinische Hilfe in Anspuch nehmen, nie arbeitslos werden und vor Erreichung des Pensionsalters sterben, kann man das beim besten Willen nicht als Arbeiten für die Gemeinschaft bezeichnen.
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