Ein TV-Politiker, der mit der Armut Rumäniens spielt

Kopf des Tages

Dan Diaconescu, der "Silvio Berlusconi Rumäniens"

Meistens sitzt er nur da, plappert auf seine Gäste ein oder spielt provokant mit seinem Handy. Manchmal rasten die Leute, die in seine TV-Shows kommen, aus - vorzugsweise Wahrsager, Kriminelle, Politiker -, und es kommt zu Schlägereien. Oder Dan Diaconescu, der kleine Mann mit dem verstohlenen Grinsen und dem senfgelben Anzug, wird selbst in eine Mülltonne gesteckt, wie dies der Boxer Anatolie Ciumac einmal versuchte.

Der 45-Jährige hat am Sonntag mit seiner ganz bescheiden nach dem eigenen Namen benannten Partidul Poporului Dan Diaconescu (PPDD) 14 Prozent der rumänischen Wählerstimmern bekommen und stellt damit die drittstärkste Fraktion im Parlament. Inhaltlich betrachtet könnte das erste "P" der PPDD auch für "Populismus" stehen.

Der Besitzer der Sender OTV und DDTV (ebenfalls ganz bescheiden nach seinem Namen benannt) hat im Wahlkampf jedem Rumänen 20.000 Euro, Sozialwohnungen für 25 Euro im Monat und ein "Volksgericht" versprochen, das Politiker hinter Gitter bringen soll. Der Mann, der offen mit extrem rechtem Gedankengut kokettiert, ist gnadenlos, wenn es um das Überschreiten journalistischer, ethischer und rechtlicher Grenzen geht. 2010 wurde Diaconescu, dessen Vermögen auf 33 Millionen Euro geschätzt wird, kurzfristig verhaftet, weil er vom Bürgermeister von Zarand, Ion Mot, 200.000 Euro erpresst haben soll. Diaconescu soll Mot mit der Veröffentlichung von Korruptionsvorwürfen gedroht haben.

Der Medienrat ging mehrmals gegen Diaconescu vor. Doch der ehemalige Maschinenbaustudent und Zeitungsjournalist hat sich mittlerweile in die Politik "gerettet". Er ist nicht der erste Superreiche in Rumänien, der versucht, mit Wahlgeschenken die Unterprivilegiertesten zu verführen.

Im September legte er ein Angebot für die zur Privatisierung ausgeschriebene Chemiefabrik Oltchim - und gewann. Allerdings überwies er die vereinbarten 45 Millionen Euro nicht, sondern führte publikumswirksam die Regierung vor. Im Vertrag hätten Annexe gefehlt, behauptete er. Dann tauchte er mit Taschen voller Geld vor dem Wirtschaftsministerium auf und sagte, er wolle damit die Gehälter der Chemiearbeiter bezahlen, die monatelang darauf gewartet hatten. Passanten forderten ihn wütend auf, diesen Zirkus zu beenden.

Diaconescu hat privat Gefallen an seinem Fuhrpark, in dem zwei Rolls-Royce, ein Bentley, eine Yacht und ein Helikopter stehen. (Adelheid Wölfl /DER STANDARD, 12.12.2012)

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    foto: ap/ghirda
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