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Wien - Stürmisch, brutal und wild hat Christine Mielitz den Grundton ihrer Inszenierung von Giuseppe Verdis Otello an der Wiener Staatsoper angelegt; vom anfänglichen Donnergrollen bleibt ein wolkenbehangener Himmel als bedrohlicher Schatten in ungetrübten Glücksmomenten des zentralen Liebespaars erhalten.
Von der ersten Sekunde an ließ Dirigent Bertrand de Billy keinen Zweifel daran, dass er die dunkeln, destruktiven und derben Seiten der Partitur hervorkehren möchte. Ungezügelt und mit voller Wucht folgte ihm das Orchester, so dass hier zunächst einmal alle an einem Strang zogen, die Stringenz szenisch und musikalisch ebenso groß war.
Kein Unwetter ohne Erkältungsopfer: Als solches ansagen ließ sich Falk Struckmann (Jago), dem freilich kaum etwas davon anzumerken war - es sei denn, die schwankenden Koordinationsschwierigkeiten in seinem Trinklied wären auf sein Konto gegangen. Schon eher etwas eingeschränkt wirkte Johan Botha in der Titelpartie - freilich nur, wenn man ihn mit ihm selber verglich. Denn da war noch immer Strahlkraft und Energie im Übermaß.
Daneben hätte ein solider Hausdebütant wie Dimitrios Flemotomos (Cassio) wohl kaum Chancen, zu einem Rivalen zu wachsen, während der unauffällige Jinxu Xiahou erstmals als Rodrigo und die herb-innige Monika Bohinec erstmals als Emilia leidende Miene zum düsteren Spiel machten.
Denn hinsichtlich der Personenführung ist die Regiearbeit inzwischen weniger zwingend geworden - es sei denn, es taucht eine Persönlichkeit wie Soile Isokoski auf: Ihre Desdemona war nicht nur stimmlich, sondern auch szenisch überhöhtes und dabei eindringliches Sinnbild menschlichen Leidens. Die ätherischen Klänge, mit denen ihr das Orchester eine Aureole nach der anderen verpasste, waren nicht von dieser Welt. (Daniel Ender, DER STANDARD, 12.12.2012)
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