Oberösterreichs Schulen rechnen sich

11. Dezember 2012, 17:58
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Jeder sechste 14-Jährige erreicht die Bildungsstandards für Mathematik nicht. Wer gebildete Eltern mit hohem Sozialstatus und ohne Migrationshintergrund hat, hat gute Chancen, in der Schule erfolgreich zu sein - oder er/sie besucht eine Schule in Oberösterreich

Wien - High Noon in Österreichs Schulen: Schlag zwölf Uhr Mittag gingen am Dienstag die Berichte der ersten flächendeckenden Testung der Bildungsstandards für Mathematik in der achten Schulstufe an alle 1416 Schulen im Senkundarbereich I (AHS, Hauptschulen, Neue Mittelschulen). Damit kann nun Schule sehen, wie sie im Österreich-Vergleich abgeschnitten hat - und sich überlegen, wie sie darauf reagieren will.

Bei der von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) und den Direktoren des Bundesinstituts für Bildungsforschung (Bifie) präsentierten "Premiere" gab es einen "Sieger" (Oberösterreich), es wurden, so Schmied, aber "sehr klar auch Problemfelder sichtbar".

Wie steht es um die Mathematik-Kompetenzen der rund 80.000 Schüler, die im Mai getestet wurden? Jeder sechste (17 Prozent) schaffte das unterste Level der Mathe-Grundkompetenzen ("unter 1") nicht. Aber: Rund fünf Prozent übertrafen die Bildungsstandards und schafften die höchste Kompetenzstufe 3. Mehr als die Hälfte erfüllte die Standards (Kompetenzstufe 2), ein Viertel erreichte sie teilweise und kam auf Kompetenzstufe 1.

Aus den Ergebnissen lässt sich ein "enormer Zuwachs" gegenüber 2009 (Einführung der Bildungsstandards) ablesen, sagte Bifie-Direktor Günter Haider, der das auf bereits erfolgte Umstellung des Unterrichts zurückführt.

In den AHS erreichten 99 Prozent der Schüler die Standards zumindest teilweise oder sind besser, in Hauptschulen/NMS schaffen das drei Viertel - ein Viertel in diesen Schulen scheitert jedoch an der untersten Kompetenzstufe. Die deutlich besseren AHS-Ergebnisse führen die Studienautoren auf die "leistungsbezogene Trennung" mit zehn Jahren zurück. Bedeutsame geschlechtsspezifische Unterschiede gibt es kaum, wohl aber starke "beeinflussende Faktoren, die ausschlaggebend für das Übertreffen oder Nichterreichen der Bildungsstandards sind".

"Risiko Herkunft"

Von den Schülern, die die Standards nicht erreichen, haben 28 Prozent der Eltern maximal einen Pflichtschulabschluss, von jenen, die sie übertreffen, 52 Prozent eine universitäre Ausbildung. "So wird Bildung in erheblichem Ausmaß gewissermaßen ,vererbt'", sagte Schmied. Das Ministerium subsumierte die Studie denn auch unter dem Sukkus "Risiko Herkunft".

Sehr niedrige Mathe-Kompetenzen korrelieren mit niedrigem Sozialstatus und umgekehrt. Und es gibt zwar nur 18 Prozent Schüler mit Migrationshintergrund, aber in der Gruppe derer, die die Standards nicht erreichen, sind es 38 Prozent, während bei jenen, die sie übertreffen, nur fünf Prozent Migrationshintergrund haben. Alle drei Faktoren beeinflussen das Ergebnis, wirken mehrere zusammen, "verstärken sie das Ergebnis und führen so zu besseren oder zu schlechteren Resultaten".

Das erklärt zum Teil regionale Ergebnisse, etwa in Wien, wo mehr als die Hälfte der Hauptschüler nicht einmal die unterste Stufe schafft. Dieses " internationale Phänomen in Großstädten" zeigt sich auch bei Pisa-Studien.

Im Ländervergleich verzeichnet Oberösterreich die besten Ergebnisse - bei der absoluten Punktezahl (548; Ö-Schnitt: 535) und unter Berücksichtigung der Rahmenbedingungen an den Schulen. Das schlechteste Punkteresultat lieferte Wien (517, auch nur 31 weniger als OÖ), unter Berücksichtigung der Rahmenbedingungen schnitt Kärnten am schlechtesten ab. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, 12.12.2012)

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