"Mensdorff verstrickte sich in Widersprüche"

Interview | Katharina Mittelstaedt, 11. Dezember 2012, 17:38
  • Andrew Feinstein (48) ist ehemaliger Politiker und Autor aus 
Südafrika. Sein Buch "Waffenhandel: Das globale Geschäft mit dem Tod" 
erschien bei Hoffmann und Campe. Am 13. Dezember hält er im 
Renner-Institut in Wien einen Vortrag zum Thema "Internationaler 
Waffenhandel und Korruption".
    foto: privat

    Andrew Feinstein (48) ist ehemaliger Politiker und Autor aus Südafrika. Sein Buch "Waffenhandel: Das globale Geschäft mit dem Tod" erschien bei Hoffmann und Campe. Am 13. Dezember hält er im Renner-Institut in Wien einen Vortrag zum Thema "Internationaler Waffenhandel und Korruption".

Korruptionsexperte Andrew Feinstein über den Waffenlobbyisten, der ab morgen vor Gericht steht

STANDARD: In Ihrem Buch über Kriminalität im internationalen Waffenhandel fällt der Name Mensdorff-Pouilly 70-mal. Sie haben ihn 2010 getroffen und mit Vorwürfen konfrontiert. Wie hat er reagiert?

Feinstein: Er tat so, als gäbe es für alles, das ich aufwarf, einfache Erklärungen. Im Lauf unseres Gesprächs verstrickte er sich jedoch zunehmend in Widersprüche. Am eindrücklichsten war, als er über den Waffendeal in Polen sprach, der nicht für BAE, sondern einen amerikanischen Hersteller ausging. Er machte mir klar, dass die Amerikaner bestochen hatten, und sagte sinngemäß: Wäre ich in den Deal involviert gewesen, hätte BAE das Geschäft bekommen. Er meint damit, dass er effektiver geschmiert hätte.

STANDARD: Der österreichische Kampfjet-Kauf ging für die Eurofighter von EADS, eine Tochter von BAE, aus. Glauben Sie, hatte Mensdorff auch hier die Finger im Spiel?

Feinstein: Sicher ist das nicht. Wenn er im Eurofighter-Kauf involviert war, wäre das auf eine andere Weise abgelaufen als bei den Deals in Tschechien oder Ungarn - weil er hier enge persönliche Verbindungen zu Politikern hat. Er hätte nicht nur wegen seiner Frau, sondern auch aufgrund seines Standings ein leichteres Spiel gehabt. Kriminelle Handlungen sind schwer nachzuweisen, wenn die Vereinbarungen in informellen Kreisen getroffen werden.

STANDARD: Ihr Buch zeigt, dass Schmiergelder und Bestechung grundsätzlich Teil von Waffendeals sind. Warum scheint das Geschäft straffreier Raum zu sein?

Feinstein: Rüstungsdeals passieren in einem parallel-legalen Universum. Die Gesetze, die für die meisten Unternehmen gelten, gelten scheinbar nicht für Waffengeschäfte. Das hat mehrere Gründe: Erstens sind Personen, die in diesem Sektor arbeiten, meist Teil des Establishments und haben die besten Kontakte. Zweitens werden die Schlüsselentscheidungen von wenigen Eingeweihten getroffen - viel Geld kann auf wenige verteilt werden. Drittens lastet auf Staatsanwälten, die mit diesen Fällen betraut werden, ein enormer Druck. Ich weiß von vielen, deren Karrieren endeten, nachdem sie sich mit Waffengeschäften beschäftigt hatten. Darüber hinaus können Waffengeschäfte unter dem Vorwand, die nationale Sicherheit zu wahren, einfach im Verborgenen bleiben. Aus all diesen Gründen kann BAE im Grunde tun, was es will.

STANDARD: Würde Mensdorff verurteilt, wäre das aber doch indirekt auch ein Schuldspruch gegen BAE?

Feinstein: Absolut. Aber auch wenn er schuldig gesprochen wird, wird BAE nichts passieren. Im Fall einer Verurteilung Mensdorffs sollte die österreichische Staatsanwaltschaft den Fall gegen BAE aufnehmen.

STANDARD: Wovon die österreichische Staatsanwaltschaft angeblich nichts weiß, ist die Liechtensteiner "Kate-Stiftung" - Kate steht vermutlich für Katharina Esterházy, Mensdorffs Cousine. Sie schreiben der Stiftung eine Schlüsselrolle zu.

Feinstein: Es ist wirklich eigenartig, jemanden der Geldwäsche zu bezichtigen und dabei nichts von einem seiner wichtigsten Finanzinstrumente zu wissen. Denn ich bin überzeugt, dass "Kate" entscheidend in Mensdorffs finanzieller Architektur war. BAE konstruierte eines der besten Geldwäschesysteme der Welt. Und Liechtenstein war wohl der beste Ort in Europa, um indirekte Zahlungen zu tätigen - es hat das geheimste Bankensystem der Welt. Ich glaube, dass "Kate" von Mensdorff und seinem Mentor Tim Landon für ihre persönlichen Einkünfte aus den korrupten Aktivitäten benutzt wurde. (Katharina Mittelstaedt, DER STANDARD, 12.12.2012)

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A biß mehr Respekt vor dem Hochadel

wär angesagt. Nicht nur von einem Möchtegernautor, sondern vorallem auch von den österreichischen Gerichten. Hier hat man´s mit Grafen zu tun und nicht mit dem Pöbel.

Also dass Liechtenstein das "geheimste Bankensystem der Welt" hat dürfte nur bis etwa 2004 Geltung haben - Legenden halten sich halt gerne lange. Einfach mal auf "en.wikipedia.org/wiki/FATF_Blacklist" schauen, wer heute die "bösen Buben" sind - vor allem Asien und Afrika.

Stand heute ist das Bankgeheimnis in Liechtenstein von demjenigen in Österreich de facto nicht zu unterscheiden.

gegolten haben

Was kann man von dieser Branche anderes erwarten?

Von einer Branche die vom töten anderer Menschen lebt kann man nicht erwarten, dass in Bezug auf Korruption andere Masstäbe anlegt.

parallellegales Universum ?

In diesen Welten schwebt Graf Ali und auch Karl Heinz Schreiber.

Warum haben die Deutschen ihren Karl Heinzi eingesperrt und schwarze Politiker und deren Beamte verurteilt, während die Wolf-Gang, die Masterbande und die Scheuchs noch immer auf Unwissenheit, Dummheit und Unschuld pochen?

Wir wollen von diese korrupten Universen in Kärnten, Wien, in Regierungen, Banken und bei Waffendeals nicht mehr betrogen werden.

Diese kleine Parallelwelt nimmt der restlichen Gesellschaft nicht nur die Butter vom Brot. Sie bewirkt bei breiten Bevölkerungsschichten Frustration, Wut, Elend und Perspektivenlosigkeit.

Korruption nimmt einer Gesellschaft die Zukunft.

nach den heutigen nachrichten auf ö1 bin ich mir nicht so sicher, wie der prozess ausgehen wird: keine zeugen, keine "bestochenen", fraglich ob res iudicata (zumindest teilweise)...

Ah, a Buchbesprechung!

Gibts gar keinen ticker zum Graf?

dauert noch a bissl..Prozess beginnt ja erst nach dem Strasser-Prozess

Wenn der einen Tag rechtskräftig im Gefängnis verbringen muss

flitz ich nackt den Ring entlang!!

Sollte man wirklich mal so einen verurteilen "müssen",

dann wisst ihr dann, wieso man die Fussfessel eingeführt hat.

und sie gleich mit ein paar vergewaltigern...

sozusagen "salonfähig" (falsches wort, ich weiss) gemacht hat...
so nach dem motto: "wenn das beim vergewaltiger passt, wirds doch bei den braven leistungsträgern nicht verkehrt sein bzw. wird sich niemand darüber aufregen"

was für ein degradierendes Geschäft

dieser sich einer vergangenen Gesellschaftsschicht zuordnende ältere Mann da betreibt. Schwierig nachzuvollziehen, wie man sein Leben damit verbringen kann, Waffen zu verkaufen und anscheinend Schmiererei als fixes Prozesselement zu haben. Eine sonderbare Charakterform.

Auch Der wird nicht ernsthaft verurteilt werden .... maximal ein bisl bedingt wenn überhaupt.

Graf Ali ist der wahre K.Experte

Alle anderen sind höchstens Lehrlinge!

Wie kann man nur...

...diesen ehrwürdigen Graf so beschuldigen, Pfui

eingserrt kerter der pücha....

schon spannend, sieht ma ja selten, die machenschaften der oberen 10%...
where's the difference?
ich werf die million raus wie du einen hunderter
na und?
mir tut das werfen der million nix...

0,1%

schade, dass feinstein

jetzt wohl nicht mehr für den zeugenstand in frage kommt..

...wie schon geschrieben: staatsanwälte sind

weisubgsgebunden bzw. vorauseilender gehorsam und die rutsche ist schon von spö und övp gelegt...
graf ali feiert weihnacht auf seinem schloss, enteignung niemals... und in 10 jahren gibt´s wieder das goldene ehrenzeichen vom staate bananien...

tickert der standard eh live?

seit gestern und dank ernst strasser wissen wir ja, dass blau-schwarz das beste war, was österreich passiert ist.

Und wenn es auch ...

der Bartenstein sagt, der sowieso Experte in Rabattsachen (aka "Schmierungen") sein dürfte, dann trifft das 100% zu. Da lege ich meine Hand ins Feuer ...

und für die vergesslichen unter uns gabs gestern ja ein interview mit hr. dr. bartenstein im standard, welcher auf die unerreichten vorzüge von schwarz-blau hinwies.

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