Rettungsring für Therme Bad Gastein

Verena Kainrath, 11. Dezember 2012, 21:03
  • Die Auswahl an warmen Quellen ist üppig, die Aufenthaltsdauer darin sinkt. 
Dennoch wird weiter kräftig in den Ausbau investiert.
    foto: apa

    Die Auswahl an warmen Quellen ist üppig, die Aufenthaltsdauer darin sinkt. Dennoch wird weiter kräftig in den Ausbau investiert.

Die Pleite des maroden Felsenbades wird abgewendet. Schulden sollen nachgelassen werden, die Gemeinde springt ein

Marktforscher warnen Thermenbetreiber vor solchem kommunalen Engagement und raten dazu, weniger auf Familien mit Kindern zu setzen.

Wien - Das Wasser steht den Betreibern der Felsentherme bis zum Hals. Nun naht Rettung. Der Konkurs der Bad Gasteiner Kurgesellschaft wird voraussichtlich diese Woche abgewendet. Der hochverschuldete Betrieb soll nahezu zur Gänze in Hand der Salzburger Gemeinde kommen. Die Banken wollen offene Forderungen teils nachlassen, sagt Hannes Stöckl auf Anfrage des Standard, das Land leiste einen Sanierungsbeitrag.

Der Wirtschaftsprüfer leitet interimistisch die Geschäfte der Gesellschaft und sieht grünes Licht aller Beteiligten für einen Fortbestand der Therme. Die endgültige Entscheidung darüber falle in den nächsten paar Tagen. "Wir bekommen die Probleme in den Griff."

Geplant ist, dass die Erste Group Immorent, die Hypo und das Land Salzburg wie alle atypischen stillen Gesellschafter aussteigen. Ihre Anteile übernimmt die Gemeinde, fünf Prozent behält der Kurfonds.

Die Therme sitzt auf fast sieben Millionen Euro an Schulden, heuer zeichnen sich durch Abschreibungen operative Verluste von bis zu 400.000 Euro ab, bei positivem Cashflow, wie Stöckl versichert.

Finanzielle Altlasten durch teure Renovierungen und Schadenersatzzahlungen an einen Immobilien-Investor brachten die Bad Gasteiner ebenso in die Bredouille wie Gästeschwund. Die Therme lebt von Touristen, die im Sommer rar sind. Konkurrenz aus Kaprun und Altenmarkt trocknet den Besucherstrom zusätzlich aus.

Ein neuer Geschäftsführer soll das Felsenbad sanieren. Bewerber sind nach wie vor willkommen.

"Beruhigungspillen"

Andreas Kreutzer analysiert Österreichs Thermenlandschaft seit zehn Jahren. Von Gemeindehaftungen und kommunaler Führung hält der Marktforscher äußerst wenig. "Das sind Beruhigungspillen, die nichts verbessern." In der Regel strauchelten jene Betriebe, die stark mit Gemeinden und Ländern verquickt seien. "Es braucht mehr strategische Investoren."

"Da muss sich erst einmal einer finden. Private Interessenten lassen sich an einer Hand abzählen", hält Franz Rauchenberger entgegen, " meist bleibt dafür nur die öffentliche Hand übrig." Der Chef der Tourismusorganisation Thermenland vermarktet sechs steirische Bäder, darunter Loipersdorf, Radkersburg und Blumau. Letzteres verbuchte 2011 bei knapp acht Millionen Euro Verbindlichkeiten 714.000 Euro an Bilanzverlust.

Loipersdorf kam zuletzt auf 24 Millionen Euro Schulden bei ei- nem Minus von 415.000 Euro. Ro- te Zahlen sprudeln freilich viele warme Quellen quer durch Österreich. Rauchenberger verweist auf laufende hohe Investitionen. Allein die Revitalisierung der Parktherme in Radkersburg habe heuer rund zwölf Millionen Euro erfordert, Förderungen des Landes miteingerechnet. Man dürfe Thermen nicht als isolierte Projekte sehen, sondern als Investition in die Infrastruktur, "viele sind Trägerraketen für den Tourismus".

Kreutzer sieht die Gästezahl jedoch in keiner Relation zu neu geschaffenen Kapazitäten. Die Auslastung sei nicht planbar und liege im Schnitt bei 70 Prozent, was zu wenig sei. "Es gibt unglaublichen Verdrängungswettbewerb."

Insgesamt nehme die Zahl der Eintritte zwar jährlich um zwei Prozent zu (heuer waren es in 36 Thermen 8,4 Millionen), doch die Besuche an sich werden kürzer.

Neun von zehn Betrieben seien auf Familienerlebnisse ausgerichtet, "und hier beginnt das Dilemma", sagt der Chef von Kreutzer Fischer & Partner. Wer Wellness suche, finde sie in öffentlichen Thermen nicht mehr - und weiche daher in Sterneresorts aus. Anstatt zu großen teuren Hallenbädern zu werden, müssten die Betriebe aus seiner Sicht stärker spezielle Zielgruppen ansprechen - und auf die Kinderschar verzichten.

In Fohnsdorf sorgte die Therme Aqualux für ein Finanzdebakel, der Rechnungshof bezeichnete im Vorjahr die Bauentscheidung als falsch. SP-Bürgermeister Johann Straner wälzt mittlerweile wieder Ausbaupläne: Bis zu 900.000 Euro sollen investiert werden, er hoffe auf eine Landesförderung von 30 Prozent, bestätigt er. Was die hohen Schulden betrifft, müsse man der Kommunalkredit bis 2016 nur die Zinsen bezahlen. Der Ausbau bringe mehr Besucher, und "damit schaffen wir bessere Ergebnisse". (Verena Kainrath, DER STANDARD, 12.12.2012)

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ich bin so froh, dass der spritzige spaß in der solegrotte gesichert ist.

felsentherme bad gastein - geilster spaß seit es thermen gibt.

Die Therme lebt von den Kunden

die im Sommer rar sind.

Die im Winter, vertreiben die letzten Gäste. So schaut es aus. Nicht in erster Linie die Familien mit Kindern sind das Problem, sondern diejenigen, die von zu Hause eine gänzlich andere Kultur mitbringen, die sie auch im Urlaub wie gewohnt weiterführen.

Das bisherige Management stand diesem Umstand nur völlig hilflos gegenüber.

Dazu kommen Dinge, die in einem Ort, der in der glücklichen Lage ist, Wasser nicht aufheizen zu müssen, einfach nicht stattfinden sollten. Es ist ein Glücksspiel, diese Therme einmal mit WARMEN Wasser anzutreffen!

Wo die Aufsichtsräte waren, die den finanziellen Zustand übersahen, wird wohl auch noch zu klären sein. Naja, immerhin zwei vom Land Salzburg! Von der Finanzabteilung.

jetzt hörens doch auf unsere schöne therme so schlecht zu machen.
nur weil mal die ein oder andere mille untergeht, heißt das nicht, dass unsere cash-cow nicht funktioniert. diese schlechtrederei ist einfach nur negativ und pessimistisch. das übel sind nicht die familien oder schweden (die vielleicht ein mal den ein oder anderen vodka, oder ein bierfass in die sauna mitnehmen), nein, es sind solche miesepeter wie sie, die sich aufregen, wenn man kein handtuch hat.
man kann bestimmt viel schlechtes über unsere therme sagen, aber sicher nichts gegen das management, das war einfach super und ich hoffe im namen der felsenthermenfans, dass es weiterhin so gut funktionieren wird.

dort beschäftigt?

Die Einzigen, die diese Einrichtung noch genießen, sind die Angestellten!

Für die gibt es dort wahre Wellness.

Probe bestanden!

Naja, vielleicht findet sich doch ein eloquenter Geschäftsführer, der in der Lage ist, diesen Selbstverwaltungsladen auf Vordermann zu bringen und den Angestellten, die doch etwas eigenartige Arbeitsauffassung zurecht rückt.

einheimisch?

die einzigen, die dort regelmäßig hingehen, sind die einheimischen und die regen sich dann auf..

man soll wohl nicht auf der Vorschau antworten, da kommt ja alles durcheinander

es gibt schlicht ein überangebot an thermen

aber anstatt die marktbereinigung zuzulassen, was den dann verbleibenden thermen helfen würde, wird der status quo aufrecht erhalten, damit es allen schlecht geht. tolles konzept ;-)

Begonnen hat es..

... mit dem Wahnsinnsprojekt des Architekten Garstenauer, das einige gartenzwergige Kommunalpolitiker wahrscheinlich als genial und suprig empfanden. Jedenfalls ist es ihm gelungen, die einzigartige Lage des "Hauptplatzes" so zu "privatisieren" dass jetzt alle von der Pleite profitieren können. So wie das "New Economy" überall gnadenlos vorexerziert. Garstenauer war aber seiner Zeit weit voraus.
Bad Gastein ist weltweit dafür bekannt, wie man einen eigentlich unsterblichen Ort nachhaltig und profund mittels kleingeistiger Großmannssucht vernichten kann.

Also ich würde als Tourismusmanager die Autos aus dem Ortsgebiet verbannen und die Gegend Badgastein und Hofgastein zu einem Pferde-Ort ausbauen: angebotener Reitsport, Kutschenfahrten, Schlittenfahrten, Winter und Sommer. Lama- und Pony-wanderungen, Tracking. Denn zusätzlich zur Therme ist die Gegend wunderschön zum endlos-Wandern und hätte den Platz dazu. Nebenbei lebten diese Orte früher vor allem auch von den Kurgästen auf Krankenschein, diese Kuren werden heute nicht mehr bewilligt. Und deutsche Gäste bleiben ebenfalls aus. Und ich nehme an, in neue Anlagen wurde nicht mehr investiert, die Hotels sind alle veraltet.

Aber wenn man einfach keine neuen Ideen hat und alle Hotels DASSELBE machen und anbieten...

Wer fährt wegen eines Pferdespektakels dorthin ?

.
Fast so ein Schwachsinn wie die Verlängerung der Stubnerkogelpiste bis zum Kongresshaus !

die wenigsten Thermen/Bäder bilanzieren ausgeglichen und noch immer werden neue (mit Steuergeldbeteiligung) errichtet - z.B. Bad Aussee
Hier zahlt zwar ein privater Investor den Großteil; sollte jedoch die Therme nicht wirtschaftlich zu führen sein, schenkt er sie dem Steuerzahler (Aussage Investor!!)

Bad Aussee - eine Therme ?

Die Thermen lebten einerseits von (deutschen) Kurgästen als auch von Kurgästen auf Krankenschein und das gibt es alles nicht mehr. Und da alle die es konnten auf Wellness und Luxus (Spa) umgesattelt haben... die paar Reiche und Promis kommen dann auch nicht überall hin! Vor allem nicht in einen Ort, der sonst nichts für sie (an High Life) zu bieten hat.

Man denke nur an Kitzbühel, zuerst kamen einige Promis zum Skifahren, dann die ganzen Pseudopromis. Kitzbühel lebt davon, obwohl es außer Skifahren auch nichts hat. Bis eben die Promis was Neues finden und weiterziehen. Nur mal "In" gewesen zu sein, reicht nicht auf Dauer.

Der Anteil des Tourismus im Wirtschaftsleben mag wohl deutlich zurückgegangen sein

Die Zweitwohnsitze haben übernommen. Die meisten Restaurants etc leben mehr von den Zweitwohnsitzlern als von den Touristen. Weiters löste die Errichtung der Zweitwohnsitze einen Boom in den Handwerksberufen aus. Ein Münchner oder Wiener Geschaftsmann kann Dank der modernen Kommunikation die Firma zum Grossteil auch vom Zweitwohnsitz aus leiten wenn er es geschafft hat die Verantwortung zu deligieren.
Es gibt sogar welche die haben ihre Familie in Kitzbühel oder der Umgebung und pendeln wöchentlich für ein paar Tage nach London.

nach der bankenrettung jetzt die thermenrettung?

da muß ja eigentlich eine menge kohle vorhanden sein, wenn man sich das traut.

Null Strategie!

Leider haben es die Gasteiner nicht verstanden sich mit ihren Kernkompetenzen Therapie und Gesundheitserhaltung am Markt zu positionieren und haben geglaubt sie müssten wie alle anderen großen Wellnessresorts auf "essen, trinken, plantschen" setzen. Begonnen hat das Fiasko unter dem damaligen Geschäftsführer Stefan B. welcher 2012 durch den Skandal am Salzburger Landestheater so richtig bekannt wurde und auch einer der Günstlinge des hoch kompetenten David Brenner war. "Grüß Gott Salzburg" - wie es Ludwig Hirsch einst so richtig formulierte!

Und warum sollte sich dasn bei einem neuen "Wunderwuzzi"-Geschäftsführer ändern ?

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Am 8. Jänner 2013 wissen wir mehr.

12.12.2012, 08:08
Wohin man schaut...nur provinzielle ( föderale) Inkompetenz.

Thermenrun

Anscheinend startet irgendwo im Überlegungsprozess eine Blendrakete, vermutlich bei den Gewinnkalkulationen auf dem Papier. Man muß sich doch fragen, wie man Wellness und Entspannung verkaufen will, wenn man gleichzeit am liebsten überfüllte Lokalitäten hat. Oder man domestiziert des Publikum, anscheinend nur mit Teilerfolg: manche Massen strömen in die Thermenlandschaften und spulen gestresst ein Schwimm- und Saunaprogramm ab und verlassen die Lokalität vermutlich gestresster als sie gekommen sind. Unter dem Strich wird der Stempel 'entspannend', mehr aus Konditionierung, aufgetragen. Der Effekt warmen Wassers ist halt eher begrenzt.

Bad Gastein hat mehr als warmes Wasser, das aus der Erde kommt !

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Stehen und fallen wird das Tal mit seinem USP und der professionellen Vermarktung.

Heute kann jedes Wellnes-Hotel seinen Pool aufheizen und dasselbe anbieten wie eine Therme (außer wenn jemand wirklich krank ist). Das ist für einen Wirtschaftserfolg einfach zuwenig.

Schuldenerlass

Ab sofort kann jeder, der seine Rechnungen pünktlich bezahlt und keine Schulden macht, die er nicht zurückzahlen kann, auf allen Finanzämtern Österreichs gratis einen grauen, kegelförmigen Filzhut mit zwei grossen Eselsohren beantragen, auf dem vorne, über der Stirn, in grossen Lettern das Wort "TROTTL" eingestickt ist. Sehr zu empfehlen, besonders jetzt zur kalten Jahreszeit! ;)

Warum soll immer die Allgemeinheit zahlen, wenn private miese machen? Etwa weil diese so gut Vernetzt sind, und irgendwelche Kommunalpolitiker mit in den Geschäften hängen, die damit indirekt auch aufgefangen werden?

Schulden gibt es doch schon genug, also ab in Konkurs, und die Schulden und Probleme sollen die klären, die es zu Verantworten haben. Österreich ist kein verdammter Selbstbedienungsladen, und noch weniger eine Rettungsgesellschaft für Großprojekte - an denen die Allgemeinheit zahlt, aber außer Kosten nichts davon hat.

Oder anders herum, da die Allgemeinheit dafür zahlt, hat diese Allgemeinheit ein Anrecht darauf, alles gratis zu benutzen ...

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