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Mit dem Rücken zum Publikum. Rückkehrer in ein Haus, das nahe Algier während der Unruhen Ende der 1990er-Jahre von Terroristen besetzt war. Still aus "Untitled"
Innsbruck - Wie Relikte einer fiktiven Gesellschaft, provisorische Kojen oder Teile eines Bühnenbilds kommt die aktuelle Ausstellung Documents are Flat 4 im Kunstraum Innsbruck daher, hat doch der erfolgreiche, junge Künstler Neïl Beloufa (geboren 1985 in Paris) vorübergehend hier sein Zelt aufgeschlagen und den Kunstraum in eine Landschaft aus weiß übertünchten Objekten aus Sperrholzplatten verwandelt.
Im Raum verteilte Kritzeleien, Aufkleber und Fotografien ergänzen die jeweils zentral positionierten Videoprojektionen. Diese verhandeln gesellschaftliche Verhaltensregeln afrikanischer, amerikanischer und europäischer Gesellschaftsgruppen.
Eindringlich hier das Hauptvideo Untitled (2010). Untitled erzählt von einem Landhaus bei Algier. Dieses wurde während der polit ischen Unruhen in den 1990er-Jahren von seinen wohlhabenden Besitzern verlassen und von Terroristen eingenommen.
Drei Jahre haben sie darin gelebt, ohne Spuren zu hinterlassen. Mit dem Rücken zum Publikum sprechen der zurückgekehrte Besitzer, der Gärtner, die Putzfrau und einige Nachbarn über diese terroristische Gruppe.
Ein beklemmendes Szenario, das imaginär im Raum zu schweben scheint - ganz so wie die Filmkulisse. Denn diese besteht nur aus großformatigen Inkjet-Prints, die als Tapeten ein lebensgroßes Modell des Hauses überziehen und es so wiedergeben. An dieser territorialen Schnittstelle von Fake und Realität bewegen sich die Schauspieler und Schauspielerinnen ebenso fiktiv wie gefangen.
Vom Kunstraum befreit hat sich indes sein Kurator Veit Loers. Nach überzeugenden Ausstellungen wie Starke Emergenz oder Einzelpräsentationen von Danh Vo, Thomas Zipp oder Gregor Schneider ist dies leider nun seine letzte - in diesem Haus. (Tereza Kotyk, DER STANDARD, 12.12.2012)
Neïl Beloufa, "Documents are Flat 4", Kunstraum Innsbruck, 13. November 2012 bis 22. November 2012
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