Berlusconi-Prozess: Zeugin Ruby ist verschwunden

Polizei wurde beauftragt, sie in ganz Italien zu suchen

Rom - Ruby, die junge Marokkanerin, um die ein Prozess gegen Italiens Ex-Premier Silvio Berlusconi kreist, ist spurlos verschwunden. Die 19-Jährige erschien am Montag nicht wie erwartet vor dem Mailänder Gericht, vor dem sie als Zeugin der Verteidigung hätte aussagen sollen. Daraufhin beschloss Gerichtspräsidentin Giulia Turri eine weitere Vorladung für den kommenden Montag (17. Dezember) und beauftragte die Polizei, sie in ganz Italien zu suchen.

"Ihr Handy ist abgeschaltet, sie hat mir per SMS mitgeteilt, dass sie im Ausland ist. Ich weiß nicht, wann sie zurückkehrt", sagte Rubys Rechtsanwältin Paola Boccardi. Einige Zeitungen berichteten Ruby halte sich derzeit in Mexiko auf, andere behaupten, sie sei in Frankreich mit ihrem Lebensgefährten Luca Risso, mit dem sie eine Tochter hat.

Staatsanwältin ortet Strategie Berlusconis

Die Mailänder Staatsanwältin Ilda Boccassini hatte am Montag wegen Rubys Abwesenheit die Rechtsanwälte Berlusconis scharf attackiert: "Das ist eine Strategie, um den Prozess hinauszuziehen, damit Berlusconi bis zur Wahlkampagne kommen kann", sagte Boccassini. Berlusconi soll laut den Staatsanwälten sexuelle Kontakte zu Ruby gehabt haben, als diese noch minderjährig war.

Laut politischen Beobachtern hofft Berlusconi, dass das Urteil im Ruby-Prozess erst nach den Parlamentswahlen gefällt wird, bei denen er zum sechsten Mal kandidieren will. Eine Verurteilung vor den Wahlen würde dem ohnehin schon angekratzten Ansehen des Medienzaren stark schaden, heißt es.

Haftstrafe bis zu 15 Jahren droht

Der Prozess gegen Berlusconi läuft seit April 2011. Zu einem Urteil soll es im Jänner kommen, wie aus Mailänder Ermittlerkreisen verlautete. Der Ex-Regierungschef bestreitet eine sexuelle Beziehung zu Ruby. Im Falle einer Verurteilung droht dem Mailänder TV-Unternehmer eine Haftstrafe von bis zu 15 Jahren. Berlusconi war Ende Oktober wegen Steuerbetrugs in erster Instanz bereits zu einer vierjährigen Haftstrafe verurteilt worden. (APA, 11.12.2012)

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