Wärmekrise vor 125.000 Jahren: Was den Korallen noch bevorstehen könnte

Während einer Warmzeit inmitten der Eiszeit zeigten zahlreiche Korallenarten einen massiven Rückgang in Äquatornähe

Dass der globale Klimawandel für viele Korallenarten massiven Stress und damit eine große Bedrohung bedeutet, gilt inzwischen als belegt. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, was den Korallen insbesondere rund um den Äquator noch bevorstehen könnte: Ein internationales Forscherteam fand in Versteinerungen Hinweise darauf, dass die Korallen während einer Warmphase vor rund 125.000 Jahren einen großen Verlust der Artenvielfalt in den äquatorialen Meeren erlitten hatten

Riffkorallen leiden unter dem aktuellen Klimawandel. Der zunehmende Wärmestress führt zu vermindertem Wachstum und Korallenbleiche, dem Verlust von symbiontisch lebenden Algen im Korallengewebe. Schon jetzt ist ein Abwandern von Korallen in höhere Breiten zu beobachten, aber die Korallenriffe in Äquatornähe halten sich noch gut.

Abwanderung nach Norden und Süden

Eine massive globale Erwärmung inmitten der Eiszeit führte zu Durchschnittstemperaturen, die etwa 1 Grad Celsius über den heutigen lagen: "Schon diese Erwärmung führte zu einer massiven Verschiebung der Korallenverbreitung im Vergleich zu heute", führt Wolfgang Kießling, der am Museum für Naturkunde und an der Universität Erlangen-Nürnberg forscht, aus. Resultat war eine Erhöhung der Korallendiversität in den Subtropen der Nordhalbkugel und ein massiver Rückgang in Äquatornähe.

Die damalige Warmzeit hatte natürliche Ursachen, hervorgerufen durch Schwankungen in der Umlaufbahn der Erde um die Sonne und eine erhöhte Einstrahlung, besonders auf der Nordhalbkugel. "Allein die Temperaturveränderungen kommen als Ursache für die Korallenkrise in Betracht. Andere Faktoren, die heute noch zusätzlich die Korallen stressen, scheiden als Ursache aus", so Kießling. Heute sind Riffkorallen zusätzlich mit regionalen Eingriffen und Ozeanversauerung konfrontiert. Die Schlussfolgerungen des deutsch-australischen Forscherteams: Die Verluste können noch wesentlich größer ausfallen. Nicht nur in Äquatornähe, sondern überall. (red, derStandard.at, 16.12.2012)

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