Österreich-Türkischer Nikolo-Abend

11. Dezember 2012, 16:00
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Der Verein ÖTZ will mit Vorurteilen aufräumen und Österreich und die Türkei zusammenbringen. Letzte Woche gab es ein interkulturelles Nikolausfest

Wer sich fragt, wofür die Abkürzung ÖTZ steht - mit unserem Ötzi aus der Gletscherspalte hat der gemeinnützige Verein nichts zu tun. "Wir sind nicht die Ötzis", scherzt Präsident Lothar Fischmann. ÖTZ steht für österreichisch-türkische Zusammenarbeit und wurde vor zwei Jahren als Privatinitiative gegründet. Für Fischmann, der seit mehr als 30 Jahren bei der Stadt Wien im Bereich Politikberatung und Kommunikation arbeitet, ist die Vereinsarbeit ein spannendes Hobby.

Länder und Menschen zusammenbringen

Auf die Idee eine "Plattform der Begegnung" zwischen Österreich und Türkei zu gründen, kam er während einer Reise in die türkische Hauptstadt. "Ich war überrascht wie modern und säkular Ankara ist. Die Türkei ist ein Land, das für viele von uns noch hinter einem Schleier voller Vorurteile verborgen ist", meint Fischmann. Der Verein soll Brücken zwischen den zwei Ländern bauen, "die lange Zeit eine gemeinsame Geschichte hatten, auch wenn sich heute keiner mehr daran erinnern will", so der ÖTZ-Präsident.

Für Vize-Präsidentin Aynur Kuytu, die in Deutschland aufgewachsen ist und als Consulting-Expertin sowohl in Ankara als auch in Wien tätig ist, steht fest, dass beide Kulturen einander zu wenig kennen. "Ich habe schon viele österreichische und türkische Unternehmen zusammengebracht, im wirtschaftlichen Bereich funktioniert die Zusammenarbeit bereits sehr gut", berichtet Kuytu.

Auch karitative Aktionen

Das ÖTZ ist vor allem ein wirtschaftliches Netzwerk, aber dem Verein geht es nicht nur um den Aufbau und die Vermittlung von wirtschaftlichen Kontakten, sondern auch um soziale Projekte. So hat das ÖTZ wie schon im Vorjahr auch heuer ein Nikolaus-Benefizfest im Wiener Kindermuseum ZOOM veranstaltet. Als prominente Überraschungsgäste waren die SOKO Donau-Schauspieler Lilian Klebow und Gregor Seberg anwesend, deren extra für die Benefizaktion gestalteten Bilder vom Leiter des Interkulttheaters, dem "Wiener Derwisch" Aret Güzel Aleksanyan, publikumswirksam versteigert wurden.

Der Erlös der Versteigerung wird sowohl österreichischen als auch türkischen Vereinen und Projekten, die sich dem Kampf gegen Gewalt an Frauen und Kindern widmen, zugute kommen. Letztes Jahr gingen die Einnahmen der Nikolo-Benefizveranstaltung an eine Schule in der vom Erdbeben zerstörten Stadt Van im Osten der Türkei. Das Thema familiäre Gewalt ist für Fischmann besonders wichtig, "auch wenn manche nicht wollen, dass wir darüber reden", so der ÖTZ-Präsident. "Wenn wir die Beziehungen zwischen beiden Ländern verbessern wollen, müssen wir auch gesellschaftliche Themen ansprechen", sagt Fischmann.

Kein Naheverhältnis zur Politik

Das heiße Eisen Integration und EU-Beitritt hingegen steht noch nicht auf der Prioritätenliste des Vereins. "Wir wollen uns nicht davor drücken, aber es sind nicht ganz unumstrittene Themen, die medial und politisch viel diskutiert werden." Auch zur Politik will das ÖTZ Distanz üben. Der Verein hat keine parteipolitische Agenda und steht nicht in Verbindung zu politischen Parteien oder Gruppierungen. Dieser Ansatz ist erfrischend, sind doch viele Migrantenvereine in der einen oder anderen Weise mit bestimmen politischen Gruppierungen, sowohl in Österreich als auch in der Türkei, verbunden.

Viele Vereine in Österreich sind nur auf dem Papier interkulturell. Nicht so beim ÖTZ. Hier sind die Vereinsgründer und Mitglieder sowohl österreichischer als auch türkischer Herkunft. Interkulturell ging es daher beim Nikolo-Benefiz-Abend zu. Der türkische Musiker Alp Bora wartete mit türkischen und griechischen Volksliedern auf, der bosnische Rockmusiker 'Daddo' Oreskovich gab mit seiner Duett-Partnerin Cornelia Frisch beliebte Rock- und Weihnachtsklassiker zum Besten. Für das leibliche Wohl sorgte ein österreichisch-türkisches Buffet mit Weihnachtskeksen, türkischem Börek und weiteren Schmankerln aus beiden Ländern.

Nikolo als Vorbild

Warum man sich gerade den 6. Dezember für den Benefiz-Abend ausgesucht hat? "Wir wissen, dass es gewagt ist, zu fragen, ob der heilige Nikolo ein Türke war, aber er ist auf dem Gebiet der heutigen Türkei tätig gewesen. Wir sehen ihn als Botschafter und Vorbild für einen Menschen, der ohne Vorurteile und ohne Profit im Hintergedanken den Schwächsten geholfen hat", sagt Fischmann. (Güler Alkan 11.12.2012, daStandard.at)

  • Auch Maria Rösslhumer, Leiterin der Frauenhelpline gegen Männergewalt, ÖTZ-Vizepräsidentin Aynur Kuytu, und Merita Yildiz aus dem türkischen Provinzparlament aus Ankara, waren am Nikolo-Abend dabei. (v.l.n.r.)
    foto: sven posch/ötz

    Auch Maria Rösslhumer, Leiterin der Frauenhelpline gegen Männergewalt, ÖTZ-Vizepräsidentin Aynur Kuytu, und Merita Yildiz aus dem türkischen Provinzparlament aus Ankara, waren am Nikolo-Abend dabei. (v.l.n.r.)

  • Auf der Benefiz-Veranstaltung wurden Kunstwerke, u.a. auch von den zwei beliebten SOKO Donau-Stars Lilian Klebow und Georg Seberg, für einen guten Zweck, dem Kampf gegen Gewalt an Frauen und Kindern, versteigert.
    foto: sven posch/ötz

    Auf der Benefiz-Veranstaltung wurden Kunstwerke, u.a. auch von den zwei beliebten SOKO Donau-Stars Lilian Klebow und Georg Seberg, für einen guten Zweck, dem Kampf gegen Gewalt an Frauen und Kindern, versteigert.

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