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Vor vier Jahren drohte AIG die gesamte Weltwirtschaft in den Abgrund zu reißen, jetzt ist der einst weltgrößte Versicherer mithilfe der US-Steuerzahler vollständig saniert. Die US-Regierung hat ihre letzten Anteile an dem Finanzkonzern abgestoßen und bei der riskanten Rettung am Ende sogar einen Gewinn verbucht. "Es war ein schmutziger Prozess. Unter dem Strich steht aber, dass die Regierung Geld damit gemacht hat", sagte der Chef-Politikstratege Greg Valliere vom Analyse-Haus Potomac. Wie hoch der Gewinn genau ausfallen wird, ist noch nicht bekannt. Zuletzt hatte die US-Regierung von einem Plus von mehr als 15 Mrd. Dollar (11,57 Mrd. Euro) gesprochen.
Direkt nach dem Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 drohte auch AIG das Aus. Um weitere Verwerfungen an den weltweiten Finanzmärkten zu vermeiden, griff die US-Regierung, die dies bei Lehman zuvor noch verweigert hatte, dem Versicherer mit Milliardensummen unter die Arme. Im Zuge der Sanierung hat AIG zuletzt am Montag seine Flugzeug-Leasingsparte an Investoren aus China verkauft.
Die US-Regierung kann auch wegen der zuletzt gestiegenen Aktienkurse an der Wall Street kräftig Kasse machen. Das Finanzministerium teilte mit, für den Kauf der noch verbliebenen gut 234 Mio. AIG-Aktien in Staatsbesitz gebe es bereits Zusagen von Investoren. Mit der Situation vertraute Personen sagten Reuters, die Anteilsscheine würden für jeweils 32,50 Dollar - nur leicht unter dem aktuellen Kurs von 33,36 Dollar - zugeteilt. Damit würden 7,61 Mrd. Dollar zusammenkommen.
AIG waren in der Finanzkrise riskante Derivate-Geschäfte zum Verhängnis geworden. Davor war das Unternehmen lange Vorbild in der Branche und profitabler als etwa Europas Branchenprimus, die Münchner Allianz. Mittlerweile haben sich die Kräfte aber verschoben: Viele solide Versicherer, die sich allein auf das Kerngeschäft konzentriert haben, sind gut durch die Krise gekommen. Zudem haben Chinas Anbieter an Bedeutung gewonnen. AIG musste dagegen nach der 182 Mrd. Dollar teuren Rettung die Kronjuwelen verkaufen - wurde aber zumindest nicht abgewickelt.
Dass die Verstaatlichung - unmittelbar nachdem die Regierung Lehman Brothers fallen ließ - ein Erfolg wurde, war damals nicht absehbar. Denn der AIG-Ruf war ruiniert. In Medien wurde immer wieder von der "gefährlichsten Firma der Welt" gesprochen. Der republikanische Senator von Iowa, Charles Grassley, legte dem Management sogar einst den Selbstmord nahe. US-Finanzminister Timothy Geithner wurde zum Rücktritt aufgefordert, nachdem bekanntgeworden war, dass AIG Boni in Höhe von 165 Mio. Dollar an Mitarbeiter der Derivate-Einheit gezahlt hatte, die für die Misere verantwortlich waren.
Wieder in die Erfolgsspur brachte das Unternehmen Robert Benmosche, der frühere Chef des US-Versicherers MetLife. Er übernahm im Sommer 2009 die AIG-Führung und sorgte dafür, dass Geld durch Verkäufe in die Kasse kam und das Unternehmen mit seinem profitablen Kerngeschäft - Lebensversicherungen und Schaden/Unfall-Policen - weitermachen durfte. Im September sagte Benmosche, AIG sei womöglich in der Lage, nächsten Sommer wieder eine Dividende zu zahlen. Die Amerikaner verdienten im dritten Quartal 2012 operativ 1,9 Mrd. Dollar und waren damit in etwa auf Augenhöhe mit der Allianz.
Zuletzt stieß AIG für bis zu 4,8 Mrd. Dollar die Mehrheit an dem Flugzeug-Leasinganbieter ILFC ab. Gut 20 Mrd. Dollar brachte die Asien-Tochter AIA durch den Börsengang in Hongkong ein. AIG ist noch mit knapp 14 Prozent an der einstigen Tochter beteiligt, ebenso an dem gerade erst an die Börse gegangenen chinesischen Versicherer PICC.
In Deutschland waren vergleichbare Rettungsaktionen bisher nicht so lukrativ. An der Commerzbank etwa ist der Bund mit 25 Prozent beteiligt. Die Aktie dümpelt bei 1,37 Euro herum, deutlich unter Einstiegsniveau - damit Deutschland einen Gewinn erzielt, müsste sich der Kurs in Richtung vier Euro bewegen. Das ist momentan nicht in Sicht. Der Bankenrettungsfonds SoFFin hat insgesamt einen Verlust von 23 Mrd. Euro angehäuft. 2011 waren es allein gut 13 Mrd. Euro, resultierend aus der Entschuldung für Griechenland. (APA/Reuters, 11.12.2012)
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