Neue Weltkarte blickt der Erde unter ihre dünne Haut

  • Die neue Karte der Erdkruste setzt sich aus 16 übergeordneten Gesteinsklassen und 
zahlreichen Unterklassen zusammen, die in mehr als 400 Kombinationen 
auftreten können.
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    foto: klimacampus/dkrz

    Die neue Karte der Erdkruste setzt sich aus 16 übergeordneten Gesteinsklassen und zahlreichen Unterklassen zusammen, die in mehr als 400 Kombinationen auftreten können.

Hundert Mal genauer als bisher zeigt eine Karte Oberfläche und Zusammensetzung der Erdkruste - Wichtige Datenbasis hilft bei Einschätzung von Georisiken

Deutsche Forscher haben eine neue Weltkarte erstellt, die einen Blick unter die dünne Haut des Globus' erlaubt: die Karte zeigt ein äußerst genaues Bild der Erdkruste unter der Bodenschicht. Die Eigenschaften der Gesteinsarten lassen sich damit 100-mal genauer darstellen als in früheren Karten: Sie werden nun quasi unter dem Mikroskop betrachtet anstatt mit der Lupe, erklärten die an dem Projekt beteiligten Wissenschafter. Die neue lithologische Weltkarte liefert damit eine wichtige Datenbasis, um verschiedene Prozesse an der Erdoberfläche zu modellieren oder so genannte Georisiken besser abzuschätzen.

Jens Hartmann und Nils Moosdorf vom Institut für Biogeochemie und Meereschemie der Universität Hamburg und dem KlimaCampus haben die globale lithologische Weltkarte nun im internationalen Fachmagazin "Geochemistry Geophysics Geosystems" veröffentlicht. Hierfür kombinierten sie 75 geologische Karten mit mehr als 300 Literaturquellen, haben neue Daten recherchiert und ältere Karten digitalisiert. "Wie in einem riesigen Puzzle setzten wir Einzelheiten über die Gesteine aus den unterschiedlichen Regionen der Welt zusammen", sagt Nils Moosdorf. "Die Benennung der Gesteinstypen haben wir global vereinheitlicht und Widersprüche sowie blinde Flecken in den Daten behoben. Diese traten zum Beispiel an unterschiedlich erforschten Ländergrenzen auf."

Georisiken besser erkennen

Die neue Karte setzt sich aus 16 übergeordneten Gesteinsklassen und zahlreichen Unterklassen zusammen, die in mehr als 400 Kombinationen auftreten können. Kennt man deren Verteilung, werden Georisiken besser erkannt: Kalkstein zum Beispiel löst sich relativ schnell auf und formt dadurch imposante Höhlensysteme. Wenn diese einstürzen, können große Löcher in der Oberfläche entstehen. Die Karte zeigt Gebiete, in denen solche Erdfälle infolge chemischer und physikalischer Verwitterung wahrscheinlich sind.

Gleichzeitig liefert die Karte wichtige Daten für die Klimaforschung. Zum Beispiel vermindert die Verwitterung bestimmter Gesteine die Konzentration des Treibhausgases CO2 in der Atmosphäre. "Uns interessiert dabei, wo es Gebiete gibt, in denen besonders viel Gestein verwittert und wie viel CO2 dabei in Wasser gebunden wird", so Moosdorf. Die Datenbasis kann ebenfalls genutzt werden, um die langfristige Verfügbarkeit von Phosphor und Silizium vorherzusagen. Dies sind wichtige Nährstoffe für Ökosysteme.

Kollegen auf der ganzen Welt können die Arbeit der Hamburger Wissenschafter als Datenquelle nutzen. Bereits jetzt liefert sie zum Beispiel der kanadischen McGill University Daten für eine globale Karte der Grundwasserdurchlässigkeit und dem Londoner King's College für hydrogeologische Modelle. Das Max-Planck-Institut für Meteorologie am KlimaCampus berechnet mithilfe der Karte die Kohlenstoffbilanz von Ökosystemen der Zukunft. (red, derStandard.at, 15.12.2012)

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