Bio-Produkte: Spar wirbt mit Unterschriften ohne Zustimmung

11. Dezember 2012, 14:05
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Verwirrung um Bio-Eistee: Autor Arvay kritisiert Ursprungsgarantie als "Augenauswischerei"

Mit Unterschriften von Lieferanten will Spar bei Bio-Produkten der Eigenmarke Natur*pur einen besonderen Mehrwert für Kunden anbieten. Wie Clemens G. Arvay, Agrarbiologe und Autor des Buchs "Der große Bio-Schmäh", herausgefunden hat, ist das in zwei Fällen aber ohne die Zustimmung der betroffenen Personen passiert. Zurzeit steht ein Bio-Eistee in der Kritik, der neben regen Diskussionen auf Online-Plattformen auch bereits zu drei offiziellen Statements von Spar geführt hat.

Was Arvay bei dieser Vorgangsweise besonders stört, ist dass Klein- und Kleinstunternehmer mit ihrer Unterschrift für eine gesamte Bio-Produktpalette garantieren. Außerdem missfällt ihm, dass sich die Supermarktkette durch diese Vorgangsweise ein "Extra-Siegel" verleiht, mit dem sie sich von Mitbewerbern abheben wolle.

Eine Unterschrift aus Sri Lanka

Hintergrund ist, dass Arvay mit jenem Mann Kontakt aufgenommen hat, dessen Unterschrift die Bio-Eistees ziert. Es handelt sich um den Tee-Hersteller Bernard Ranaweera, der auch Präsident der SOFA (Small Organic Farmers' Association) in Sri Lanka ist. Aus dem E-Mail-Verkehr zwischen Arvay und Ranaweera, der derStandard.at vorliegt, geht hervor, dass der SOFA-Präsident nichts von der Verwendung seiner Unterschrift wusste.

Spar hat das in einem ersten Statement dementiert und behauptet, dass es sehr wohl persönlichen Kontakt zu Ranaweera gegeben habe - das war vor einer Woche. Weil sich Zweifel an dieser Aussage breitmachten, fragte die APA erneut bei Spar nach. Daraufhin sprach die Supermarktkette von einem "Missverständnis" in der Kommunikation.

Spar: "Nicht korrekt rückinformiert"

Die bislang letzte offizielle Erklärung von Spar vom Montag - sie wurde ebenso wie die erste nachträglich verändert - lautet: "Der Hersteller des Bio-Eistees hat die Unterschrift von Herr Bernard Ranaweera, Präsident der Small Organic Famers' Association, über seinen Tee-Lieferanten angefragt. Dieser wiederum hat die Unterschrift von der indischen Verarbeitungsfirma erhalten. Darauf begründet sich auch die Bestätigung, dass wir die Unterschrift verwenden dürfen. Dabei wurde aber Herr Bernard Ranaweera anscheinend nicht korrekt rückinformiert. Wir klären das nun nochmals und werden eine andere Lösung finden. Durch die Kette von Zwischenhändlern war sich Herr Bernard Ranaweera offensichtlich ganz einfach nicht bewusst, dass seine Tees schlussendlich für die Bio-Eistees verwendet werden."

Ranaweera schickt keinen Bestätigungsbrief

Interessant ist, dass Ranaweera in einem E-Mail an den Eistee-Hersteller (die Schweizer Bischofszell Nahrungmittel AG) einmal mehr beteuerte, die Genehmigung seiner Unterschrift für die Spar-Bio-Eistees nicht bestätigen zu können. Als Grund führte er an, dass der Schweizer Hersteller die Tees ja nicht direkt von ihm beziehe. Daher wisse er auch nicht, welche Mengen seiner Produkte tatsächlich für die Eistees verwendet werden und ob auch wirklich nur sein Bio-Tee in den Spar-Produkten enthalten sei.

Genau hier setzt auch Arvay mit einer grundlegenden Kritik an: "Wie soll denn ein Kleinstunternehmer für die Riesenmengen an Eistee garantieren, die dann produziert werden?" Einen ähnlichen Fall hat der Agrarbiologe bereits in dem Buch "Der große Bio-Schmäh" aufgedeckt. Damals ging es um verschiedene Bio-Aufstriche von Spar, die allesamt mit der Unterschrift von Joe Hacker signiert waren. Dieser ist ein Nebenerwerbsbauer im Südburgenland und wusste nichts davon. Kurz nach Erscheinen des Buchs war die Unterschrift nicht mehr auf den Verpackungen zu finden.

Was bedeutet "Ursprungsgarantie"?

Bei den Unterschriften auf Bio-Produkten von Spar ortet Arvay ein generelles Problem: "Damit wird versucht, sich bei der Fülle von Bio-Gütesiegeln mit etwas ganz Besonderem von anderen Produkten abzuheben. Dabei wird dem Kunden gegenüber aber ein falsches Vertrauen aufgebaut - das ist eine Augenauswischerei." Als weiteres Beispiel nennt der Agrarbiologe die Unterschrift des Geschäftsführers der Austria Biogarantie, die sich auf den Natur*pur-Äpfeln von Spar findet. "Da wird mit jener Stelle geworben, die für die Kontrolle des Produkts zuständig ist - was soll der Sinn dieser Sache sein?"

Spar wiederum begründet das Vorgehen folgendermaßen: "Die Ursprungsgarantie auf der Verpackung ist nur eine freiwillige Zusatzinformation für die Konsumenten. Dabei geht es nur darum, dass ein Bauer - stellvertretend für andere, die für dieses Produkt arbeiten - noch einmal garantiert, dass das Produkt biologisch erzeugt wurde." Für Arvay bleibt jedoch die Frage offen, welcher Einzelbauer für die Riesenmengen der jeweiligen Produkte tatsächlich mit seiner Unterschrift garantieren will. (Martin Obermayr, derStandard.at, 11.12.2012)

  • Diese Unterschrift auf den Bio-Eistees von Spar sorgt für heftige Diskussionen. Der Unterzeichner, Bernard Ranaweera  von der Small Organic Farmers' Association in Sri Lanka, wusste nicht, dass sein Name auf allen Etiketten steht.
    foto: arvay

    Diese Unterschrift auf den Bio-Eistees von Spar sorgt für heftige Diskussionen. Der Unterzeichner, Bernard Ranaweera von der Small Organic Farmers' Association in Sri Lanka, wusste nicht, dass sein Name auf allen Etiketten steht.

  • Für Agrarbiologe Clemens Arvay hat die nicht abgestimmte Verwendung von Unterschriften System. Bereits in seinem Buch "Der große Bio-Schmäh" hatte er aufgedeckt, dass der Name eines südburgenländischen Bauern ohne Rücksprache auf allen Bio-Aufstrichen verwendet worden war.
    foto: nadja meister

    Für Agrarbiologe Clemens Arvay hat die nicht abgestimmte Verwendung von Unterschriften System. Bereits in seinem Buch "Der große Bio-Schmäh" hatte er aufgedeckt, dass der Name eines südburgenländischen Bauern ohne Rücksprache auf allen Bio-Aufstrichen verwendet worden war.

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