Mobbing im Internet: Jugendliche besonders betroffen

10. Dezember 2012, 18:35
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Beschwerden gegen diskriminierende Inhalte und Mobbing im Net nehmen zu. Laut Menschenrechtsbefund 2012 sind vor allem Kinder und Jugendliche gefährdet. Die Gesetze bieten wenig Handhabe

Der Kampf gegen Diskriminierung und Mobbing im Net sei vor allem ein Kampf um die Hirne, nicht um neue Paragrafen, meint Claudia Schäfer vom Antirassismusverein Zara. Denn der rechtliche Rahmen, um gegen diese " letztlich demokratiegefährdende" Hetze vorzugehen, sei derzeit beschränkt.

"Auf nationaler Ebene sind nur jene Gesetze anwendbar, die auch in der Offline-Welt gelten. Wenn Provider also im Ausland ansässig und deshalb hiesige Bestimmungen nicht anwendbar sind, macht das die Strafverfolgung umso schwierig", sagte Schäfer bei der Vorstellung des Menschenrechtsbefunds 2012 der Liga für Menschenrechte.

Jugendliche als Ansprechpersonen

Daher müsse auf hauptsächlich Prävention und Gegenoffensive gesetzt werden, also auf Wissensverbreitung über die Gefahren rassistischer Inhalte, die sich in Windeseile in Internet verbreiten, auch wenn das, was behauptet wird, schlicht falsch ist: "So wie die unzutreffende Nachricht vom Nikolo-Verbot in Kindergärten, die sich vergangene Woche auch heuer via Facebook-Auftritt von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache in Windeseile verbreitet hat."

Erste Ansprechpersonen für Aufklärungsinitiativen gegen derlei Umtriebe sind laut Antirassismusexpertin Schäfer Jugendliche. Denn ihnen falle es oft besonders schwer, diskriminierende und rechtslastige Messages im Netz zu erkennen - vor allem, wenn diese "in neuen Gewändern wie zum Beispiel der sogenannten Identitätspolitik" auftreten.

Befragung über Cyber-Hate

Und: Kinder und Jugendliche sind im Net stärker als alle anderen Attacken ausgesetzt. Letzteres besagt eine eigens für den diesjährigen Menschenrechtsbefund in Auftrag gegebene Studie der Public-Relations-Agentur Ecker & Partner, für die Ende November 500 repräsentativ ausgewählte Personen befragt wurden.

Mit 37,8 Prozent wurden hier Kinder und Jugendliche am häufigsten als jene genannt, die online "besonders stark von persönlichen Angriffen betroffen" sind. Es folgen Ausländer und Migranten (35,4 Prozent), Personen, die einer bestimmten Religionsgemeinschaft angehören (23,6 Prozent) und Personen mit dunkler Hautfarbe (16,6 Prozent): Eine Bestätigung des Umstands, dass rassistische Postings bei der Zara-Meldestelle für Rassismus-Vorfälle inzwischen schon ein Fünftel aller Beschwerden ausmachen.

Lücken und Tücken

Damit Hand in Hand geht die Furcht davor, im Net persönlich attackiert, also gemobbt, zu werden: 45,5 Prozent der Befragten gab an "sehr", "eher" oder "teils, teils" Sorge zu haben, "im Internet persönlich angegriffen zu werden". 8,8 Prozent haben bereits "verletzende und ungerechte Beiträge" gegen sich selbst wahrgenommen, 17,8 Prozent gegen ihnen bekannte Menschen.

Neben Cyber-Hate listet der Menschenrechtsbefund 2012 u. a. auch Einschränkung der Meinungsfreiheit durch das Amtsgeheimnis, Benachteiligung Eingetragener Partner, unzureichenden Schutz vor allem minderjähriger Asylwerber sowie Defizite bei der Umsetzung des Behindertengleichstellungsgesetzes als Probleme auf. Letzteres weise derart viele Lücken und Tücken auf, dass es in Österreich bei den Behindertenrechten zu einem "Rollback" gekommen sei. (Irene Brickner, DER STANDARD, 11.12.2012)

  • Surfen im Internet ist nicht nur für Kinder faszinierend - doch ihnen fällt es laut Experten oft besonders schwer, frisch aufgeputzte diskriminierende, rechtslastige Inhalte als solche zu erkennen.
    foto: heribert corn

    Surfen im Internet ist nicht nur für Kinder faszinierend - doch ihnen fällt es laut Experten oft besonders schwer, frisch aufgeputzte diskriminierende, rechtslastige Inhalte als solche zu erkennen.

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