Lobo bleibt dabei: "Hiniche" nicht förderungswürdig

10. Dezember 2012, 18:18
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Nach Absage des Konzerts im Wiener Gasometer entbrannte Diskussion um Zensur in Kulturpolitik

Wien - Zensur oder keine Zensur - das ist zumindest die Frage, die sich Blogger und Journalisten im Anschluss an das abgesagte Konzert der Band Die Hinichen im Wiener Gasometer seit vergangenem Samstag stellen.

Die Vorgeschichte: Der grüne Kultursprecher Klaus-Werner Lobo hatte nach einem Hinweis über die Inhalte des "Prolo-Rock-Kabaretts", wie sie sich selbst bezeichnen, Kontakt mit dem Veranstalter Josef Sopper aufgenommen und ihn verwarnt: Lieder wie Wir mischen auf im Frauenhaus, Der Neger am Mittelmeer oder Gruppensex im Pensionistenheim seien menschenverachtend und entsprächen nicht den Subventionsvereinbarungen mit der Stadt. Denn der Gasometer und die Szene Wien, beide geleitet von Sopper, erhalten 712.000 Euro Kulturförderung. Das Konzert wurde daraufhin von Sopper abgesagt. Die IG Autoren bezeichnete das als "Zensur der Ära Metternich" .

Lobo selbst ist erstaunt über die Reaktionen im Netz, die seine Kritik ausgelöst hat. "Bei Rassismus oder Antisemitismus würde man schneller einsehen, dass das nicht von Steuergeldern gefördert werden darf. Doch Sexismus und Gewaltverherrlichung wird toleriert." Den Vergleich mit Metternich empfinde er als geistig beschränkt. "Was ist Kulturpolitik sonst, als Schwerpunkte zu setzen mit dem wenigen Geld?", fragt sich Lobo. Er habe nicht in laufende Programme eingegriffen.

Schon 2002 sorgten die Hinichen für Aufregung: Texte wie "Die Fotzen, ja die ghörn verdroschen, zuerst aufs Aug' und dann in'd Goschn" sowie der Aufruf, das Frauenhaus zu stürmen waren der Leiterin der Linzer Einrichtung zu viel. Sie erstattete Anzeige, die jedoch fallen gelassen wurde. Jetzt erwägt sie erneut rechtliche Schritte.

Mittlerweile hat sich auch die FPÖ eingeklinkt, die in einer Aussendung vom "grünen Natursekt-Freund" Lobo schreibt, der den Veranstalter erpresst habe. Es handle sich um ein "traditionelles Konzert, das aus ideologischen Gründen untersagt wurde".

Jutta Stanzel, Mitglied und Managerin der Band, argumentiert, die Liedtexte seien satirisch gemeint und sollen aufrütteln. Auf die Unterstützung der FPÖ könne sie verzichten. "Außerdem haben wir die Subventionsgelder gar nicht beansprucht." (Julia Herrnböck, DER STANDARD, 11.12.2012)

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